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Von Star Trek fürs Leben lernen

An einem Kleiderständer begutachten Martin, ein Klingone, und Simon, ein Sternenflotten-Offizier, gemeinsam Uniformen. Die Angehörigen zweier Völker, die sich im Star-Trek-Universum nicht immer besonders grün sind, beim gemeinsamen Einkaufsbummel – das ist ein schönes Bild. Im Interview erzählt Simon, dass gerade das friedliche Miteinander etwas sei, das man von Star Trek lernen könne.

Trekkies beim Einkauf
Simon Matthe (rechts) und Martin Schlüter (links) durchstöbern Uniformen.

Sebastian Quillmann: Simon, wie Bist du mit Star Trek in Kontakt gekommen?

Simon Matthe: Ich bin damit aufgewachsen. Meine Eltern haben schon als ich Kind war Star Trek gesehen. Ich glaube, seit ich fünf Jahre alt war habe ich TNG (The Next Generation) angeschaut.

Was fasziniert dich heute daran?

Star Trek versucht, eine positive Zukunftsvision der Menschheit zu zeichnen. Wenn man zum Beispiel zurückblickt auf TOS (The Original Series) in den 60er Jahren: Es war Kalter Krieg, man hatte die Angst, dass der Dritte Weltkrieg ausbricht und wir alle sterben werden, die Erde unbewohnbar wird und es keine Menschheit mehr gibt. Gene Roddenberry hat dann mit Star Trek eine positive Zukunft im 23. Jahrhundert gezeigt, in der die Menschheit vereint ist und zusammen mit anderen intelligenten Lebewesen aus dem Weltall lebt.

Star-Trek-Buch
Ein Buch, das Simons These stützt: Man kann von Star Trek Lernen.

Wie stehst du zu dieser Vision?

Ich denke, es ist ein Traum und eine Wunschvorstellung, die die Menschheit anstrebt. Gewissermaßen Leitlinien, denen wir zum Teil auch in den Religionen folgen.

Du siehst in Star Trek also ethische Leitlinien, die man auf das wirkliche Leben anwenden kann?

Ja, dazu gibt es auch diverse Abhandlungen. Irgendwo habe ich mal gelesen: "All I Really Need to Know I Learned from Watching Star Trek". Natürlich ist der Hauptzweck von Star Trek, dass man unterhalten wird. Ich behaupte aber, dass Star Trek versucht, lehrreiche Unterhaltung zu bieten.

>> Das Zitat ist der Titel eines Buches von Dave Marinaccio. Die Übersetzung "Alles, was ich im Leben wirklich brauche, habe ich von Star Trek gelernt" ist 1995 im Heyne Verlag erschienen. Eine Leser-Kritik gibt es hier.

Kannst du ein Beispiel nennen für das Lehrreiche in Star Trek?

Star Trek bietet viele Geschichten, aus denen man in ethischer Hinsicht lernen kann. Zum Beispiel gibt es eine Folge bei TNG, in der Datas Menschenrechte zur Diskussion stehen. Data ist ja kein Mensch, eigentlich ist er eine Maschine.

>> Es handelt sich um die Folge "Wem gehört Data?". Im Memory Alpha, einer freien Star-Trek-Datenbank, gibt es eine Zusammenfassung der Folge.

Am Ende der Folge wird geurteilt, dass Data Menscherechte hat, da er ein lebendes und fühlendes Wesen ist, auch wenn er kein Mensch ist. Dazu gibt es einen sehr ausführlichen Vortrag von Professor Robert Alexy.

>> Prof. Robert Alexy lehrt Rechtsphilosophie an der Uni Kiel. Der Vortrag über Data und die Menschenrechte folgt hier als pdf-Datei.

Simon erläutert, worum es in dem Vortrag geht. (376kb; 0:23min)

Star Trek hat für dich eine Vorbildfunktion. Gibt es in den Serien und Filmen auch Charaktere, mit denen du dich besonders gut identifizieren kannst?

Besonders identifizieren möchte ich mich nicht. Ich lebe immer noch mein eigenes Leben. Ich habe in Star Trek kein direktes Vorbild als Person, sondern eher ein Vorbild im Sinne von Leitlinien eines Gesamtkonzeptes. Ich denke, mich reizt die Gesamtgeschichte der Menschheit, wie sie sich entwickelt hat und aus ihren Fehlern gelernt hat – zumindest innerhalb des Star-Trek-Universums.

>> Simon Matthe hat mit seiner Sachlichkeit bei mir den Eindruck hinterlassen, dass er weniger emotional als viel mehr intellektuell von Star Trek angesprochen ist. Die Botschaft der Serie als eine Philosophie spricht seinen Verstand an. Damit ist er ein ganz anderer Fan-Typus als Betty, die kölsche Vulkanierin.

Veröffentlicht: 04.07.2007
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