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WDR und WAZ: Das Kuscheln beginnt!

Die einjährige Kooperation zwischen WAZ und WDR steht: In wenigen Wochen laufen auf der Website DerWesten vom WDR produzierte Videobeiträge. Es ist die erste Form der Kooperation zwischen einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt und einem Verlagshaus. Weitere sollen folgen.

Die Macher der Kooperation: WDR-Intendantin Monika Piel und WAZ-Chef Bodo Hombach

Dortmund. Die WAZ Mediengruppe kauft zukünftig für ihr Online-Portal DerWesten WDR-Beiträge aus der Aktuellen Stunde und den Lokalzeiten. Der Ablauf sieht zunächst wie folgt aus: Rund eine Stunde nach Ausstrahlung stellt der WDR seine Videobeiträge in die WDR Mediathek ein. Parallel dazu bietet er sie der WAZ Mediengruppe an. Diese kann frei auswählen und die Beiträge sofort auf DerWesten einbetten. Täglich werden neun Videos bereitgestellt, abgerechnet wird pro Beitrag, die Klickzahlen spielen keine Rolle.
Dieses Kooperationsmodell wurde von den beiden Hauptverantwortlichen, der WDR-Intendantin Monika Piel und WAZ-Chef Bodo Hombach auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt.

Einjährige Pilotphase

Was nach einem einfachen Geschäft klingt, ist das Ergebnis mühsamer Verhandlungen. Diese seien mit "viel gutem Willen" geführt worden, ließen beide Seiten verlauten. Die Probleme waren zu erwarten, denn der rechtliche Rahmen, in dem sich diese Kooperation bewegt, ist schwierig. Der WDR unterliegt als gebührenfinanzierte, öffentlich-rechtliche Sendeanstalt einer Reihe von Restriktionen. Aus diesem Grund haben der WDR und die WAZ ihr Lizenzgeschäft vorerst auf ein Jahr beschränkt. Das Modell sieht dabei vor, dass die WAZ ein Jahr lang Beiträge vom WDR kaufen kann – nicht jedoch andersherum. Wegen den komplizierten juristischen Rahmenbedingungen gibt es auch keinen Vertrag, sondern nur einen so genannten "Letter of Intent" (Absichtserklärung). Diese juristische Finesse macht in der praktischen Umsetzung der Kooperation zunächst keinen Unterschied.

Gute Werbung für DerWesten

Bringen die WDR-Beiträge der Website den erhofften Aufschwung?

Der WDR darf im Internet nicht werben und seine Beiträge müssen werbefrei sein. Folglich darf weder das Playerfenster, in dem die WDR-Beiträge laufen, noch das unmittelbare Umfeld mit Werbung bestückt sein. Dennoch kann DerWesten mit steigenden Werbeeinahmen rechnen. Die Rechnung ist einfach: Die WAZ Mediengruppe erhofft sich durch mehr multimediale Inhalte mit hoher Qualität eine Zunahme der Klicks und eine längere Verweildauer. Durch das Renommee des WDR sollen das Online-Portal insgesamt aufgewertet und neue Nutzer gewonnen werden. In der Folge soll das Portal als solches auch für Werbekunden attraktiver werden.

Teure WDR-Beiträge

Dass Qualität seinen Preis habe und die Herstellungskosten der Beiträge hoch seien, betont WDR-Intendantin Monika Piel. Die Preise des WDR lägen aufgrund der Recherchetiefe "über denen von kommerziellen Anbietern", so Piel. In der Pressemitteilung heißt es, dass die Lizenzgebühren zu einem "marktüblichen Preis" verkauft würden. Zahlen wurden bislang allerdings nicht veröffentlicht. Auch kann über den marktüblichen Preis nur spekuliert werden, denn einen Markt für die Zweitverwertung von multimedialen Regionalbeiträgen gibt es so nicht. Ergo gibt es auch keinen marktüblichen Preis. Die Autoren der Beiträge werden für die Zweitverwertung im Rahmen der geltenden Tarifvereinbarungen bezahlt.

Monika Piel über die Schwierigkeiten bei der Preisfindung. (6,98 MB, 1:08 Min.)

Mögliche Entlastung der Gebührenzahler

Die Rundfunkgebühren werden erst mal nicht sinken.

Die Veröffentlichung der Preise ist nur eine Frage der Zeit, denn der WDR muss als öffentlich-rechtliche Anstalt seine Einnahmen offenlegen. Der Profit aus diesem Geschäft wird auch bei der nächsten Gebührenberechnung berücksichtigt, was für den Gebührenzahler prinzipiell von Vorteil ist. Eine Senkung der GEZ-Gebühren sei allerdings durch diese Kooperation nicht in Sicht, da die Einnahmen dafür zu gering seien, gibt Piel zu bedenken. Sollte sich das Modell durchsetzen und auch andere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sich solchen Kooperationen öffnen, könne es langfristig den Gebührenzahler entlasten.

Lockerung des Landesmediengesetzes?

Wird NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers das Landesmediengesetz lockern?

Der Vorsitzende der NRW-Zeitungsverlage Clemens Bauer begrüßt die Kooperation und fordert die Landesregierung in diesem Punkt zu einer Öffnung des Landesmediengesetzes auf. Auch WAZ-Geschäftsführer Hombach fordert dazu auf die "Fesseln des Paragraphen 33" erheblich zu lockern, um künftige Kooperationen zu vereinfachen und "kundenfreundliche Wege zur Verbreitung von Qualitätsjournalismus sicherzustellen". Ministerpräsident Rüttgers, der die Kooperation im vergangenen Jahr auf dem Medienforum NRW angeregt hatte, kündigt seine Unterstützung an und will prüfen, ob "weitere Schritte möglich sind". Kleine private Agenturen, die sich bislang ihr Geld mit Videobeiträgen verdienen, sehen schweren Zeiten entgegen. Denn qualitativ und quantitativ wird ihnen die Konkurrenz mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten schwerfallen. Da gibt es wohl nur eines: Dumpingpreise.

Text: Axel Kopp, Fotomontagen: Axel Kopp, Fotos: WDR (wdrdesign.de), WAZ (DerWesten.de), Zaubervogel (pixelio.de), Harald Wanetschka (pixelio.de), Axel Kopp

Veröffentlicht: 18.03.2008
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