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Wie viel Ina steckt in June?

Ina Henning (22) - alias Navigatorin June - hat mit "ihrer besseren Hälfte" Thomas hat ein Star-Trek Rollenspiel gegründet. Mit einer Crew aus guten Freunden schreibt sie in einem Internet-Forum an den Abenteuern des Patrouillen-Raumschiffs USS Van Helsing. Die Van Helsing kreuzt in diplomatischer Mission an der neutralen Zone zwischen dem Gebiet der Romulaner und dem Raum der Föderation.

Ina am Schreibtisch
Ina an ihrem Schreibtisch - ein bunter und sehr persönlicher Platz.

Dortmund. An der Wand neben dem Computer prangen ein klingonischer Dolch und die glänzende Schiffsplakette der Van Helsing. Über dem Schreibtisch hängen Bilder von Außerirdischen: Binäre, Borg und Vulkanier. Unter dem Gesicht von Mister Spock streckt Albert Einstein die Zunge heraus. Über Spock prangt ein grenzdebil grinsender Sponge Bob. Der bunte Flickenteppich ist zugleich Ausdruck eines schrägen Humors und ein Fan-Altar. In ihrem kleinen Allerheiligsten habe ich Ina Henning interviewt – über Star-Trek, ihr Rollenspiel und ihr Alter-Ego "June".

Sebastian Quillmann: Ina, was hat Dich zu Star Trek gebracht?

Ina Henning: Der Grund sitzt im Zimmer nebenan, ist meine Mutter und Star-Trek-Fan seit der ersten Serie. Das Erste, woran ich mich bewusst erinnere, ist als ich sieben oder acht war und "Star Trek - Der Film" im Fernsehen lief. Ich habe so lange gebettelt, dass ich aufbleiben darf - und dann war ich hin und weg! Mit dem Film wurde ich sozusagen "offizieller Trekkie".

Wie ist Euer eigenes Rollenspiel, das Raumschiff Van Helsing, entstanden?

Die meisten Mitglieder der Crew waren vorher schon in einem familiären kleinen Rollenspiel. Da haben sich dann die beiden Webmaster gestritten und schließlich hat das Spiel dichtgemacht. Da wir aber unsere Charaktere behalten wollten, haben Thomas und ich ein neues Spiel gegründet.

Was erwartet den Rollenspieler? (00:29 min; 354 kb)

Die Crew der Van Helsing ist ein bunter Haufen. (00:27 min; 428 kb)

Thomas und Ina
Thomas und Ina vor ihrem Schiff, der Van Helsing.

Wieso heißt das Schiff Van Helsing?

Thomas und ich haben vor fünf Jahren eine Kurzgeschichte über das Bergungsschiff Van Helsing geschrieben, vielmehr eine Veräppelung auf alle möglichen Science-Fiction-Filme und Serien. Als wir dann unser Rollenspiel gegründet haben, waren für das Schiff erst einmal viele andere Namen im Gespräch – Wissenschaftler und Personen, die es im Star-Trek-Universum gibt. Irgendwann hieß das Ding USS Van Helsing. Keine Ahnung, wer die Idee hatte, das an der alten Geschichte zu orientieren.

Die USS Van Helsing hat eine diplomatische Mission und trägt zur Völkerverständigung bei. (00:32 min; 511 kb)

In June steckt etwas von mir

Welche Charaktere spielst Du zurzeit?

Ich habe zwei Figuren. Einmal unseren Alibi-Captain T'Yun. Thomas und ich sind beide nicht unbedingt daran interessiert, einen Captain zu spielen. Ich habe den Captain aus einer früheren Figur von mir entwickelt – aus einer Wissenschaftlerin, deren Karriere ich einfach mal ein wenig beschleunigt habe. Dann habe ich ja noch unsere Navigatorin inne. June, die Frau mit den lustigen Augen-Implantaten. Die spiele ich am liebsten. Da steckt auch Charakter von mir mit drin. Wenn sie nervös wird, stottert sie. Und sie hat Schwierigkeiten, Freunde zu finden, bzw. aus sich raus zu gehen.

June
June, die schüchterne Navigatorin, hat noch verborgene telepathische Fähigkeiten.

Magst Du June etwas näher beschreiben?

June ist als Kampfpilotin zur Sternenflotte gekommen als Kampfpilotin. Sie hat eine gute Koordination. Irgendwann ist einer ihrer Kampfeinsätze mächtig schief gelaufen. Einer von drei Piloten ist gestorben. Sie hat bei der Mission ihr Augenlicht verloren. Vor ihr ist eine Steuerkonsole explodiert. Jetzt hat sie kybernetische Augenimplantate. Außerdem ist sie seitdem ziemlich verschroben und würde sich oft am liebsten verkriechen. Sie kommt nicht gut mit Veränderungen klar. In der Geschichte ist sie im Moment an einem Wendepunkt angelangt. June hat Seitens ihrer Großmutter betazoides Erbgut. Die taktische Beraterin auf dem Schiff will June jetzt an ihre telepathischen Kräfte heranführen. Ansonsten ist sie das liebe Mädchen von nebenan.

Wie kamst Du auf die Idee, June zu schaffen?

Die ist natürlich gewachsen. June war sowieso immer mein Inernet-Nickname. Das ist einfach mein Geburtsmonat - also wahnsinnig unkreativ. Die Hälfte meiner Charaktere bisher hieß einfach nur June. Sie war auch mein erster Charakter in meinem ersten Rollenspiel - und hat sich seither weiterentwickelt. Ursprünglich war sie mal als Wissenschaftlerin angedacht. Inzwischen ist sie Navigatorin.

Wie weit entwickeln die Figuren in Rollenspielen ein Eigenleben?

Ehrlich gesagt habe ich da in den letzten zwei Jahren eine ganz klare Linie entwickelt: "Bis hierhin und nicht weiter." Ich war einmal in einem Rollenspiel, in dem mich die Webmasterin nur als Figur angesehen hat und nicht als den realen Menschen, der dahinter steht.

Wie meinst Du das?

Tja, ich habe Leute erlebt, die rufen nachts um drei Uhr an und verlangen den Lieutenant zu sprechen. Bei uns auf der Van Helsing haben wir uns von so etwas ausdrücklich distanziert. Wir wollen nicht, dass es mehr als ein Hobby wird. Das Spiel ist kein zweites Leben, das wir uns schaffen.

Aber ihr schafft doch Charaktere, die auch Eure Züge tragen. Das ist doch eine Art zweites Leben, oder?

Das Schon, aber sobald mein geschaffener Charakter mehr Gesprächsstoff in Unterhaltungen mit Freunden ist und meine geschaffene Welt mehr Raum in meinen Gedanken einnimmt als das wirkliche Leben, habe ich irgendetwas falsch gemacht. Ich finde, man sollte wirklich differenzieren, ob jemand den Spaß an Star Trek auslebt oder ob diese Person sich bei Star Trek etwas holt, das sie im wirklichen Leben nicht findet.

Willy, die Wolke
Willy, die Wolke, ist das Makottchen der Crew.

Ina, eine letzte Frage möchte ich noch stellen: Wer oder was ist Willy, die Wolke?

Oh Gott, Willy! Willy, die Wolke, bestehend aus Saccharose, Kohlenstoff und einer unbekannten Form von Energie. Ich hatte ja schon erzählt, dass wir vor der Van Helsing als Spieler in einem anderen Rollenspiel waren. Da hatte mein Charakter T’Yun als Wissenschaftlerin einen Dialog, in dem sie sagt: "Ich habe schon alles erlebt, unter anderem anhängliche Gasnebel." Daran hat sich Thomas so aufgehängt, so dass Willy entstand, eine Art rosa Zuckerwatte-Wolke mit rudimentärer Intelligenz. Willy lernt mit der Zeit immer mehr dazu und war schon im alten Rollenspiel unser Maskottchen.

Interview: Sebastian Quillmann; Bilder: Sebastian Quillmann, Ina Henning

Veröffentlicht: 22.09.2007
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