Auf Schalke
Traumjob in Königsblau
Veltins-Arena, Profis und Felix Magath: So sieht der Alltag von Christoph Pieper aus. Der gelernte Journalist arbeitet für die Pressestelle von Schalke 04 und beschreibt seinen Beruf als Herzensangelegenheit. Sein früheres Reporterdasein hat er mit PR in Sachen Gelsenkirchen getauscht, bereut diesen Schritt aber nie.
Gelsenkirchen. Er ist in Dortmund aufgewachsen, hat sich aber "zum Glück früh für die richtige Farbe entschieden." Die richtige Farbe ist in diesem Fall königsblau anstelle von schwarz-gelb: Christoph Pieper ist "eingefleischter Schalke-Fan". Für seinen Job als Redakteur der Schalker Pressestelle sei das gut: "Durch die Liebe zum Verein ist man gerne dazu bereit, viele Überstunden in Kauf zu nehmen und auch am Wochenende zu arbeiten", sagt Pieper. Schwierig sei es allerdings, die notwendige Distanz zu wahren, erklärt er im Interview mit Medien Monitor. Denn auch als Sprachrohr des Vereins könne die Pressestelle nicht nur Lobeshymnen abfeuern. Objektiv zu bleiben ist auf Schalke aber sehr schwierig, gibt der Journalist offen zu (O-Ton Christoph Pieper / 0:26 Minuten):
Während seines Volontariates bei den Ruhr Nachrichten und der Zeit als (Sport)Reporter hat Pieper das journalistische Handwerkszeug aber von der Pike auf gelernt. Auch seine insgesamt neun Kollegen und Kolleginnen in der Pressestelle haben einen Hintergrund im Medienbereich, sodass ein professionelles Berufsverständnis die gemeinsame Basis ist. "Das ist auch absolut nötig, weil wir hier beispielsweise das Vereinsmagazin Schalker Kreisel produzieren", erklärt Pieper. Er selbst übernimmt aber "zu 80 Prozent PR-Aufgaben" und hat daher "quasi die Seiten gewechselt." Das Reporterdasein vermisst Pieper zwar manchmal, hat aber gleichzeitig seine Stärken im organisatorischen und logistischen Bereich entdeckt. Und bislang hat sich bei ihm auch noch keinerlei Schalke-Überdruss eingestellt:
Vermittler zwischen Verein und Medien
Die Hauptaufgabe von Christoph Pieper ist die Organisation und Begleitung von Interviews. Insgesamt gibt es pro Jahr bis zu 3000 Anfragen. "Da ist dann alles dabei: Werbespots, Promoaktionen, Fernsehsendungen und so weiter. Das läuft alles nur über uns, also die Pressestelle", erklärt Pieper. 500 bis 600 Anfragen konnte diese in der Vergangenheit positiv beantworten - Absagen an Journalisten sind also der Alltag. Das erschwert ein gutes Verhältnis zu den Medien: "Gerade auf Schalke geht es viel um Emotionen. Da müssen wir manche Dinge richtig kanalisieren", sagt Pieper. Dennoch fühlt er sich ab und an als Blitzableiter, wenn er zwischen dem Verein und den Medien vermitteln muss: "Zum einen kommt es mit den Spielern gelegentlich zu intensiven Diskussionen und zum anderen fühlen sich die Journalisten benachteiligt, wenn ich ihnen eine Absage erteile." Aufgrund der Masse der Anfragen muss die Pressestelle hart selektieren (O-Ton Christoph Pieper / 1:23 Minuten):
Für die Außendarstellung des Vereins spielt die Berichterstattung - besonders in Medien mit hohem Marktanteil wie der Bild-Zeitung - eine sehr große Rolle. Die Pressestelle versucht deshalb, positiven Einfluss zu nehmen. Eine Zensur findet aber nicht statt: "Wir sind nicht Nordkorea und filtern gezielt Informationen", sagt Pieper lachend, "aber wir versuchen schon, die Profis für heikle Themen zu sensibilisieren." Läuft die Kamera allerdings, kann man nicht mehr eingreifen - dann ist der Spieler sich selbst überlassen. Die sogenannte "Mixed Zone", wo die Profis den Journalisten nach dem Training Rede und Antwort stehen, ist deshalb für Pieper ein wichtiger Arbeitsort:
In den Katakomben
Der zweite Teil der "Mixed Zone" befindet sich in den Katakomben der Schalker Arena direkt vor dem Treppengang zum "heiligen Rasen". Hier treffen sich die Journalisten mit den Profis an nationalen und internationalen Spieltagen nach dem Abpfiff. Neben der nationalen wartet auch die lokale Presse auf die Statements der Stars. "Nach Niederlagen kann dieser Marathon für die ausgewählten Spieler zur Tortur werden", sagt Pieper. Da die Interviews kurz nach Spielende aufgezeichnet werden, muss die Pressestelle immer ein wachsames Auge haben: "Wenn ein angefragter Spieler emotional zu aufgewühlt scheint, schicken wir lieber einen anderen Spieler." Aus Erfahrung weiß Pieper, dass die Profis nach dramatischen Spielen voller Adrenalin und Emotionen sind - "und dann muss ich nicht noch den stockwütenden Spieler mit der roten Karte rausschicken." In den Katakomben befindet sich ein weiterer wichtiger Arbeitsplatz für Pieper: der Presseraum. Hier analysieren nicht nur die Trainer das Spiel, sondern pflegen auch die Mitarbeiter der Pressestelle auch den Kontakt zu den Journalisten:
Alltag Arena
Seit 2004 bereits arbeitet Christoph Pieper für seinen Lieblingsclub. Da er sich hauptsächlich um Interviews kümmert, pflegt er naturgemäß einen sehr engen Kontakt zu den Spielern. "Ich habe ja quasi täglich mit den Jungs zu tun. Ein gutes Verhältnis ist daher für einen reibungslosen Alltag wirklich enorm wichtig", sagt Pieper. Wie in einer großen Firma versteht man sich aber nicht mit jedem Mitarbeiter gut: "Es gibt auch Spielertypen, die schwer zugänglich sind. Insgesamt aber ich mit den Spielern aber sehr vertrauensvoll zusammen." Der sportliche Erfolg - oder Misserfolg - prägt das gesamte Arbeitsumfeld entscheidend mit und an manchen Tagen wäre Pieper gerne mal wieder Journalist (O-Ton Pieper / 0:44 Minuten):
Die Pressestelle befindet sich direkt hinter dem Schalker Trainingsplatz und so kommt Pieper jeden Tag an der Veltins-Arena vorbei. Da er sich dort häufig für Führungen und an den Spieltagen aufhält, kennt er "jedes Fleckchen des Stadions" - und damit auch die Geheimnisse und Legenden, die sich um diesen Ort ranken. Beispielsweise jene um die Schalker Umkleidekabine: Im Toilettenraum ist genau ein Pissoir angebracht, das ein gutes Stückchen niedriger hängt als alle anderen. "Das hat natürlich seinen Grund: Der Legende nach wurde es extra für Olaf Thon angefertigt", erklärt Pieper lachend. Der ehemalige Schalker Kapitän war mit 1,70 Meter bekanntlich nicht der Größte seiner Zunft. Man merkt dem Pressemitarbeiter an, dass er sich hier auskennt und wohlfühlt, wenn er Gäste durch die Katakomben führt und "amtlich verbriefte Legenden" zum Besten gibt.
Mehr PR als Journalismus
Lediglich 20 Prozent seiner Arbeit sind journalistischer Natur. Aus diesem Grund sieht sich Pieper mehr als PR-Mann denn als Journalist: "Wir filtern jegliche Informationen, die wir rausgeben, klar. Wir sind in erster Linie das Sprachrohr des Vereins. Unsere Hauptaufgaben sind die interne und externe Kommunikation - und dabei ist uns natürlich an einer positiven Außendarstellung gelegen." Zu den journalistischen Aufgaben, die Pieper übernimmt, gehört zum Beispiel das Redigieren von Artikeln für das Stadionmagazin und besonders das Verfassen des Spielberichtes für die Homepage von Schalke 04. "Die Hauptproduktion liegt aber in anderen Händen. Ich trage einen Teil dazu bei, außerdem kümmere ich mich um die Ausbildung unserer beiden Volontäre. Ich habe hier auf Schalke aber auch gelernt, dass Aufgaben wie Planung und Organisation zu meinen Stärken gehören." Aus diesem Grund ist Pieper sehr glücklich mit seinem Beruf, den er auch als seine Berufung bezeichnet. Einziges Manko des Traumjobs in Königsblau: Die unbändige Vereinsliebe hat ihre Tücken. "Weil man sich dem Verein so zugehörig fühlt und es genießt, hier zu arbeiten, häuft man regelmäßig massig Überstunden an. Die kann man dann am Ende nicht alle abbauen. Das Private bleibt folgerichtig oft auf der Strecke", gibt Pieper zu. Alles für den Club eben. Alles für Schalke.
Text: Stefan Burkard und Gregor Hofmeyer
Slideshows: Stefan Burkard und Gregor Hofmeyer
Fotos: Gregor Hofmeyer
Audios: Stefan Burkard






