Unbekannte Mittäter
75 Jahre sind es her. Doch kontrovers diskutieren Geschichts-Experten und Journalisten den Reichstagsbrand von 1933 noch immer. Hochbrisant: Wer war der Täter?
Noch in der Brandnacht wurde der holländische Kommunist Marinus van der Lubbe im Reichstag festgenommen. Den Haftbefehl gab es allerdings erst fünf Tage später. In dem vom Reichsgericht in Leipzig vom 21. September bis 23. Dezember 1933 durchgeführten Prozess behauptete van der Lubbe wie zuvor in den polizeilichen Vernehmungen, den Brand alleine und ohne Hilfe gelegt zu haben. Das Gericht verurteilte van der Lubbe schließlich zum Tode. Es ließ ihn wegen "Hochverrats in Tateinheit mit aufrührerischer Brandstiftung und versuchter Brandstiftung" hinrichten.
Die vier Mitangeklagten ließ das Gericht frei - wegen mangelnder Beweise für eine Mittäterschaft. Dass van der Lubbe den Brand dennoch nicht allein gelegt hatte, zeigten die Indizien am Tatort: Aufgefundene flüssige Brandbeschleuniger sowie Zeugenaussagen - wonach während des Brandes Personen aus dem Reichstag flüchteten - machten deutlich, dass mehrere Täter aktiv gewesen sein mussten. Das Gericht bestätigte also die Verschwörung von van der Lubbe und unbekannt gebliebenen Kommunisten. Laut Gericht kamen die Nationalsozialisten aufgrund ihrer vaterländischen Gesinnung nicht als Brandstifter bzw. Verschwörer in Betracht.
Text: Jörg-Uwe Nieland
Bild: flickr.com/ma-eh, flickr.com/sevenrestists


