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Wenn die Welt nach Rom blickt

Der Tod des Papstes als Medien-Event: Hunderte Kamerateams waren in Rom, als Johannes Paul II. bestattet wurde. "Das ist kein neues Phänomen. Die Aufmerksamkeit bei Papsttoden war schon immer riesig", sagt der Historiker René Schlott. Der Vatikan selbst trägt zur Inszenierung bei – und schafft es, starke Bilder zu erzeugen.

Sie erforschen den Papsttod als wiederkehrendes Medienereignis. Warum ist die Menschheit so gebannt, wenn ein Papst stirbt?

René Schlott: Der Papst hat eine Doppelrolle. Er ist Führer einer Religionsgemeinschaft und politisch-moralische Instanz. Zudem ist das Papsttum die letzte absolute Monarchie. Der dazugehörige Pathos, den wir in Deutschland sonst kaum kennen, fasziniert uns in der säkularen Welt. Die katholische Kirche und der Papst bieten starke Bilder.

Die Zeremonie auf dem Petersplatz nach dem Tod Johannes Paul II.

Diese Bilder waren 2005 beim Tod von Johannes Paul II. auf allen Kanälen zu sehen. Ein einmaliges Medien-Event?

Es waren die Medien selbst, die die letzten Tage von Johannes Paul II. und seine Bestattung als einzigartige Ereignisse dargestellt haben. Dadurch wollten sie auch ihren Aufwand rechtfertigen. Schließlich sind Sender mit teurer Ausstattung nach Rom gereist oder haben schon Monate zuvor Balkone in Vatikan-Nähe gemietet. Aber wenn frühere Päpste gestorben sind, war die mediale Anteilnahme rund um den Globus vergleichbar.

Der Historiker René Schlott.

Die Berichterstattung über den Tod eines Papstes hat sich also im vergangenen Jahrhundert gar nicht verändert?

Tatsächlich gibt es Elemente, die sich nicht verändert haben. Schon 1878, als Pius IX. starb, wurde viel über die Menschenmassen geschrieben, die nach Rom geströmt sind. Die Journalisten thematisierten schon damals Sicherheitsvorkehrungen und Polizeimaßnahmen. Auch 2005 standen wieder die Millionen Menschen auf dem Petersplatz im Zentrum der Berichterstattung.

Also alles wie früher?

Nicht alles. Die Berichterstattung ist immer persönlicher geworden. Vor 100 Jahren wurde der Papst als unnahbarer Souverän dargestellt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts erfährt man in den Medien sehr viel mehr Persönliches über den Papst.

Haben Sie grobe Fehler entdeckt, die den Medien in der Berichterstattung unterlaufen sind? (36 Sek.)

René Schlott über ein wiederkehrendes Problem in den Nachrichten zum Tod eines Papstes:

Wie nimmt der Vatikan selbst Einfluss auf die Inszenierung des Papsttods?

In den Vatikanischen Archiven konnte ich nur Akten bis 1939 einsehen. Daraus geht nicht hervor, dass der Vatikan die Berichterstattung über die Papsttode gezielt in eine Richtung gelenkt hat. Allerdings spielt der Vatikan natürlich eine aktive Rolle. 1958 wurde Pius XII. in einer riesigen Prozession von der Sommerresidenz Castel Gandolfo in den Vatikan gebracht. Bei Anbruch der Dämmerung traf die Prozession dann auf dem mit Fackeln erleuchteten Petersplatz ein...

René Schlott hat Geschichte, Politik und Publizistik in Berlin und Genf studiert. Seit 2007 ist er Stipendiant des Graduiertenkollegs "Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart" an der Universität Gießen. Sein Dissertationsthema: "Die Medialisierung eines Rituals - Papsttod und Weltöffentlichkeit seit 1878". Er lebt in Berlin.

... eine gelungene Inszenierung.

Auf jeden Fall sehr beeindruckend und öffentlichkeitswirksam. Ein weiterer Teil dieses ritualisierten Medienereignisses sind die letzten Worte, die die sterbenden Päpste gesagt haben sollen. Diese wurden stets bewusst gewählt und standen im Zusammenhang mit dem gesamten Pontifikat. Dabei muss man bedenken, dass zum Beispiel Johannes Paul II. bereits bei seinen letzten Auftritten kaum noch sprechen konnte.

Die Bestattungsprozession von Papst Pius XII. auf Rai Tre:

Wie wird sich dieses spezielle Medienereignis entwickeln? Kann das Interesse mit Blick auf den April 2005 überhaupt noch steigen? (48 Sek.)

René Schlott wagt einen Ausblick:

Ist der Tenor der Berichte anlässlich eines verstorbenen Papsts in der ganzen Welt vergleichbar?

Es gibt oft deutliche Unterschiede. 2005 ist ein gutes Beispiel. In Deutschland berichteten Journalisten ganz überwiegend positiv über Johannes Paul II. In Frankreich war es ähnlich. In Großbritannien hingegen wurde deutlich kritischer berichtet, unter anderem in Karikaturen, die sich mit der Sexualmoral des verstorbenen Papstes auseinandersetzten.

Veröffentlicht: 07.07.2009
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