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Vulkanierin op de Kölsche Art

Ich fotografiere eine Vulkanierin in der klassischen blauen Uniform, wie sie auch Mister Spock getragen hat. Die Frau schießt gleich zurück mit ihrer Kamera. Wir kommen ins Gespräch. Sie heißt Betty, Fotografieren und Filmen ist ihr eines großes Hobby – und Star Trek das andere. Ich interviewe sie in einem Café.

Betty Kaufmann
Vulkanierin Betty Kaufmann in der klassischen blauen Uniform.

Sebastian Quillmann: Betty, Sie haben mir auf dem Weg ins Café erzählt, dass Sie eine Fan-Geschichte schreiben, die jetzt schon über 400 Seiten lang ist.

Betty Kaufmann: Ja, die ist allerdings nur für mich privat.

>> Sie macht eine Pause, als wolle sie nicht weiter reden oder als warte sie auf die nächste Frage. Ich stelle aber keine. Sie erzählt weiter.

Ich habe versucht, in der Geschichte Star Trek zu leben, aber nicht so viel zu klauen, sondern etwas Eigenes zu schreiben, so in der Art "Was wäre, wenn?" – eine Art Paralleluniversum. Ich kann das schlecht beschreiben.

Spielen Sie selbst die Hauptrolle oder eine Figur in der Geschichte?

Eigentlich nicht. Ich erzähle zwar in der Ich-Form, aber das bin ich ja gar nicht. Das ist einfach nur etwas Erfundenes. Da passieren alle Begebenheiten, die es auch im wirklichen Leben gibt. Ich wollte es ein bisschen ans echte Leben anlehnen – nur in der Zukunft halt.

Und die Hauptfigur ihrer Geschichte ist…

…ein Vulkanier. Welch Wunder. (Betty lacht.)

>> Später, als das Tonband nicht mehr mitläuft, räumt Betty ein, das die Hauptfigur doch mehr mit ihr selbst zu tun hat. "Da habe ich mir ein neues Leben ausgemalt." Sie ist einverstanden, dass ich dieses Zitat notiere. Wie das Leben in ihrer Geschichte aussieht, möchte Betty allerdings nicht öffentlich preisgeben. Es sei, als lege sie ihr Privatleben offen. "Das geht niemanden was an."

Betty Kaufmann
Betty ist seit der Kindheit von Star Trek fasziniert.

Die Vulkanier scheinen Ihnen die liebsten Außerirdischen zu sein.

Ja, die haben mich schon als kleines Kind fasziniert. Wie alt war ich als Star-Trek rauskam? ’64 ist es gedreht worden, ’64 bin ich geboren – also war ich sechs Jahre alt, als die Serie ins Fernsehen kam, im ZDF damals in den 70er Jahren. Schon als kleines Kind habe ich mir überlegt, wie das wohl ist, so einen kleinen Fernseher zu haben, wie die Bildschirme in der Serie. Heute gibt’s das alles.

Welche Errungenschaften aus Star Trek sollte es denn noch im wirklichen Leben geben?

Transporterräume! Ich bin das viele Fahren so leid. Und Holo-Decks, klar, das ist doch die Freizeitbeschäftigung.

A propos Freizeit – spielen Sie auch in Star-Trek-Rollenspielen?

Nur im Internet spiele ich in einem Rollenspiel. Das ist in dem Sinne kein Computer-Spiel, sondern Chat-basiert. Man schreibt sich Texte und spielt seine Geschichten auf dem Raumschiff ganz wie man will.

Und Sie spielen eine Vulkanierin?

Ja, mal wieder. Ich mache Dienst an der OPS. Ich war auch schon mal Captain von einem Schiff, aber dann kam mir eine schwere Krankheit dazwischen. Da hatte ich erst mal keine Lust mehr. Dann habe ich wieder mit etwas Einfacherem angefangen. Als Captain hast Du tatsächlich in einem Spiel – also bei einer Sache, die es nicht wirklich gibt – elendig viel Schreiberei. Ich bin doch nicht blöd und schreibe Romane über etwas, das es nicht einmal gibt.

Aber Sie schreiben doch einen Roman, Ihre Fan-Geschichte. Irgendwas muss also dran sein an Star Trek, dass Sie sich für etwas Erfundenes so viel Mühe geben.

Es ist ein Leben, wie ich es gerne hätte. Keine unnötige Gewalt, keine Bespitzelung wie hier in Deutschland. Überall Videokameras, du kannst doch nirgendwo mehr hingehen, ohne gefilmt zu werden. Du hast doch gar kein Privatleben mehr. In Star Trek ist das nicht so. Und es herrscht – zumindest in unserem Alpha-Quadranten – Frieden. Den haben wir hier ja noch lange nicht, nicht einmal in der eigenen Familie.

Die Leute bei Star Trek müssen sich auch nicht mehr den ganzen Tag krumm buckeln für drei Euro, damit der andere immer reicher wird. Da kannst du arbeiten, einfach um etwas dazuzulernen.

Ich habe mich auf der FedCon umgesehen und habe das Gefühl, dass es bei Star Trek sehr wohl darum geht, dass andere reicher werden.

Ach, natürlich! Das ist Merchandising pur. Das ist eine riesige Geldmaschinerie.

Wie geht man denn als Fan damit um, wenn man…

…wenig Geld hat? Ja, weggucken. Man ärgert sich über die Preise und geht schnell wieder.

Manchmal kauft Betty aber doch ein paar Fanartikel. (147kb; 0:09min)

Eigentlich wollte ich Fragen, wie man als Fan damit umgeht, wenn man den Kommerz sieht? Ich meine, Sie haben das Star-Trek-Universum als Welt ohne Materialismus beschrieben. Und hier wird daraus bare Münze gemacht.

Also, ganz ohne Geld geht es bei Star Trek ja auch nicht. Eher bargeldlos, mit diesen Credits. So ganz habe ich das System auch nicht verstanden. Zumindest scheint es keine Armut zu geben. Das ist ja schon mal viel wert: kein verdammter Hunger, keine Obdachlosigkeit. Das dauert noch lange, bis wir das erreicht haben.

Betty Kaufmann möchte alle interessierten Fans zu ihrem Trek-Dinner in Köln einladen. (169 kb; 0:10min)

>> Ich habe mit Betty noch lange geredet, nachdem das Tonband ausgeschaltet war. Bei ihr hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, der Seele eines Trekkies näher gekommen zu sein. Andere Fans der Filme und Serien leben sich nicht so sehr ein. Sie betrachten Star Trek als ein Gesamtkonzept, eine Philosophie, ein intellektuelles Gebäude. Ein Beispiel für einen solchen Trekkie ist Simon Matthe.

Veröffentlicht: 04.07.2007
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