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Traumjob: Berichten aus Nahost

Viele kennen den Mittleren und Nahen Osten nur aus Kriegsreporten und Krisenberichten. Für ihn aber war diese Region Arbeitsplatz und Leidenschaft: Jörg Armbruster arbeitete über sechs Jahre lang als Auslandskorrespondent und Studioleiter des ARD-Büros für die arabische Welt in Kairo.

Leben und Arbeiten im staubigen Kairo.

Dortmund. Als Korrespondent der ARD im Nahen und Mittleren Osten war Jörg Armbruster für 22 Länder zuständig - von Ägypten über Saudi-Arabien bis hin zum Iran. Zuvor noch Leiter der Auslandsabteilung des Süddeutschen Rundfunks (SDR), wurde er 1999 als Auslandskorrespondent nach Kairo geschickt. Kein Problem für den reisefreudigen Armbruster: Neugierig war er auf diese doch sehr fremde Welt mit ihrer spannenden Kultur. Endlich bin ich da, wo ich schon lange hinwollte - im Nahen Osten, in der lautesten und staubigsten Stadt der Region, sagte er damals über seinen neuen Arbeitsplatz in der ägyptischen Hauptstadt. Im Gepäck hatte er neben Reiselust und Wissbegier auch alles andere, was ein Auslandskorrespondent seiner Ansicht nach mitbringen sollte.

Jörg Armbruster erzählt, was ein Auslandskorrespondent für seinen Beruf mitbringen muss (0:35 Min.):

Oh Gott, in den Nahen Osten? - Ja klar!

Gerade weil andere Leute nie in den Nahen Osten gehen würden, zog es Armbruster dort hin. "Eben das macht es doch so spannend, weil in dieser Region der Welt so viel Vorhersehbares und Unvorhersehbares passiert." Doch ist es nach Armbrusters Ansicht nicht nur die Angst, die Journalisten von einer Arbeit in dieser Region der Welt abhält. "Es gibt auch eine gewisse Ermüdung gegenüber dem Nahen und Mittleren Osten, weil viele Konflikte uralt sind und offensichtlich nicht gelöst werden, wie der Palästina-Konflikt, der mich auch irgendwann angefangen hat zu ermüden."

Trotzdem ging Armbruster 1999 nach Kairo: Mit dem Ehrgeiz, vor allem auch den Alltag im Nahen Osten zu beschreiben, den Menschen im Tausende Kilometer entfernten Deutschland das Fremde näher zu bringen. Gar keine so einfache Angelegenheit bei 22 zu betreuenden Ländern, die noch dazu schwierige Arbeitsbedingungen für Journalisten boten, insbesondere für westliche Korrespondenten. Nach Saudi-Arabien beispielsweise durften Armbruster und sein Team erstmals 2002 einreisen, obwohl sie es von Anfang an versucht hatten. "Danach war ich dann oft in Saudi-Arabien und in Regionen, in denen meine Korrespondenten-Kollegen, die vor mir diesen Job gemacht haben, nie waren – und das war unglaublich spannend", erinnert sich Armbruster.

Das ist Jörg Armbruster:

  • geb. 1947 in Tübingen
  • 1968-1973 Studium der Sozialwissenschaften, Politikwissenschaft, Volkswirtschaft, Theaterwissenschaft, Sprachwissenschaft in Köln
  • 1973-1978 freier Mitarbeiter beim Westdeutschen Rundfunk in der Abteilung Hörfunk
  • 1979-1994 Tätigkeiten als Radio- und TV-Reporter, Moderator und Redakteur beim SDR
  • 1995-1998 Leiter der Abteilung "Ausland" des SDR-Fernsehens
  • 1999-2005 Auslandskorrespondent und Studioleiter des ARD-Büros für die arabische Welt in Kairo
  • seit 2005 Leiter Abteilung Ausland/Europa des SWR-Fernsehens, "Weltspiegel"-Moderator

Hürden und Schwierigkeiten: Viele sind hausgemacht!

Arabisch ist eine schwierige Sprache.

Fast sechs Jahre im Nahen Osten trotz Sprachbarriere: "Mit meinem Arabisch kann ich wirklich nicht groß punkten oder protzen. Es ist eine wahnsinnig schwierige Sprache, deswegen bin ich über ein ordentliches Küchenarabisch nie hinausgekommen", gesteht Armbruster ein. Die Barriere im Kopf dagegen hat er überwunden: Um das Leben und die Menschen dort verstehen zu können, müsse man die eigenen Vorurteile oder Ansichten selbst erst einmal in Frage stellen, um dann vor Ort Antworten zu finden. Dass man in Ländern wie Ägypten aber aufgrund der dort vorherrschenden Verhältnisse auch in einen Gewissenskonflikt kommen kann und Zweifel oder Wut gegenüber den dort Herrschenden aufkommen, hat Armbruster selbst erst lernen müssen.

Jörg Armbruster erlebte in Nahost schwierige Situationen (0:38 Min.):

11. September 2001: Besonnenheit trotz Schock

Als er gerade Urlaub machte, erreichte Armbruster die Nachricht von den Terroranschlägen in den USA. Sofort kehrte er nach Kairo zurück und berichtete für die "Tagesschau" und in vielen ARD-Sondersendungen von der Lage im arabischen Raum. Abgestempelt als der Ursprung allen Übels, als Herkunftsregion des Terrorismus, fiel im Nahen und Mittleren Osten so manche Reaktion auf die Terroranschläge in den USA dementsprechend aus: Offen wurde immer wieder der Hass gegen die Amerikaner und den Westen ausgesprochen. Eine Herausforderung für den Auslandskorrespondenten und seine Berichterstattung.

Jörg Armbruster über die Arbeit in Nahost nach 9/11 (0:38 Min.):

Angst-Faktor: Lokalreporter trifft es unvermutet

Auslandskorrespondent Jörg Armbruster

Als im Jahr 2003 die "Koalition der Willigen" unter der Führung der USA in den Irak einmarschierte, war auch Jörg Armbruster immer häufiger vor Ort, berichtete direkt aus dem Kriegsgebiet. Seine Frau, die ihn 1999 nach Kairo begleitet hatte, verblieb in der ägyptischen Hauptstadt – zu groß war die Gefahr in der Krisenregion. Gegenseitiges Vertrauen spielt in einer solchen Situation, die immer wieder auch bestimmt ist von Angst, eine enorm große Rolle. "Der Mann hat immer gut zu tun und weiß, warum er eben an diesem Ort ist. Die Frau muss ihre eigene Rolle an diesem fremden Ort finden und mit der Situation klarkommen. Das hat bei meiner Familie gut geklappt. Aber ich kenne auch Fälle, da hat das nicht funktioniert", weiß Armbruster.

Dass er sich den vielen Schwierigkeiten und Gefahren seines Berufs gestellt hat, liegt auch sicherlich an seinem Umgang mit der Angst: Von Tod und Elend überrascht zu werden, das kann einem Lokalreporter bei einem Zugunglück oder einem Autounfall passieren. Als Auslandskorrespondent aber weiß man schon vor dem Einsatz, worauf man sich einlässt und was auf einen zukommt, wenn man in eine Krisen- oder Kriegsregion kommt. Dieses Wissen half Armbruster während seiner Zeit im Nahen und Mittleren Osten. Doch trotzdem gibt es schlimme Erlebnisse, die sich in seinem Gedächtnis eingebrannt haben.

Jörg Armbruster über den Umgang mit Tod und Leid (0:50 Min.):

"Fenster zur Welt" - das ist zu hoch gegriffen

Verschleierte Frau: Kulturunterschiede werden sichtbar.

Aber nicht nur Negatives hat Armbruster während seiner Zeit im Nahen Osten erfahren; auch positive Erlebnisse sind ihm in Erinnerung geblieben. Die Gastfreundschaft einer Familie im Norden des Irak, die das gesamte Dreh-Team um Armbruster zu sich nach Hause einlud und sie – obwohl völlig fremd – bewirtete, ist nur ein Beispiel: "So offen empfangen zu werden wie bei dieser einfachen kurdischen Familie, eine solche Herzlichkeit, das habe ich danach nie wieder erlebt", erinnert sich Armbruster.

Eindrücke wie diese waren es auch, die Armbruster während seiner Zeit als Auslandskorrespondent dem Publikum zu Hause in Deutschland näher bringen wollte. Die Menschen, ihren Alltag und ihre Kultur vorstellen, Vorurteile abbauen und offene Fragen klären, das wollte er durch seine Berichterstattung aus dem Nahen und Mittleren Osten erreichen.

Jörg Armbruster über sein Selbstverständnis als Journalist und Korrespondent (0:22 Min.):

Nicht mehr resozialisierbar?

Nach Hause, nach Deutschland zog es Armbruster nicht. Doch 2005 wurde er zurückgerufen, da er sonst nicht mehr resozialisierbar sei, hieß es. Er wäre nicht mehr alltagstauglich für das normale Geschäft in einem großen Rundfunksender, sagte man ihm.

Entschädigt wurde Armbruster durch den Job, den man ihm anbot: Moderator beim "Weltspiegel" und Leiter der Auslandsabteilung beim Südwestrundfunk (SWR). Seine journalistischen Erfahrungen im In- und Ausland machen ihm das Arbeiten in dieser Position leichter. "Es kann Konflikte geben durch gegenseitiges Nichtverstehen, aber es hilft bei meinem heutigen Job, dass ich selbst sehr lange im Ausland war. Denn ich weiß, was ich dem Kollegen, dem Auslandskorrespondenten zumuten kann, was ich abfordern kann, aber ich weiß auch, wo die Grenzen sind."

Jörg Armbrusters Karriere ist seiner Meinung nach übrigens nur noch durch eines zu toppen: Nochmals Auslandskorrespondent. Dann aber gerne auch an einem anderen Ort als in Nahost, zum Beispiel in Spanien.

Text: Carola Westermeier
Teaserfoto: flickr.com/jan_jaja
Fotos: flickr.com/jan_jaja, flickr.com/arndt_hoppe, SWR/Korte, flickr.com/Soqotra (Yemen)

Veröffentlicht: 02.12.2008
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