Medien Monitor

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DruckenWas bin ich?

Sebastian Quillmann
Das bin ich, Sebastian Quillmann, in meiner menschlichen Gestalt.

Wenn ich mir – etwa für ein Rollenspiel – einen Charakter im Universum von Star Trek zulegen wollte, wer würde ich gerne sein? Der erste Schritt zur Antwort auf diese Frage ist wohl, mich für eines der vielen Völker zu entscheiden. Aber welches? Je tiefer ich in Star Trek eingetaucht bin, umso mehr interessante Welten und Wesen habe ich entdeckt. Mit Hilfe von Kollege Computer schlüpfe ich zur Probe in verschiedene Häute.

Der Cardassianer

Cardassianer
Schuppen überall, da hilft kein Shampoo. Cardassianer möchte ich wohl nicht sein.

Ein steifer Nacken plagt mich schon als Mensch. Da brauche ich bestimmt keine typisch cardassianische Halskrause. Seine tiefen Augehöhlen entlarven den Cardassianer als klassischen Bösewicht. Seine Hobbys: Bajoraner foltern, Intrigen spinnen und unliebsame Zeitgenossen beim Geheimdienst anschwärzen.

Er ist der Zyniker schlechthin und hat chronisch üble Laune. Seine einzige Freude besteht darin, sich auf der Karriereleiter im cardassianischen Militärregime beim Hauen und Stechen um die Posten durchzusetzen. Frei nach dem Motto "Es ist geil, ein Arschloch zu sein", könnte ich mir vorstellen, in seine Rolle zu schlüpfen. Aber identifizieren kann ich mich nicht mit ihm.

Der Klingone

Klingone
Ein Dickkopf bin ich zwar. Aber gleich Klingone? Nein, danke!

Gott fragte die Steine: "Wollt ihr Klingonen werden?" Und die Steine antworteten: "Nein, wir sind nicht hart genug." Der Klingone ist eine brisante Mischung aus Hemingways männlich-markigen Heldenfiguren und dem Eisenbeißer aus den James-Bond-Filmen.

Seine Hobbys: Kampftrinken – kein Kunststück mit zwei Lebern – sowie Nahkampf, Kampflieder grölen und überhaupt alles, was mit Kampf zu tun hat. Auf Partys ist dieser brutale Prahlhans ein nur bedingt unterhaltsamer Gast. Spätestens wenn er erzählt, dass er die schlagenden Herzen seiner Feinde zu verspeisen pflegt, ist bei den meisten Zuhörern die Ekelgrenze überschritten. Für diesen Spaß wäre ich sogar gern mal ein Klingone. Doch beim klingonischen Essen winke ich dankend ab: Gagh (übersetzt Schlangenwürmer) heißt nicht umsonst so.

Die Borg

Borg
Leichenblasser Einheitslook - Borg zu sein ist nichts für Individualisten.

Es mangelt den Borg an eigenständiger Persönlichkeit. Das ständige "wir" anstelle von "ich" ist nämlich kein selbstbewusster Majestätsplural: Eine Borg-Drohne muss sich das kollektive Bewusstsein seines Volkes mit Millionen anderer Borg teilen.

Die Hobbys eines Borg: keine. Er arbeitet und regeneriert sich. Auch sonst ist er ein eintöniger Gesprächspartner. Allein die Litanei von "Wir sind die Borg" bis hin zu "Widerstand ist zwecklos" – reicht denn kein simples "Hallo"? Ständig fällt er den Leuten ins Wort, was sie sagen sei "irrelevant". Da ist mir meine Individualität dann doch wichtiger. Obwohl ich den Vorteil einer Mensch-Maschine, sich Daten ins Gehirn herunter zu laden, ziemlich beneide.

Der Vulkanier

Vulkanier
Mein Lächeln dürfte unter Vulkaniern als Krankheit gelten.

Auch wenn meine Interpretation des Vulkaniers sinnig lächelt – was am ursprünglichen Foto liegt – der Knabe ist kalt wie ein Fisch. So spitz seine Ohren sind, so spitz sind seine Kommentare. Seit Spock wissen wir: Vulkanier haben immer das letzte Wort.

Seine Hobbys: Meditieren, Seelenwanderung und Rechthaberei. Zugegeben, intellektuell und spirituell ist die tiefe Klarheit eines Vulkaniers bewundernswert. Aber die Streber-Rolle habe ich schon in der Schule zu lange gespielt. Außerdem, auf all die schönen Gefühle zu verzichten, das liegt mir nicht. Und als einzige Gemütsbewegung bleibt dieses Pon Farr. Der menschliche Paarungstrieb ist doch schon schlimm genug. Aber alle sieben Jahre förmlich zu müssen, weil man sonst in einem Zustand der Raserei stirbt – das ist mir eine Nummer zu hart.

Der Ferengi

Ferengi
Verschmitztes Schlitzohr - So ein Ferengi ist nach meinem Geschmack.

Wo der Mensch davon spricht, er habe eine Nase fürs Geschäft, da hat der Ferengi die richtigen Ohren dazu. Seine Ohren und sein Geschäftssinn sind seine hervorstechendsten Merkmale. Gier ist eine Tugend. Profit das Lebensziel. Seine Hobbys: Geschäftspartner betrügen, beim Glücksspiel hoch wetten – und betrügen – und natürlich die Tageseinnahmen vorwärts und rückwärts zählen. Als Sohn eines Gebrauchtwagenhändlers fällt es mir nicht schwer, mich in einen Ferengi hinein zu denken. Außerdem habe ich eine Vorliebe für Gaunergeschichten. Bei der Bildbearbeitung habe ich sogar festgestellt, dass Mutter Natur mich mit einem hinreichend verschlagenen Ferengi-Lächeln ausgestattet hat. Ein Lächeln, das zu sagen scheint: "Jeder verkauft seine Großmutter, wenn der Preis stimmt. Aber ich allein gebe sie auf Raten raus – zu einem effektiven Jahreszins von nur vier Prozent!"

Ja, ich denke, ich habe meine Wahl getroffen. Meine soziale Ader abzulegen und einen gierigen, schmierigen Kleinkriminellen des Weltalls zu mimen, das würde mir richtig Spaß machen. Und der Knabe hat ein Gesicht, mit dem ich mich durchaus anfreunden könnte – solange ich es nicht im wirklichen Leben tragen muss. Also los: Lasst uns ins Geschäft kommen!

Text und Bilder: Sebastian Quillmann

Erstellt am: 17.08.2007, 00:57 Uhr
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