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Teil 3: Eine neue Welt

Als Rabe fliege ich durch die Zangarmarschen.

In Begleitung von Miu und Drakk durchschreite ich das Dunkle Portal in die neuen Gebiete für hochstufige Charaktere. Inzwischen wohne ich als Austauschstudent in Stockholm – meine Internet-Freunde habe ich mitgenommen. Das vergangene Semester hat mich erschöpft, ich bin faul. Also lehne ich mich zurück und spiele. "The Burning Crusade" birgt einzelne neuartige Quests, aber keine wirkliche Innovation. Noch immer leiste ich hauptsächlich Kurierdienste, erschlage Monster und sammle auf, was sie fallen lassen.

Mit Stufe 70 gehe das Spiel erst los, hat Ukemi gesagt, alles davor sei ein Tutorial. Drakk stimmt zu. Doch der Fortschritt ist langsam. Bei Stufe 62 gebe ich den Versuch auf, während dieses Projektes die Höchststufe zu erreichen. Von Anfang April bis Anfang September habe ich 16 Tage, 4 Stunden und 53 Minuten in der World of Warcraft verbracht – durchschnittlich 150 Minuten pro Tag. Kürzlich hat Blizzard die zweite kostenpflichtige Erweiterung zu World of Warcraft angekündigt: "Wrath of the Lich King". Entgegen bisheriger Beteuerungen wird die Levelgrenze auf 80 angehoben. Man darf nie fertig werden mit dem Spiel, schließlich lebt der Verleger von den monatlichen Gebühren. Ziel ist ein Alter ohne Ende.

Kein echtes Rollenspiel

Seltener Rollenspiel-Moment: Der Zwerg schmollt in der Ecke.

Für den Moment habe ich keine Lust mehr auf World of Warcraft. Und meine virtuelle Identität? Die ist mir egal! Ich habe versucht, Pazrafal zu sein, der den Kelch sucht. Doch die anderen Spieler machen, auch auf dem nominellen Rollenspiel-Server "Arguswacht", meist nicht mit. "Ich habe schon genug Probleme damit, richtiges Deutsch zu schreiben", sagte ein Gildenmitglied. Eine Ursache sind die begrenzten Möglichkeiten, mit der Umwelt zu interagieren. So lassen sich Gegenstände, Waffen mal ausgenommen, nicht in die Hand nehmen; Gesicht und Frisur des eigenen Charakters sind aus einer handvoll vorgegebener Varianten zu wählen; die Anzahl der sprachlichen und gestischen Ausdrucksmöglichkeiten ist stark beschränkt. Da kann Second Life, das im Grunde gar kein Spiel ist, mehr. Als Rollenspieler frage ich mich, was Blizzard wohl mit den rund 100 Millionen Euro anstellt, die es jeden Monat mit World of Warcraft einnimmt.

Die Geschichte vom Gral ist am Großteil der Mitspieler vorbei gegangen. Doch die, die sie aufnahmen, hatten alle dieselbe Antwort. Der Kelch ist etwas, das jeder in seinem Innern findet. Ein großes, gemeinsames Ziel gibt es nicht. Was ist der Kelch für mich? Rollenspiel. Vielleicht Abwechslung. 85 US-Dollar hat ein amerikanischer Charakter-Makler mir für Pazrafal geboten – doch ich lehne ab. Ich will weiter mit anderen online spielen. Für die kommende Woche habe ich mich mit "echten" Freunden verabredet, "Herr der Ringe Online" zur Probe zu spielen. Ich habe mich für den Beta-Test von "Warhammer Online" beworben. Und im Oktober erscheint "Tabula Rasa", ein Science-Fiction-Online-Rollenspiel vom Erfinder des Genres, Richard Garriott. Bis ich ein Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel finde, das mich als Spiel wirklich überzeugt, bleibt Pazrafal in der WoW. Immer weiter, die Spirale hinauf.

Text: Aarni Kuoppamäki; Fotos: World of Warcraft

Veröffentlicht: 09.09.2007
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