Interview
"Unser Plan ist voll aufgegangen"
SPOX.com ist die beliebteste Sport-Website im Jahr 2011. Das ergab ein Voting, an dem knapp 175 000 User mitgestimmt haben. Medien-Monitor sprach mit dem SPOX-Chefredakteur Alexander Marx über die Bedeutung dieser Auszeichnung, die Gründe für den Erfolg und das Konzept des Münchner Sportportals.

- Alexander Marx ist seit vier Jahren Chefredakteur bei SPOX.
Herr Marx, was bedeutet der People's Choice Award für Sie?
"Wir freuen uns über jede Auszeichnung, die wir bekommen, und wenn wir weiter in den Fokus rücken. So oft gewinnt man so einen Preis nicht, deswegen ist er schon etwas Besonderes für uns. Gleichzeitig ist es auch eine Auszeichnung für unsere User, die ja aktiv an der Gestaltung der Inhalte teilnehmen."
Kam diese Auszeichnung denn überraschend?
"Mit dem Gewinn des Awards konnten wir nicht unbedingt rechnen, weil wir aufgrund des Bekanntheitsgrades von SPOX sicherlich nicht in der Favoritenrolle waren. Dass wir bei der Wahl so viele Stimmen mobilisieren konnten ist eine große Anerkennung. Das zeigt, dass wir eine sehr treue Userschaft haben."
Was sind denn die Gründe für den Erfolg? In welcher Weise setzt sich SPOX von seiner Konkurrenz ab?
"Wir sind ein Portal, an dessen Content auch die User einen großen Anteil haben. Diese User bringen sich fantastisch ein durch ihre Blogs, Kommentare, Fotos und Videos, daher können wir auf ein großes Reservoir an User Generated Content zurückgreifen."
Eine enge User-Verbindung, die sich sicher erst bilden musste...
"Wir wollten von Anfang an User mit ins Boot holen und sie motivieren viel zu schreiben und zu bloggen. Der Plan ist voll aufgegangen. Wir haben mittlerweile eine große Gruppe von User-Redakteuren, mit der wir uns regelmäßig treffen."
Wie laufen diese Treffen ab?
"Diese Treffen verbinden wir in der Regel mit ein, zwei schönen Abenden. Dort erklären wir den Usern unsere Sichtweise und hören uns auch gerne ihre Kritik an unserer Berichterstattung an und erarbeiten gemeinsam Verbesserungsansätze."
Gibt es auch inhaltliche Absprachen?
"Ja die gibt es und die finden auf Augenhöhe statt. Sie sind wichtig, damit wir uns in der Berichterstattung nicht gegenseitig überschneiden. Denn die User werden ja nicht finanziell entlohnt für das, was sie schreiben. Umso wichtiger ist es uns, möglichst viel von ihrem produzierten Content möglichst prominent auf der Startseite einzubinden."

Wie sehr hilft die Unterstützung Ihrer User?
"Wir kennen unsere eigenen Kapazitäten. Wenn diese erschöpft sind, ist es umso schöner, auf die Hilfe der User zurückgreifen zu können. Das Moderatoren-Team, das die Kommentare kontrolliert, setzt sich nahezu komplett aus Power-Usern zusammen, denen die SPOX-Community selbst sehr am Herzen liegt."
Sie haben die Kapazitäten angesprochen. Wie sieht es innerhalb der Redaktionsräume aus?
"Unser Team besteht derzeit aus 15 Redakteuren. Wir versuchen unsere Reporter, wie unseren Chef-Reporter Haruka Gruber, auf so viele Termine und Recherchereisen wie möglich zu schicken. So war Haruka Gruber in diesem Jahr zum Beispiel auf den Philippinen, um dort den von SPOX mit gefundenen neuen Fußball-Nationaltrainer Michael Weiß zu begleiten, sowie in Namibia, um dort über ein Projekt für den Klimaschutz zu berichten."
Ist das vielleicht ihr Erfolgsgeheimnis, für viele Themen offen zu sein?
"Man muss viele Sachen ausprobieren, so wie unseren Fußball-Tag im Ticker. Den haben wir zum ersten Mal im Januar 2009 ausprobiert, damals war das der letzte Tag in der Winter-Transferperiode. Der Ticker hat uns damals eine Menge Kommentare und Aufmerksamkeit gebracht. Wir haben dann beschlossen: ,Okay, die Leute mögen das. Das brauchen wir jeden Tag'."
Das zeigt, dass auch Sie an einer ausführlichen Fußball-Berichterstattung nicht vorbeikommen.
"Eine gründliche Fußball-Berichterstattung steht natürlich an erster Stelle, da folgen wir dem Allgemeininteresse. Ansonsten sind wir das Sportportal, das am ausgiebigsten und hintergründigsten über US-Sport berichtet. Dazu gehört auch eine Highlight-Berichterstattung in Video-Form. Dabei helfen uns sicher auch die guten Kontakte in die NBA, NFL und NHL und der Umstand, dass derzeit mit Dirk Nowitzki ein Deutscher dort sehr gut Basketball spielt und mit Dennis Seidenberg in diesem Jahr wieder einmal ein Deutscher den Stanley-Cup gewonnen hat."
Welche Sportarten stehen sonst noch im Fokus?
"Die Formel 1 findet das ganze Jahr über auf unserem Portal statt. Andere Sportarten, wie z.B. Handball oder Tennis, sind von der Größe des Aufwands her Event-abhängig. Über die Handball-EM in Serbien und die Australian Open werden wir im Januar selbstverständlich ausführlich berichten. Ansonsten fahren wir keine bestimmte Linie. In unserem Team arbeiten glücklicherweise Redakteure, die sehr viele Sportarten lieben."
Redakteure, die vor knapp vier Jahren den Schritt wagten, von Sport1 wegzugehen und etwas eigenes aufzubauen...
"25 ehemalige Sport1 Mitarbeiter waren von Anfang an dabei. Wir waren alle von der Chance begeistert, etwas Eigenes auf den Weg zu bringen und unsere eigenen Vorstellungen von Online-Journalismus zu verwirklichen. Das Einbinden von Web 2.0 Inhalten in unsere Berichterstattung spielte dabei von Anfang an eine wichtige Rolle. Zudem wollten wir von Anfang an unsere User stark mit einbinden. Dieser Plan ist voll aufgegangen."
Das Interview führte Jonas Knoop
