Zwei Ereignisse, riesige Aufmerksamkeit
Während die Mondlandung ein Ereignis war, auf das sich die Medien einstellen und dessen Programmablauf sie vorab veröffentlichen konnten, kamen die Terrorangriffe vom 11. September 2001 überraschend. "9/11": Geprägt von Fassungs- und Sprachlosigkeit, Endlosschleifen und großer Bestürzung. Der Versuch eines medialen Vergleichs.
Fernsehen: Von Licht- und Schattenseiten der Live-Berichterstattung
Für die Tage der Mondmission 1969 haben ARD und ZDF bereits im Vorfeld mehrere Sondersendungen und Live-Berichterstattungsphasen eingeplant. Sonderstudios sind eingerichtet, Korrespondenten vor Ort, die Leitungen stehen. Die Übertragung war von langer Hand vorbereitet. Die Live-Berichterstattung aus dem All birgt aber auch kleinere Gefahren: So macht sich Neil Armstrong die Direktübertragung zunutze, indem er die Welt durch eine Kameradrehung einfach mal auf den Kopf stellt. Wer hätte ihn daran hindern sollen? Ist er doch Kameramann und Astronaut in einem.
Was ist – vom Weltraum aus betrachtet – denn richtig, was wahr? Dass die Mondlandung tatsächlich stattgefunden hat, bezweifeln Verschwörungstheoretiker. Die Qualität der Bilder vom Mond tut ihr Übriges dazu: Sie verleiht ihnen einen surrealen Eindruck. Das gibt Armstrong auch selbst zu.
Am 11. September 2001 kommt es mit Bekanntwerden der Geschehnisse in Amerika – je nach Sender etwas zügiger (RTL) oder etwas langsamer (ARD) – auch im deutschen TV zu Unterbrechungen des Tagesprogramms. Manche Sender wie VIVA oder VIVA 2 geben ihren Sendebetrieb sogar komplett auf. Vieles, was sich an diesem Tag zuträgt, ereignet sich live während der Ausstrahlung, das erzeugt eine unkontrollierbare Situation. Moderatoren müssen Worte für etwas finden, das nahezu unbeschreiblich scheint und ein globales Entsetzen auslöst. Viele Fragen tun sich auf, doch wer kann sie beantworten? Zudem müssen die Moderatoren einen angemessenen Umgang mit ihrer eigenen Emotionalität entwickeln.
Ab dem frühen Abend sind auf manchen Sendern Endlosschleifen vom Anflug der zweiten entführten Maschine auf den Nordturm und vom darauf folgenden Crash zu sehen. In einem Bericht von Uwe Wittstock auf Welt Online (15. September 2001) heißt es, dass die Auswahl gerade der spektakulärsten Bilder auf die "oft uneingestandene Angstlust der Zuschauer gezielt" habe. Auch wenn sie keinen neuen Informationsgehalt in sich trugen: Man muss immer wieder hinsehen. Ein derartiges Geschehen hätte einem Science-Fiction-Film entnommen sein können. Nun sollte es sich wirklich zugetragen haben? Die Bilder von 9/11 fesseln die Zuschauer auch an den Folgetagen noch. An ein reguläres Programm ist vorerst nicht zu denken.
Was die Berichterstattung mit den Rezipienten macht...
20. Juli 1969: Die Welt ZITTERT mit den amerikanischen Astronauten. Werden sie es schaffen, als erste Menschen einen fremden Himmelskörper zu betreten? Gegen 21 Uhr (MEZ): Es wird spannend: Reicht der Sprit für eine Landung der "Eagle" auf der Mondoberfläche? Auch das noch: Der Autopilot versagt. Aber Neil Armstrong hat alles im Griff. Er wird der Erste sein, der seinen Fuß in den Mondsand setzt. Sogar einige Russen freuen sich darüber.
11. September 2001: Die Welt ERZITTERT. Als ein weiteres Flugzeug in den zweiten der beiden World-Trade-Center-Türme rast, ist klar, dass es sich – kombiniert mit dem Absturz einer Maschine und dem Crash ins Pentagon – nicht um separate Unfälle handeln konnte, die sich zufällig am gleichen Tag ereignet haben.
So hat die Presse reagiert:
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Externe Links
Mondlandung. Ein Ereignis, an das sich jeder erinnert? Dies und anderes in einer WDR-Serie zum 40. Jubiläum.
Die Krise als Medienereignis. Über den 11. September im deutschen Fernsehen – ein Buch von Stephan A. Weichert
Text: Verena Hepperle
Teaserfoto: flickr.com/psovart
Fotos: NASA; flickr.com/wallyg
Slideshow: Andreas Block, Verena Hepperle


