Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Vom Versuch, durch sich selbst jemand Anderes zu sein

Rollenspieler schaffen sich eine andere, eine zweite oder auch Xte Persönlichkeit. Gleichgesinnte zu treffen – außerhalb der Beschränkungen des wirklichen Lebens – und mit Ihnen Abenteuer zu erleben, das ist, vereinfacht formuliert, die Essenz des Rollenspiels.

Das funktioniert natürlich nicht nur auf einem vorbestimmten Weg und auch nicht erst seit Gary Gygax die Welt von "Dungeons&Dragons" in den 1970er Jahren erfunden hat. Aber seitdem auf einer ersten einheitlichen Grundlage, die international erfolgreich wurde: Das jetzt älteste Regelsystem für pen & paper-Rollenspiele erblickte das Licht der Welt!

Kontakt mit Gleichgesinnten

Erfinder von "D&D": Gary Gygax

Denn Regeln sind, man glaubt es kaum, auch in der grenzenlosen Welt der Fantasie von Nöten. Die wenigen wissenschaftlichen Theorien über Rollenspiele beschreiben diese Grundlage vereinheitlicht als den social contract zwischen den Spielern: Die Vereinbarung auf eine gemeinsame Sicht der Dinge, oder, um etwas epischer zu formulieren, eine gleichsam die Vorstellungen und Sehnsüchte erfüllende Ausstaffierung der Welt, in die man eintaucht.
Wo auch immer Rollenspieler sich treffen, ob zu Hause oder in der Natur, das andere Ich ist nicht nur im Kopf dabei. Das ist zwar die Hauptvoraussetzung, aber ohne die wichtigen Utensilien, eben pen & paper, läuft nicht viel! Erfolge müssen dokumentiert und Erfahrungen in erhöhte Charakterfertigkeiten umgesetzt werden. Und auch das Glück soll schließlich bleiben was es ist - mit Hilfe der schicksalhaften Seiten des Würfels.

Rollenspiel (aus)leben

Als Gemeinschaft stärker...

Anderen ist das zu wenig! Sie wollen selbst in die Schlacht ziehen, als stolzer Ritter, geheimnisvolle Hexe, fremdartige Elfe. Der Drang, das Alter Ego richtig zu spüren treibt sie an sich zu verkleiden, den Charakter auszuschmücken und die Persönlichkeit für andere sichtbar werden zu lassen. Meist am Wochenende trifft man sich im Wald, auf dem Burghof oder auf der freien Wiese. Die Rollenspieler befinden sich auf so genannten Cons oder Larps, auf Deutsch: bei Live-Rollenspielen. Rein physisch natürlich, denn eigentlich sind sie in Midgard, Aventurien oder wohin sonst die Fantasie führt...

Wo beginnt bei der Beschäftigung mit diesem Hobby die Flucht? Wie lassen sich Trennlinien zwischen Spaß und Sucht schärfen? Ist es überhaupt möglich, seine eigene Persönlichkeit so weit zurück zu stellen und zwei, drei Tage lang eine selbst entworfene Rolle zu spielen? Und welche Motive treiben diese Leute an, sich auf die Reise in fantastische Welten machen?

Wohin die Reise geht...

Wir möchten möglichst vielen unterschiedlichen Formen von Rollenspielen in unserem Projektbeitrag auf den Grund gehen. Dabei werden wir selbst teilnehmen aber auch beobachten. Wir wollen versuchen, sowohl unsere eigenen, als auch die Perspektiven unserer "Gefährten" nicht zu kurz kommen zu lassen.

Interesse geweckt? Dann schnürt euer Bündel und begleitet uns in dieses Abenteuer!

Bis zum (eigenen?) Horizont ist alles möglich- und darüber hinaus!

Von: Ingo Hintz und Sandra Rosenthal
Bilder: Alan De Smet, Kerem Beyit, D.W. Mitchell

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Veröffentlicht: 19.06.2008
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