Vom Teufel befreit
Ich war 16, als ich getauft wurde. Früher konnten wir nicht getauft werden, denn in den Zeiten der Sowjetunion ist es verboten. Ich weiß nicht mehr, ob es im Sommer, im Frühling oder im Herbst war. Wir kamen in die Uspenskij Kathedrale (Maria-Einschlafenskathedrale) in Smolensk. Wir – meine Mutter, meine Schwester und die zukünftige Patin. Ich war aufgeregt. Sehr. Ich weiß nicht warum. Einfach so. Der Metropolit Kirill begann die Prozedur: Etwa zehn Menschen sollten an diesem Sonntag getauft werden. Der Geruch der Kerzen und kirchlicher Utensilien war für mich ungewöhnlich. Ich stand da und dachte nicht an die herausragende Bedeutung des Moments. Nein. Ich wollte nur eins – mich setzen. Mit heiligem Wasser besprizte er die Anwesenden, mich auch und es war mir kein bisschen besser. Ich wollte sitzen, in die frische Luft und wartete bis alles zu Ende wird. Ich war wie benebelt und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Kerzen, Kreuz, Wasser, frische Luft bitte, Ikone, der Priester, Kerzen, Kreuz, Wasser, frische Luft bitte, Ikone, der Priester, Ker…
"Sie ist vom Teufel besessen" – von diesen Worten wurde ich wieder wach. Ich bin ohnmächtig geworden. Nicht zum ersten Mal, wenn mir frische Luft fehlte. Der Priester hatte eine eigene Erklärung – keine frische Luft oder Aufgeregtheit. Von wegen. Der Teufel, der alle diese 16 Jahre in mir saß, musste weggejagt werden. Nun stand ich im Zentrum des Prozederes. Er zupfte einige Haare aus, gab mir was zu trinken, bekreuzte mich und sich und alle, ich musste hinter ihm in Kreisen gehen.
Ich weiß nicht, was da vor mehr zehn Jahren los war. Ich weiß es nicht… Aber Seitdem bin ich nie wieder ohnmächtig geworden. Nie.
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Text: Aleksandra Ilina

