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Twitter

#Zwitscher-Zeitung

Mit Twitter lassen sich kurze Nachrichten in die weite Welt schicken. Oft sind diese Tweets schneller als die herkömmlichen Informationswege. Eine traditionelle Zeitung konnte das Gezwitscher bisher aber nicht ersetzen.

Keine Kontrolle: Ob dieser Twitter-Vogel eine Ente verbreitet, liegt allein in der Hand der Twitterer.

Zürich. Mit Onlinediensten wie TwitterTimes könnte sich das ändern. Der Dienst analysiert die Twitter-Nachrichten (Tweets) von Freunden und deren Followern. Alle diese Postings fasst TwitterTimes zusammen und stellt sie in einer Übersicht dar.

Der Dienst eignet sich auch für Personen, die mit Twitter eigentlich nichts am Hut haben. Der User muss dafür lediglich die Twitter-Zeitung eines vorgefertigten Kanals - etwa von einer Zeitung - abonnieren. So kann er lesen, welche Nachrichten gerade am häufigsten durchs Netz gejagt werden.

Die Sensation gewinnt

Das Prinzip ist nicht, dass der, der am lautesten schreit, erhört wird. Bei TwitterTimes entscheidet die Masse, welches Thema gerade "heiß" ist. Nur die Tweets, die am häufigsten rezitiert werden, die also die meisten "Retweets" haben, schaffen es auf die Titelseite einer Twitter-Zeitung.

Retweet Es ist wie ein Sport. Bei Twitter gehört es zum guten Ton, besonders lesenswerte Nachrichten mit anderen Nutzern zu teilen. Das Weitergeben eines Tweets bezeichnet man als "Retweet". Ein Retweet kann folgendermaßen aussehen:

  • Person AAA findet hier gute Infos zu Medienjournalismus: xlurl.de/dCh7Hh
  • Person BBB: RT @Person AAA findet hier Infos zu Medienjournalismus: xlurl.de/dCh7Hh

"@Person AAA" gibt die Quelle an, von der die Nachricht ausging. "RT" ist das Kürzel für "Retweet".

Für TwitterTimes gilt also das Gleiche wie fürs Quotenfernsehen oder die BILD: In diesem Wettbewerb bestehen nur die Nachrichten, die massentauglich sind und die beim Publikum sehr gut ankommen.

Für Medienmacher dürfte das Tool interessant sein, wenn sie wissen wollen, was die Leute im Netz bewegt. Auf einem Blick sieht man, welche Topics - zumindest bei den aktiven Twitter-Nutzern - gut laufen und welche eher nicht. Damit liefert TwitterTimes ganz nebenbei einen kostenlosen Analysedienst an. Aber Vorsicht sei geboten: Sogenannte Twitter-Bots (auch Spam-Bots) könnten die Ergebnisse verfälschen, indem sie ausgewählte Nachrichten besonders häufig retweeten.

Die Tweet-Dunstwolke in den Griff bekommen

Twitter-Zeitung der NY Times: Tweets entscheiden, was relevant ist und was nicht.

Man sieht vor lauter Tweets den Tweet nicht mehr. Das Problem dürfte dem ein oder anderem Benutzer von Twitter bereits aufgefallen sein. Der Onlinedienst TwitterTimes versucht mit seinem Angebot, Klarheit in den Dunst von Twitter zu bekommen. Er entscheidet, welche von den unzähligen Nachrichten für den jeweiligen Nutzer besonders relevant sind.

Wer TwitterTimes in seinem ursprünglichen Sinne benutzt, der bekommt einen handliches Tool, um die Flut an Kurzimpressionen von Freunden und Freundesfreunden zu verarbeiten.

Ob eine Twitter-Zeitung, eine herkömmliche Zeitung ersetzen kann, hängt stark vom eigenen Nutzungsverhalten ab: Wer Twitter viel nutzt und Follower von vielen für sich relevanten Kanälen ist, dem wird TwitterTimes ein Segen sein. Allen anderen dürfte es relativ egal sein.

Linktipps zu Twitter

Video: Wie funktioniert der Dienst?

Video: Der Onlinedienst erklärt, wie TwitterTimes funktioniert (englisch). (Quelle: www.twittertim.es; Upload über Vimeo)

Video: Interview mit Biz Stone

Video: Twitter-Mitbegründer Biz Stone erzählt im Interview über "Twitter und soziale Alchemie". (Quelle: Elektronischer Reporter)

Vollständiges Transkript zum Interview

Text: Sami Skalli
Grafik: Sami Skalli mit Bildmaterial von PSD Graphics und VectorVaco
Screenshot: Sami Skalli, www.twittertim.es
Video: Maxim Grinev, Vimeo; Elektrischer Reporter

Veröffentlicht: 15.06.2010
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