Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Wir sind die Mode!

Modeblogs sind en vogue. Auf ihren virtuellen Catwalks zeigen Modeblogger den Style ihrer Heimatstadt und mischen die Fashionszene auf. Schon kommt die Mode nicht mehr vom Laufsteg auf die Straße, sondern von der Straße auf den Laufsteg. Modeblogs – ein Phänomen.

Es gibt viele Blogs und das heißt auch - viele Meinungen.

Dortmund. New York: der tätowierte Mützenträger. Paris: der blonde Skaterjunge. Milano: der Pornobrillen-Freund im karierten Sakko. Berlin: der Philosophie-Student im Trenchcoat. Die aufgenommenen Bilder könnten aus einem Hochglanzmagazin stammen. Doch hinter den Kreationen stecken kein Karl Lagerfeld und auch keine Donatella Versace. Es sind Outfits von Menschen, die gerade shoppen gehen, an der Kinokasse stehen oder Skateboard fahren. Noch vor Jahren hätte sich keiner dafür interessiert, was sie tragen.

Doch im Zeitalter des Internets und der blühenden Blogosphäre kann jeder, der mit Mode experimentiert, zum Star werden. Modeblogger ziehen durch die Städte auf der Suche nach visionären Styles, knipsen, schreiben, kommentieren und prägen so die Mode von morgen. Was die Bilder von den aufwendig bearbeiteten Hochglanzstrecken unterscheidet? Ihre Natürlichkeit!

Die Stil-Präger der Modemetropolen

Zahlreiche Blogs, zahlreiche Meinungen...

Einer der bekanntesten Fashionblogs ist The Sartorialist. Fast eine Million User schauen im Monat vorbei. Der Verfasser, Scott Schuman, wurde kürzlich vom Time Magazin zu einem der hundert wichtigsten "Stil-Prägern" der Welt gekürt. Seine Fotos, immer Ganzfiguraufnahmen, macht er vor allem in New York, Mailand und Paris. Seine Models sind die Schönen aus der Nachbarschaft: der Börsenmakler im schlichten grauen Anzug, die Studentin, die einen selbst genähten Rock mit einem einfachen schwarzen Rollkragenpulli kombiniert, dazu die Langhaarige im Designersommerkleid. Einige Outfits sind allerdings modisch eher fragwürdig. Da wäre zum Beispiel der Vintage-Liebhaber im gelben Hemd mit bunt gemustertem Sakko, der sich soeben die Hand in die Hose steckt... doch gilt hier anscheinend sowohl für den Fotografen als auch für das Model die Devise: "Hauptsache auffallen". Und Schuman fällt auf! Über die Looks, die er auf der Straße einfängt und in seinem Blog präsentiert, berichten regelmäßig große Modemagazine wie Vogue und Vanity Fair.

Der Laufsteg kann auch im Internet sein.

Während Schuman eher den klassischen und erwachsenen "Catwalk-Stil" auffängt, sind andere Modeblogs eher schrill. Der französische Fotograf Yvan Rodic liebt die "Streetstyle-Mode". Unter dem Pseudonym "Face Hunter" fotografiert Rodic den exzentrischen Straßenlook der Londoner, Stockholmer und Moskauer Szeneviertel. Die per Kamera festgehaltenen Trends kombinieren wild gemusterte Leggings mit schreiend bunten T-Shirts.

Von Modepiloten und Schuhbloggern

Während The Sartorialist und The Face Hunter wie Fotoblogs aufgemacht sind und eher Bilder als Worte sprechen lassen, zeigen sich andere Modeblogs informativer. Auf www.styleranking.de erfährt man zum Beispiel, wie der Trend aus den USA heißt, bei dem Frauen für ein Fotoshooting ihr Brautkleid durch den Dreck ziehen. Die Inhalte der Seite sind verständlich und unterhaltsam aufbereitet und richten sich an ein junges Publikum. Genauso informativ, aber weniger verspielt ist der Blog www.modepilot.de. Hier kann man sich über Accessoires, Mode in der Kunst und im Film, über Schmuckausstellungen, Modefotografie und die außergewöhnlichsten Looks aus der Erfolgsserie "Sex & The City" austauschen.

Viele Blogger wollen in erster Linie Spaß haben und neue Kontakte knüpfen. Manolo, einer der weltweit bekanntesten Schuhblogger, vermarktet sich hingegen professionell. Durch Bloggen, Werbeanzeigen und E-Commerce kann der unter einem Pseudonym schreibende Autor mittlerweile gut von seiner Idee leben (www.shoeblogs.com). Weitere bekannte Schuhblogs sind www.shoeblogr.blogspot.com und die Seite www.shoewawa.com, auf der regelmäßig unter anderem der "hässlichsten Schuh der Woche" gekürt wird.

Mode von Bochum bis Berlin

Und was trägt man in Berlin? In Blogs kann man auch das erfahren.

Experten schätzen die Zahl der Modeblogs inzwischen auf mehr als achthundert weltweit. Vor allem im letzten Jahr wurden viele neue Fashion- und Streetstyle-Blogs gegründet, so auch in Deutschland. Einer der renommiertesten deutschen Modeblogs ist Stil in Berlin. Die 25-jährige Mary Scherpe von Pudri gründete den Streetstyle-Blog vor gut zwei Jahren nach dem Vorbild der großen Modemetropolen New York, London, Paris und Tokio. Die meisten Bilder entstehen in Berlin-Mitte rund um die Schönhauser Allee, wenn die Fotografen nachts auf Motivsuche durch angesagte Clubs ziehen.

Was trägt das Szenevolk im Hamburger Karoviertel oder rund um den Münchner Gärtnerplatz? Die Antworten geben die etablierten Blogs der jeweiligen Städte (in Hamburg: www.hh-streetstyle.blogspot.com und in München: www.styleclicker.net).

Auch Daniela, aka Anna Frost, ist eine bekennende Modebloggerin. Bochum ist ihre Heimatmodestadt. Die 22-Jährige bezeichnet sich selbst als modesüchtig und schreibt für gleich drei bekannte Modeblogs: www.feschsamma.de, www.dailybeauty.de und www.missleelu.blogspot.com.

Konkurrenz belebt das Modegeschäft

Modeblogs sind aktuell und wendig. Sobald eine Kollektion auf dem Laufsteg gezeigt wird oder ein Trend die Straße erreicht, reagiert die Blogosphäre. Wichtiger aber noch ist ihre Unabhängigkeit: Blogger zeigen nicht das, was man tragen sollte, sondern das, was die Leute wirklich anhaben. Die Models sind ganz gewöhnliche Menschen, mit denen man sich leichter identifiziert als mit den Models der Hochglanzmagazine, die das tragen, was andere ihnen angezogen haben. Blogger können sich ganz auf das konzentrieren, was ihnen gefällt. Denn im Gegensatz zu etablierten Modemagazinen, die vor allem jene Labels protegieren, die auch Anzeigen schalten, sehen die meisten ihre Blogs nicht als Medium zum Geldverdienen, sondern als reines Forum.

Doch das könnte sich schon bald ändern. Die Kommerzialisierung folgt der unabhängigen Modeblogger-Welt auf Schritt und Tritt. Die wichtigen Blogger werden mittlerweile zu den Schauen eingeladen und von Designern hofiert. Einige – wie Manolo - schalten Werbung auf ihrer Seite. Bleibt zu hoffen, dass die Blogger dabei ihrem individuellen Stil treu bleiben. Denn eben das zeichnet sie aus: die Mode von morgen.

Text: Malina Opitz; Foto: Lieven SOETE/flickr.com; Screenshots: Malina Opitz.

Veröffentlicht: 25.07.2008
Bitte gib hier die rechts gezeigte Zahl ein. Dies dient zur Abwehr automatisierter Einträge. CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn du die Zahl nicht lesen kannst, hier klicken.
Hinweis: Kommentare werden moderiert.


Pflichtlektüre

Eldoradio

DO1 TV

Journalistik Journal

Köpfe & Karrieren | Trends & Technik | Kritik & Kurioses | Spezial | News | Blog
 Suche | Newsfeeds | Redaktion | Impressum