Zur Entstehungsgeschichte der Weblogs
In großen Teilen der Blogger-Szene wird schon die älteste Seite im World Wide Web aus dem Jahr 1989 als Weblog bezeichnet. Der Brite Tim Berners-Lee, der als Erfinder des WWW gilt, nutzte die Seite info.cern.ch, um zu wissenschaftlichen Datenbanken zu verlinken und auf Neuigkeiten im Netz aufmerksam zu machen.
Weblogs in Form von Online-Tagebüchern (damals noch so genannt) tauchten Mitte der 1990er Jahre auf. Es handelte sich um Webseiten, auf denen Internetnutzer periodisch Einträge über ihr eigenes Leben machten. Einer der ersten Blogger war Simon Gisler, der seit 1994 ein Weblog führt.
Gründungsmanifest der Szene
Als Erfinder des Begriffs "Weblog" gilt der Blogger Jorn Barger. Seit 1997 veröffentlichte er Tag für Tag Links und versah sie mit Beschreibungen und Kommentaren. Cameron Barett nahm 1999 den von Barger kreierten Begriff "Weblog" in seinem Essay "Anatomy of a Weblog" auf und beschrieb die Eigenschaften dieser besonderen Websites. Baretts Essay gilt heute als eine Art Gründungsmanifest der Szene, der zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr als 30 Blogger angehörten.
Bis zum Ende der 90er Jahre bestand der Großteil der Blogger-Community aus technisch versierten Informatikern, Programmierern und Web-Designern. Sie betrieben ihre Blogs auf eigenen Servern oder in gemietetem Webspace und tauschten sich auf diese Weise aus. Ende der 90er Jahre wurden dann Softwarelösungen entwickelt, die es jedem ermöglichten, ein Blog einzurichten und zu unterhalten – auch wenn der jeweilige Nutzer nicht in der Lage war, mit Programmiersprachen umzugehen.
Der 11. September trägt zum Wachstum bei
Im Jahr 2000 fand in Austin/Texas die erste Weblog-Konferenz statt, auf der mit wissenschaftlichem Anspruch über das neue Phänomen diskutiert wurde. Kurz darauf griffen auch amerikanische Online- und Printmedien das Thema auf. Durch verbesserte Blog-Tools stieg die Zahl der Weblogs bis Ende 2001 auf knapp eine Million. Neben den Innovationen im Software-Bereich wird auch der 11. September 2001 zur Erklärung des rasanten Wachstums von Weblogs herangezogen: Unmittelbar nach den Anschlägen veröffentlichten Augenzeugen ihre Berichte, Fotos und Videosequenzen in Weblogs, die viel schneller auf die Geschehnisse reagieren konnten als die traditionellen Medien. Außerdem wurde durch den 11. September eine zunehmende Politisierung der Gesellschaft eingeleitet, die dazu führte, dass plötzlich jeder diskutieren und mitreden wollte.
Am Beispiel von Xanga lässt sich das rasante Wachstum der Blogs gut erkennen: Der Service Xanga wurde 1996 eingerichtet und ermöglichte auf einfache Weise das Erstellen eines eigenen Weblogs. Xanga wuchs von 100 Blogs im Jahr 1997 auf 20 Millionen Blogs im Jahr 2005. Weltweit wird die Anzahl von Blogs auf ca. 70 bis 100 Millionen geschätzt, alleine in den USA soll es ca. 15 bis 20 Millionen geben. An zweiter Stelle steht Südkorea (ca. 15 Millionen), gefolgt von den Franzosen mit ca. 3,5 Millionen. China steht mit ca. 3 Millionen Weblogs an vierter Stelle. In Deutschland wurde die Zahl nach Schätzungen der Dialogberatung Proximity Ende 2006 auf 350.000 beziffert.
Text: Stefan Burkard (Quellen: Matthias Armborst: Kopfjäger im Internet oder publizistische Avantgarde? Was Journalisten über Weblogs und ihre Macher wissen sollten. Berlin, 2006, S. 33 ff.; www.heise.de; Wikipedia)
