Willkommen, Dulcinea Gorbag-Tuk!
Der Tolkien-Stammtisch Ruhrgebiet
In phantastische Welten eintauchen, am liebsten nach Mittelerde – das ist es, was die Mitglieder des Tolkien-Stammtisches Ruhrgebiet verbindet. Einmal im Monat treffen sie sich, tauschen Neuigkeiten aus und reden über die Werke des englischen Schriftsteller John Ronald Reuel Tolkien. Ein Bericht über die Gruppe und die Menschen in ihr.
Dulcinea Gorbag-Tuk ist neu beim Tolkien-Stammtisch. Mit ihren großen braunen Augen blickt sie in die Runde. "Oh, wie süß!", begeistern sich die Frauen der Gruppe. Dulcinea hat lange, dunkle Haare, einen Teint, der ein wenig in Richtung Orange geht, und trägt ein gelbes Diadem mit einem roten Edelstein auf der Stirn. Ihre Ohren sind groß und spitz. Dulcinea Gorbag-Tuk ist ein Ork. Ein weiblicher Ork.
Hübsch oder gar niedlich sind Orks normalerweise nicht: In der Fantasy-Welt von J.R.R. Tolkien ("Der Herr der Ringe", "Der Hobbit") sind die Fabelgestalten hinterhältige, menschenähnliche Wesen, die den bösen Mächten zu Dienste sind. Dulcinea Gorbag-Tuk dagegen kann am Tolkien-Stammtisch Ruhrgebiet kein Wässerchen trüben: Sie sitzt friedlich auf dem Schoß ihrer Schöpferin Betty Finke. Finke hat die selbstgemachte Puppe mitgebracht, um sie den anderen Stammtisch-Besuchern vorzustellen. Die sind gleich interessiert: Es gibt auch Frauen unter den Orks? Elke Friedrich fällt etwas zur Kultur der Orks ein, das sie vor kurzem gelesen hat: "Im ‚Herrn der Ringe’ hab ich eine Stelle gefunden, an der sich zwei Orks über die Zeit nach dem Ende der Herrschaft Saurons unterhalten", sagt sie. Sauron ist der böse Gebieter der Orks. "Orks", sagt Friedrichs, "haben tatsächlich Zukunftsträume! Kaum zu glauben, aber wahr!"
"Wir buhen niemanden aus, der nur die Filme gesehen hat"
Über Orks und andere Wesen, aber meist auch über ganz alltägliche Dinge unterhalten sich die Tolkien-Fans, wenn sie zusammentreffen – in der Regel am ersten Freitag eines Monats, zurzeit in der Gaststätte "Graf Beust" in der Kastanienallee in Essen. Sie sind Mitglieder der Deutschen Tolkien Gesellschaft (DTG), zu der ihr Stammtisch gehört. An diesem Freitag im Juni sind sie fünf Leute, manchmal kommen ein paar mehr. Zusammen geht es auf Mittelalter-Märkte, zu Tolkien-Konzerten, zu Lesungen und zur Ring-Con, einem alljährlichen deutschlandweiten Fantreffen zum Thema "Herr der Ringe". Wichtig ist außerdem das Tolkien Thing, die Jahreshauptversammlung der DTG.
"Ich habe gesehen: Du stehst als geladener Gast auf der Homepage der Ring-Con", sagt Elke Friedrich und blickt Betty Finke gespannt an. "Ja", sagt sie. "Ich halte dort Vorträge. Es geht um den Einfluss Tolkiens auf die Fantasy-Literatur." Schnell dreht sich das Gespräch darum, wo man am besten übernachtet, wenn man die Ring-Con in Bonn besucht. Es ist oft nicht billig, nicht immer können Einzelzimmer gebucht werden. Doch nicht nur die Ring-Con ist Thema an diesem Abend: "Ich war diese Woche im Kino: Indiana Jones", sagt Ina Hemmerich. "Den hab ich mir auch erst angesehen", meint Betty Finke. "Der war nicht schlecht."
Nicht alle Unterhaltungen am Stammtisch drehen sich also um Tolkien und sein Werk. Wer mit dabei sein will, sollte natürlich Interesse am Werk des Schriftstellers mitbringen. Aber ein umfangreiches Wissen ist kein Muss. "Wir buhen niemanden aus, der nur die Herr-der-Ringe-Filme gesehen hat", sagt Tobias Eckrich.
Jedesmal dabei: Das Stammtisch-Buch

- Foto: Katja Reich
Bevor die Tolkien-Fans wieder ihrer Wege gehen, unterschreiben sie noch alle wie jeden Monat im Stammtisch-Buch. Auch Dulcinea darf unterschreiben, mithilfe ihrer Schöpferin Betty Finke. Diesmal war Dulcinea brav. Mal sehen, was im Juli passieren wird. Denn dann liest Betty Finke die Geschichte vor, die sie für die Ork-Dame geschrieben hat. Die Geschichte, die erzählt, was es mit Dulcinea Gorbag-Tuk auf sich hat.
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