Zieht Euch warm an!

Vier Milllionen Fernsehzuschauer erlebten am Wochenende das heiße Finale von "Dancing on Ice". Das Studio-Publikum im Coloneum fror dagegen nicht nur direkt an der Eisfläche, sondern sah die RTL-Show auch mit ganz anderen Augen.
Dienstagabend. Dialog zweier Seniorinnen aus Mülheim in der S-Bahn: "Hast du am Wochenende die Eis-Show gesehen?" – "Mit der Katarina Witt?" – "Nee, bei RTL." – "Ach so, da wo die Ruth Moschner gewonnen hat..." – "Genau. Die hat sich wirklich gemacht, die hat ja auch zehn Kilo abgenommen! Was die alles konnte auf dem Eis und das in der kurzen Zeiiit!" – "Ich dachte ja, der Schreyl gewinnt das. Der konnte aber hinterher nicht mehr. Der war am Ende. Hat er ja gesagt in der Sendung."
"Dancing on Ice" gehörte neben dem Promi-Tanzcontest "Let’s Dance" und der Casting-Show "Deutschland sucht den Supertstar" zu den RTL-Event-Shows dieses Jahres. Vom 9. Oktober bis 2. Dezember produzierte die britische Firma Granada acht Samstagabend-Shows live für RTL. In der Sendung müssen Prominente zusammen mit professionellen Partnern eiskunstlaufen, wobei die Promis vorher kaum Erfahrung im Eiskunstlauf hatten. Intensives Training sorgte für die nötige Showreife. Das Format war erstmals im Februar 2006 beim britischen Sender ITV zu sehen und wurde ein Quotenhit. Das Finale der deutschen Version von "Dancing on Ice" mit den Kandidaten Marco Schreyl und Ruth Moschner verfolgten am Samstag 4,22 Millionen Zuschauer – vor dem Fernsehgerät. Mehrere hundert Zuschauer erlebten die Show zudem live im Kölner Coloneum, den Produktionshallen der MMC-Studios. Und das Publikum bekam in Studio 23 allerhand Dinge mit, die den TV-Zuschauern vorenthalten wurden – nicht nur in den Werbepausen.
"Sie werden es sich schon mollig warm machen"
Das Foyer des Coloneums ist voller Menschen in Abendgarderobe. Elegantes Outfit ist Voraussetzung, um ins Studio zu dürfen – abgesehen von dem Fakt, eine Eintrittskarte zu haben. Und dabei ist noch etwas wichtig, um das Finale von "Dancing on Ice" genießen zu können: Nicht nur schick, auch warm sollte es sein. Dass das Produktionspersonal in Steppjacken und mit Schal im Einsatz ist, macht deutlich: In Studio 23 ist es kalt. Schließlich ist das zentrale Objekt der Event-Show eine echte Eisfläche – und die muss nunmal gekühlt werden. Bereits der Ticket-Service hatte darauf hingewiesen: "Bedingt durch die Eisfläche wäre warme Unterwäsche usw. ratsam. Denn dicke Jacken und Mäntel dürfen nicht mit reingenommen werden." Das gilt übrigens auch für Handtaschen, die die Frauen ja gerne hüten wie ein Tagebuch. Aber schließlich soll es im Fernsehen nicht so aussehen, als ob die Zuschauer "auf dem Sprung" wären und nur mal kurz vorbeischauen würden. Wenn man bei jemandem zu Gast ist, legt man schließlich auch seine Jacke ab.
"Ich denke, Sie werden es sich schon mollig warm machen." Auch der Sprecher, der im Foyer für den Einlass zuständig ist, wiederholt den Hinweis für alle, die ihn vielleicht ignoriert haben: "Die Temperatur wird in etwa so sein, wie wenn man im Sommer die Klimaanlage voll aufgedreht hat." An einem Stand werden zwar für ein paar Euro Taschenwärmer angeboten, doch man muss es nicht übertreiben. Das lange Unterhemd und der Rollkragenpullover unter dem Cord-Anzug sollten ausreichen. Beim Eintreten ins Studio erwartet den Zuschauer zwar eine relativ kühle Temperatur, trotzdem sieht die Eisfläche schlecht präpariert aus. So manche Wasserlache macht sich auf dem Eis breit.
Das Warmup

- Rastlos und quirlig ums Publikum bemüht: René Travnicek.
Kurz vor 20 Uhr haben auch die Nachrücker ihre Plätze eingenommen. Bis zum Show-Start um 21.15 Uhr ist es noch etwas hin, und so erobert erst einmal Warmupper René Travnicek das Studio. Der 31-Jährige steppt, rappt, legt mit zwei Auserwählten aus dem Publikum eine respektable Tanzperformance zu "YMCA" hin und improvisiert mit Stichworten Kurzgeschichten. Ein Glück, denn es gibt auch Warmupper, deren einzige Ideen es sind, mit dem Publikum das "richtige Klatschen, Jubeln und Lachen" zu üben und mit zotigen Sprüchen herausgepickte Zuschauer zu herzhaften Schreien zu animieren, bis ihnen die Schamesröte ins Gesicht steigt. Damit ging Travnicek dankenswerterweise sparsam um. Wie die "Ladies and Gentlemen" leicht überdreht zu unterhalten sind, zeigte der 31-Jährige bislang nicht nur als Warmupper diverser im Coloneum produzierter Shows (darunter "Deutschland sucht den Superstar", "Nur die Liebe zählt" und "Big Brother"), sondern auch als Viva- und RTL2-Moderator. So verwundert es kaum, dass er bei "Dancing on Ice" ungeniert Pappschilder mit Aufschriften wie "Marco, Du bist der Beste" oder "Ruth – du schaffst es!" im Publikum verteilt. Merksatz: Die meisten Fan-Schilder haben die Zuschauer in Fernsehshows nicht selbst mitgebracht. Alles kalkuliert.
Die Spidercam

- Kamerafahrten ohne Grenzen: die Spidercam.
Das Warmup dient jedoch nicht nur dazu, mit den Zuschauern eine Atmosphäre zu schaffen, sondern auch die technischen Proben zu überbrücken. So rauscht eine der neuesten Errungenschaften, die Spidercam, über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Die Kamera ist an vier Seilen, die an der Studiodecke hängen, festgemacht. Dadurch kann sie in allen drei Dimensionen zu fast jedem Punkt im Studio navigiert werden. Der Effekt, einen Flug zu simulieren und über den Zuschauern und den Kandidaten zu schweben, ist dabei wahrlich eindrucksvoll und kommt im Fernsehen sehr dynamisch daher. Bei groß angelegten Produktionen ist die Spidercam deshalb sehr beliebt, und so kam sie sogar schon bei Fußballübertragungen der Champions-League zum Einsatz.
Roxette

- Im Doppelpack durchs Vollplayback: Roxette.
Für einige Minuten übernehmen Wayne Carpendale (29) und Mirjam Weichselbraun (24), die Moderatoren von "Dancing on Ice", das Ruder. Denn nachdem in vergangenen Sendungen unter anderem Stars wie Rihanna, James Morrison und Yvonne Catterfeld mit einem Music Act zu Gast waren, hat sich für das Finale das schwedische Pop-Duo Roxette angesagt. Und weil Bühnenumbauten auf der Eisfläche während der Live-Sendung störend wären, wird der Auftritt des Duos voraufgezeichnet und später in die Live-Sendung eingefügt. Sängerin Marie Frederiksson muss bei ihrem Gang zur Bühne gestützt werden, auch als sie noch gar nicht den Weg über die Eisfläche betreten hat, die für sie mit Teppich ausgelegt wurde. Nach zwei Durchläufen des Songs "One wish", die Kamera- und Schnittproben dienten, geben Wayne Carpendale und Mirjam Weichselbraun ihre launig-lockere Anmoderation, und Roxette nudeln ihren Song im Vollplayback ab. Der Schlagzeuger streichelt dezent seine Drums, der E-Gitarrist bedient sein nicht an den Strom angeschlossenes Instrument ebenso professionell wie der Keyboarder. Die Aufzeichnung ist im Kasten, Roxette sagen "Thank you. Merry Christmas" und verschwinden. Im Fernsehen wirkt der Auftritt später durch seine schnellen Schnitte und aufwändigen Kamerafahrten äußerst dynamisch.
Mike Leon Grosch kennt das. Der Zweitplatzierte der dritten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) sitzt mit seinen Eltern im Publikum, deren Gesichter durch die RTL-Show mindestens ebenso bekannt sein dürften wie das ihres Sohnes. Nun beobachtet der gebürtige Wuppertaler ganz privat DSDS-Moderator Marco Schreyl, zu dem er seit der Show ein gutes Verhältnis pflegt. Und Schreyl erlebt nun genau das, was Mike und die anderen Casting-Kandidaten aushalten mussten: Anspannung pur, denn am Ende steht nur eine Frage: Wer wird gewinnen?
Um 21.10 Uhr knistert es spürbar im Studio. Fünf Minuten noch bis zum Sendestart. Warmupper René lässt das Publikum nicht allein. Dass zum Abschluss des Aufwärmtrainings allerdings der Karnevals-Klassiker "Viva Colonia" eingespielt wird und die Halle feiert, ist dann doch etwas übertrieben. Aber wir sind nunmal in Köln.
Showstart
Vorspann. Lightshow. Applaus. Die Moderatoren betreten das Studio. Applaus hält an. Die Spidercam fliegt umher. Jury und Finalisten gleiten aus der Styropor-Kulisse hinaus auf die Eisfläche. Bunte, glitzernde Kostüme. Zuschauer reißen Pappschilder hoch. Der Fernseh-Glamour geht in die erste Runde.
Runde Eins: Der kleine Skandal

- Bei ihnen tanzen die Moleküle: Ruth Moschner und Carl Briggs.
Eisfläche frei für das erste Finalpaar: Moderatorin Ruth Moschner (30) und Brite Carl Briggs (39), der mehrere Jahre bei den Eisshows "Holiday on Ice" und "Disney on Ice" auftrat, zeigen ihre Lieblingskür zu Mias "Tanz der Moleküle". Das Herz tanzt, Moschner strahlt und das Publikum klatscht mit, ohne von Warmupper René dazu gezwungen worden zu sein. Moschner und Briggs vermitteln in ihrer Lieblingskür einfach begeisternde Ausstrahlung. Und so passt auch die Textzeile "Es ist so schön, wenn du lachst" wunderbar zum Paar. Kleine Fehler merzt die Regie durch die Technik aus; im Fernsehen kann man Bilder eben schön kombinieren und Perspektiven setzen. Im Studio ist der Zuschauer sein eigener Regisseur. Nach der Kür, im Small-Talk mit Moderator Wayne Carpendale, sagt Moschner das, was man in solch einer Situation floskelt: "Das Eistanzen hat mein Herz erobert. Wir sind super-stolz und es ist eine große Ehre, hier zu tanzen." Die Jury vergibt fünfmal fünf Punkte von möglichen sechs. Video ansehen

- In Schwarz zum Song von Pink: Marco Schreyl und Theresa Schumann.
"Ich hab’ gedacht, Kandidat zu sein, ist einfacher", sagt Marco Schreyl (32), der als zweiter Finalist überraschend mit Theresa Schumann antritt. Sie hatte in der Show zuvor mit dem ausgeschiedenen Schauspieler Branko Vukovic um den Sieg gekämpft. Schreyl war in den vergangenen Wochen allerdings nur durch seine Eislaufpartnerin Sarah Jentgens bis ins Finale gekommen. Das Problem: Jentgens hatte sich laut RTL den Fuß verstaucht, ein Einspieler zeigte plakativ den Verband. Nach Informationen von Medien Monitor wollte Jentgens jedoch im Finale antreten. Schließlich ist sie ein Profi, und schließlich ging selbst Ruth Moschner mit einem lädierten Handgelenk in die Endrunde. Doch Marco Schreyl wollte das offenbar nicht. "Wahrscheinlich hatte er Sorge, dass Sarah im Finale stürzen und ihnen die Chance auf den Sieg verbauen könnte", hieß es aus dem Umfeld der Kandidaten. Besonders Boxer Sven Ottke, der einige Sendungen zuvor ausgeschieden war, soll deswegen "stocksauer" auf Schreyl gewesen sein. Und so schwenkt er während der Finalsendung unablässig ein "Ruth"-Plakat. Marco Schreyl drückt die Situation in der Live-Sendung so aus: "Es ist vor allem für Sarah bitter. Man genest natürlich auch innerhalb dieser Woche. Aber irgendwann muss man sich diese Deadline setzen." So startete Schreyl mit seiner Ersatz-Parternin erst drei Tage vor dem Finale mit dem Training und musste dabei ein doppeltes Pensum absolvieren.
Dass sich die harte Arbeit lohnte, zeigt er mit Theresa Schumann in schwarzem Glitzeranzug zu Pink’s Rocksong "U und Ur Hand". Das haut rein. Und während Pink aus den Lautsprechern röhrt "I’m not here for your entertainment", beweisen Schreyl und seine Parternin auf dem Eis das Gegenteil. Und so liegen nach der ersten Runde Marco und Theresa mit einer Jury-Wertung von 25,5 knapp vor Ruth und Carl (25,0). Video ansehen
Runde Zwei: I believe I can fly

- Die Kunst des Entertainments: Es muss knallen. Feuer und Eis mit Flugmanöver.
"Eislaufen war gestern, heute ist Eisfliegen angesagt", kündigt der Off-Sprecher die nächste Überraschung des Abends an: In strahlend weißen Anzügen, die über die Bildmischung im Fernsehen noch mehr leuchten als im Studio, starten Ruth und Carl ihren Flug zu Kelly Clarkson’s "Break away". Mit Hilfe von dünnen Seilen, die an der Decke befestigt sind, hebt Ruth ab. Pyrotechnik kommt zum Einsatz, Feuer und Funken wirken immer gut. Im Fernsehen wirkt der akrobatische Auftritt spektakulärer, vor allem da die Seile, an denen die Promis hängen, weniger stark sichtbar sind. Dass sich Ruth Moschner bei ihrem Flugmanöver ein Loch in die Strumpfhose reißt, ist aber auch auf der Mattscheibe nicht zu übersehen. Die Wertungen der Jury steigen auf 5,5 Punkte. Video ansehen
Marco Schreyl und Partnerin setzen mit dem Tanzschul-Evergreen "Time of my life" und Slapstick entgegen. Die Spaß-Fraktion. Und so kontert Hans-Jürgen Bäumler eine Kritik seines Jury-Kollegen Reinhard Ketterer, der sich als Eiskunstlauftrainer mehr Atlethik gewünscht hatte: "Wir sind ja eine Unterhaltungssendung. Der Showeffekt muss heute mal mitbewertet werden." Trotzdem führen nach der zweiten Runde Ruth und Carl mit 52,5 vor Marco und Theresa mit 50,5 Punkten. Video ansehen
Das heimliche Highlight
In der Werbepause kommt Warmupper René auf die Idee, Publikumsgast Mike Leon Grosch um eine Gesangseinlage zu bitten. René: "Das kommt von mir jetzt sehr spontan. Geht das? Du hast dich ja nicht eingesungen." Darauf Mike: "Scheißegal." Der 29-Jährige greift nach dem Mikrofon und beginnt, Seal’s Ballade "Love’s Divine" zu singen. Im Sitzen. "When the rainstorm came over me ..." Der Auftritt wird zum heimlichen Highlight des Abends – wegen seiner Intimität und weil er so unvermittelt, fast ohne Inszenierung funktioniert (den zugeschalteten Hall fürs Mikrofon und das gedimmte Licht mit einem Spotlight auf den Sänger mal ausgenommen). Als Mike seinen Vortrag beendet hat und das Publikum frenetisch applaudiert, steht er auf und winkt mit kindlich leuchtenden Augen in die Menge. Ehrliche Freude, wahrscheinlich vermischt mit der Gewissheit, dass dies wieder einer seiner wenigen großen Auftritte gewesen ist; seine Medienpräsenz nach Ende der dritten DSDS-Staffel wurde vom Management anscheinend nicht genug gefördert. Die Superstars – ein zeitlich begrenztes Unterhaltungsprodukt? Im Januar 2007 startet bei RTL die vierte Staffel.
Runde Drei: Die Bolero-Sensation

- Der Kontrast: Tiefe Sinnlichkeit beim „Bolero“. Foto: RTL
In der dritten, finalen Runde wird es ernst – und das im wahrsten Sinne des Wortes: Bei den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajevo ging das Eislauf-Paar Christopher Dean und Jane Torvill in die Geschichte ein, als es für ihre sinnlich-perfekte Kür zu Maurice Ravels "Bolero" neunmal die Höchstwertung von 6,0 bekam. Eine Sensation, die die Choreographie zum Kult werden ließ. Bei "Dancing on Ice" versuchen die beiden Promi-Paare, als Höhepunkt des Abends, diesen Bolero der Sinnlichkeit zumindest ansatzweise aufs Eis zu bringen. Neben den Kleidern ist die komplette Kulisse jetzt in verführerisches Rot getaucht. Ruth Moschner und Carl Briggs faszinieren das Publikum mit ihrer risikoreichen, vollends knisternden Choreographie so sehr, dass es die Leistung zum Ende der Kür euphorisch mit Standing Ovations honoriert. Wieder keine Absprache, keine Verpflichtung durch den Warmupper, sondern pure Anerkennung. Auch die Jury ist begeistert und vergibt 29,5 Punkte von möglichen 30.
Marco Schreyl kann mit Theresa Schumann dagegen nicht in der Bolero-Kür überzeugen. Zu angespannt und verbissen kämpft er um den fehlerlosen Sieg und vergisst dabei das Wichtigste: "Das Sinnliche war überhaupt nicht drin", sagt Juror Claus Brick nach der Kür. Und Marika Kilius ergänzt: "Es hat die Seele gefehlt." Marco Schreyl kann dagegen nur noch wenig sagen: "Ich bin fix und fertig. Ich kann nicht mehr", sind seine Worte. Die Tränen zum Ende seines Auftritts und das erleichtert geflüsterte "Danke" zu Partnerin Theresa Schumann sprechen eine klare Sprache.
Nach den Wertungen der Jury sind Ruth und Carl mit 82,0 Punkten Sieger, Marco und Theresa erreichten 78,0 Punkte. Doch da in der Show die Fernseh-Zuschauer per Telefon-Voting zu 50 Prozent mit entscheiden, ist hier buchstäblich das letzte Wort noch nicht gesprochen: Bis zur endgültigen Entscheidung dauert es noch eine gute Stunde, in der die Zuschauer Zeit haben, ihre Telefonrechnung in die Höhe schnellen zu lassen.
Showdown: Hochbetrieb auf dem Eis
Mit einem unbeschwerten Showact präsentieren sich alle Teilnehmer in einer gemeinsamen Performance noch einmal auf der Eisfläche. Tanja Szewczenko (29), Jury-Mitglied und dreifache Deutsche Meisterin, gibt mit dem Ensemble zu Christina Stürmers Song "Ich kriege nie genug" eine losgelöste Performance. Allen Teilnehmern merkt man an, dass sie jetzt nur noch genießen wollen. Die Anspannung ist weg, der Showact begeistert. Erneut zollt das Publikum dem Team mit Standing Ovations Respekt. Video ansehen
Noch voller wird es, als in der letzten Werbepause auch der Rest der Jury nochmal die Eisfläche nutzt und sich ganz ungeniert auf ihr vergnügt. Und so bekommen die Fernsehzuschauer auch nicht mit, wie Marika Kilius, eine der erfolgreichsten deutschen Eiskunstläuferinnen, mittlerweile 63 Jahre, noch einmal zur Todesspirale ansetzt. Und sie kann es wie eh und je: Mit ihrem Eis-Partner Hans-Jürgen Bäumler wurde sie zwischen 1958 und 1964 viermal Deutsche Meisterin, sechsmal Europameisterin und zweimal Weltmeisterin im Paarlauf, zudem gewann das "Traumpaar der 60er" zwei olympische Silbermedaillen.
Die Entscheidung

- Die Ice Champions 2006: Ruth Moschner und Carl Briggs.
Acht Wochen ist es her, dass RTL die Event-Show ins Rennen um die Quote und die Teilnehmer ins Rennen um den Sieg schickte. Die Jury sitzt wieder auf ihren Plätzen, die Kandidaten haben sich auf dem roten Teppich platziert, die Scheinwerfer fixieren Ruth Moschner und Marco Schreyl. Das Ergebnis steht kurz bevor: Die Telefon-Leitungen sind geschlossen, doch die finale Verkündung zieht das Moderatoren-Paar Carpendale/Weichselbraun dann doch noch einmal minutenlang hin. Schließlich wird der goldene Umschlag geöffnet und die Anspannung befreit: Die "Ice Champions 2006" sind "RUTH UND CARL!", schreit Wayne Carpendale heraus. Video ansehen
Auch die TV-Zuschauer haben sich also für die quirlige Entertainerin und ihren englischen Eisbaron entschieden. Feuerwerk sprüht, Glitter fällt von der Decke, Standing Ovations zum dritten Mal, mittlerweile schmerzen die Beine vom langen Sitzen auf den grauen Hartschalenstühlen, so dass das Aufstehen schwerfällt. Auf der Eisfläche jedoch sind alle gelöst: Ruth fällt Carl um den Hals, Wayne fällt Marco um den Hals, Mirjam fällt Wayne um den Hals – und fragt ihn in ihrer kecken Art mitten im Trubel: "Darf ich zum Schluss was machen, was ich schon seit acht Wochen machen wollte?" Wayne stutzt, ruft dann irritiert heraus: "MACH’S!" Mirjam legt ein schelmisches Grinsen auf und rubbelt ihrem Moderationspartner die gegelten Haare zum Struwwelpeter. Kindliche Freude umstrahlt ihr Gesicht. Und während sich die Österreicherin, als die Kameras endgültig abgeschaltet sind, nun selbst noch mit Schlittschuhen aufs Eis begibt, bevor das Studio in wenigen Tagen für eine neue Produktion freigeräumt wird, möchte Sieger Carl Briggs noch eines loswerden: "Ich möchte sagen: Thank you!" Dem ist nichts hinzuzufügen.
Die Masse der Zuschauer strömt zum Studio-Ausgang und zur Garderobe, um die teils durchgefrorenen Körper im Wintermantel wieder aufzuwärmen. Aus der Zauberwelt des Coloneums entschwunden, begleitet der kalte Wind die Menschen zum Parkplatz. Und während blitzartige Bilder vom Eis-Spektakel in Gedanken vorbeiziehen, leuchtet das eisblaue Einhorn-Logo der MMC-Studios über dem Nachthimmel, bis es nach einer Kurve in den Niederungen von Köln-Ossendorf aus dem Blickfeld verschwindet.
Wie geht denn das?
Die Regeln von "Dancing on Ice": Jedes Paar muss in jeder Show eine neue Kür vorführen. Jede Kür ist 1:30 Min. lang und muss bestimmte tänzerische Elemente (zum Beispiel Schrittfolgen, Drehungen, kleine Sprünge, Hebefiguren) enthalten. Diese Pflichtparts ändern sich von Woche zu Woche und werden immer schwieriger.
Es gibt fünf Wertungsrichter. Sie vergeben Punkte bis zur Höchstnote 6,0. Die Fernsehzuschauer spielen eine große Rolle bei der Bewertung, da sie per Telefon für ihre Favoriten abstimmen können. Am Ende werden die Voting-Ergebnisse für das Endergebnis addiert.
Mehr als nur eine Eisfläche: ein Rundgang durch das Coloneum
Wikipedia erzählt: die Dancing-on-Ice-History
Text: Martin Gehr; Fotos: RTL, PMT GmbH
