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Castingshows im Check

"The Voice of Germany" hat die Nase vorn

"DSDS", "The Voice of Germany", "Unser Star für Baku", "X Faktor" - noch nie haben sich so viele Castingshows gleichzeitig etabliert, die ein Millionenpublikum begeistern. Deutschland ist "Castingland". Doch welches Konzept ist am nachhaltigsten? Welche Show wird auch in fünf Jahren noch von den Deutschen eingeschaltet? Der konstante Erfolg spricht für "DSDS". Doch unser Experte Manuel Weis meint, "The Voice of Germany" hat jetzt schon die Nase vorn.

"The Voice of Germany" ist seit November auf Sat.1 und ProSieben zu sehen.

Seit November suchen Sat.1 und ProSieben die beste Stimme Deutschlands. Mit "The Voice of Germany" brachten die beiden Sender dafür eine neue Art Castingshow an den Start. Eine, die sich von den üblichen Formaten absetzen sollte. Das Vorhaben scheint bisher gelungen. Die Show erreichte nicht für möglich gehaltene Einschaltquoten und überzeugt gleichzeitig durch das hohe Niveau der Kandidaten.

Doch kann sich überhaupt eine neue Talentschau am Markt behaupten? Nachhaltig erfolgreich war bisher nur RTL mit seiner Suche nach Deutschlands neuem Superstar. Knapp sechs Millionen Zuschauer sahen am 7. Januar den Auftakt zur neunten Staffel. Zwar blieb DSDS damit ein wenig hinter den Erwartungen zurück, trotzdem ist das nach so einer langen Zeit immer noch eine beeindruckende Quote.

Viel Platz lässt "DSDS" also nicht mehr, auch wenn Deutschland "Castingland" ist. Nirgendwo anders wurden oder werden so viele Castingshows ausgestrahlt und ausprobiert. So wie im Jahr 2003, als Sat.1 mit "Star Search" parallel zu RTL mit "DSDS" auf Sendung ging. Ein Jahr später wurde "Star Search" wegen mieser Quoten eingestellt. Länger hielt sich "Popstars", zunächst auf RTL II, später auf ProSieben. Doch auch "Popstars" konnte sich gegen "DSDS" nicht behaupten, fiel in der Quote deutlich gegen den Klassenprimus ab.

Nun wagten Sat.1 und ProSieben mit "The Voice of Germany" also gemeinsam einen neuen Anlauf, um vom Kuchen etwas abzubekommen. Doch werden sie in fünf Jahren auch noch satt? Oder bringt sogar "X Faktor" auf VOX das beste Konzept mit? Medien Monitor und Experte Manuel Weis von Quotenmeter.de haben die vier aktuellsten Formate einmal unter die Lupe genommen. Der große Castingshow-Check:

DSDS

Dieter Bohlen ist das Gesicht von "DSDS".

Format

"Deutschland sucht den Superstar" wurde erstmals im Herbst 2002 von RTL ausgestrahlt. Es basiert auf der britischen Sendung "Pop Idol", einem Konzept, das weltweit lizenziert wurde. Nach erstem Casting und dem sogenannten Recall folgen die "Mottoshows", die live auf RTL gezeigt werden.

Das meint Medien Monitor: DSDS bietet einen Mix aus Begeisterung und Fremdschämen, wobei in den ersten Casting-Folgen sicherlich letzteres überwiegt. Hinzu kommt das Gefühl von Schadenfreude, wenn Jurychef Dieter Bohlen einen Kandidaten wieder einmal zur Sau macht. Dieser Mix ist sicher das Erfolgsrezept von DSDS, weil er zwei Gruppen von Zuschauern anspricht - die, die ein neues Gesangstalent sehen wollen und die, die sich schlichtweg amüsieren wollen. Schade nur, dass dabei ein wenig das Niveau auf der Strecke bleibt. Denn möchte jemand wirklich ein Superstar werden, meldet er sich besser nicht bei DSDS an. Von den bisherigen Gewinnern hat keiner den Durchbruch geschafft, an manche Namen kann man sich gar nicht mehr erinnern.

Manuel Weis ist TV-Experte bei Quotenmeter.de.

Das meint Manuel Weis: Deutschland sucht den Superstar ist das größte Casting-Format Deutschlands auf dem reichweitenstärksten Sender beim jungen Publikum. Daher bietet es eine ideale Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Dass diese für die teilnehmenden Künstler aber nicht von allzu langer Dauer ist, ist die Kehrseite der Medaille.

Die Jury

Die Jury bestand zwar seit Beginn der Show aus mindestens drei Personen, doch eigentlich interessiert bei der Jury nur ein Name - Dieter Bohlen. Er steht für den Erfolg von DSDS wie kein anderer und ist die einzige Konstante in der Show. Die Jurykollegen an seiner Seite wurden von Jahr zu Jahr fleißig ausgewechselt. Aktuell sind es Natalie Horler, Sängerin von Cascada, und Bruce Darnell.

Das meint Medien Monitor: Wer DSDS einschaltet, weiß, was er bekommt: Dieter Bohlen. Seine Sprüche sind hart und direkt und gehen mitunter weit unter die Gürtellinie. Doch genau diese Art des "Poptitans" ist einer der Erfolgsgaranten von DSDS. Bohlen bietet Unterhaltung pur, wem dabei das Niveau fehlt, sollte besser wegschalten.

Das meint Manuel Weis: Dieter Bohlen ist der Charakterkopf der Jury und seit nunmehr neun Jahren eine feste Größe in der Sendung und auch im RTL-Programm. Man kann über seine Herangehensweise unterschiedlicher Auffassung sein, ohne ihn wäre das deutsche Fernsehen aber definitiv um eine interessante Figur ärmer. Wieso Bruce Darnell heuer in der Jury sitzen darf, ist durchaus fraglich - zumindest in den Casting-Episoden, in denen es nur um den Gesang gehen sollte, kann ich seine Stärken noch nicht erkennen. Die Frontsängerin von Cascada macht einen sympathischen Eindruck auf mich.

Alexander Klaws war der erste Gewinner bei "DSDS".

Die Moderatoren

Den Anfang machten Carsten Spengemann und Michelle Hunziker. Seit Staffel drei hat Marco Schreyl das Mikrofon in der Hand, zunächst noch begleitet von Tooske Ragas, schmeißt er nun alleine die Show.

Das meint Medien Monitor: Es gibt in Deutschland sicherlich schlechtere Moderatoren als Marco Schreyl. Er wirkt immer gut vorbereitet und moderiert die Live-Shows mit einer gewissen Leichtigkeit. Trotzdem nervt seine aufgesetzte Art.

Das meint Manuel Weis: Marco Schreyl halte ich für deutlich besser, als er oftmals in der öffentlichen Wahrnehmung bewertet wird.

Ausblick

Einschaltquoten von mehr als sechs Millionen Zuschauern sorgen auch bei der neunten Staffel für einen ordentlichen Wert. Und solange Dieter Bohlen in der Jury sitzt, wird DSDS wohl auch weiterhin Erfolg haben. Die Frage wird sein, ob RTL sich ewig auf den Faktor Bohlen verlassen kann. Denn das Niveau wird von Staffel zu Staffel schwächer und die wirklichen Gesangstalente gehen schon lange nicht mehr zu DSDS.

X Faktor

Zwei Staffeln von X Faktor strahlte VOX bisher aus.

Das Format

Seit 2010 strahlt VOX die Show aus. Sie ist ein Ableger der britischen Castingshow "The X Factor". Die Casting-Teilnehmer, die den Sprung ins sogenannte Bootcamp schaffen, werden in drei Kategorien aufgeteilt: Solosänger 16 bis 24 Jahre, Solosänger ab 25 Jahren und Gruppen bzw. Duette. Jede Kategorie wird von einem Juror betreut und begleitet. Nach dem Bootcamp ziehen die Kandidaten ins Juryhaus, wo jeder Mentor seine besten Kandidaten auswählt. Anschließend folgen die Live-Shows, bei denen die Zuschauer ihre Favoriten wählen können. Die Kandidaten mit den wenigsten Stimmen treten am Ende der Show noch einmal in einem Gesangsduell gegeneinander an. In diesem Duell entscheiden die Juroren, wer sich durchsetzt. Für den Sieger gibt es einen Plattenvertrag mit Sony Music.

Das meint Medien Monitor: Die Idee, die Teilnehmer in drei verschiedene Gruppen einzuteilen und von einem Juror/Coach betreuen zu lassen, scheint ein wenig aus dem Sport abgeschaut. Dementsprechend groß sind die Emotionen, die nicht nur zwischen den Gruppen, sondern auch den Juroren entstehen. Emotionen, die auch schon zu Schlagzeilen geführt haben. Das Konzept überzeugt also. Doch ähnlich wie "DSDS", hat es die deutsche Version von X Faktor bisher nicht geschafft, einen Superstar hervorzubringen. Die Siegerin der ersten Staffel, Edita Abdieski, ist trotz großem Talent in der Versenkung verschwunden. Und auch dem Sieger der zweiten Staffel, David Pfeffer, darf wohl keine große Zukunft zugetraut werden.

Das meint Manuel Weis: "X Faktor" ist international, vor allem durch die britische Version, ein Magnet und ein riesen Erfolg. Es stammt ja auch vom "Pop Idol"-Macher und hat sozusagen die Schraube noch einmal ein bisschen anders gedreht. Hier in Deutschland bekommt das Format irgendwie aber noch nicht die Aufmerksamkeit, die es eigentlich verdient hat.

Die Jury

Das bekannteste Gesicht der Jury ist wohl die deutsche Popsängerin Sarah Connor. Sie war von den Machern von "X Faktor" sicher auch als Zugpferd eingeplant. An ihrer Seite saß in beiden Staffeln der Musiker Til Brönner. Zwischen beiden Jurymitgliedern gab es bereits mehrmals Zoff, der aber durchaus auch inszeniert gewesen sein kann. Dritter Juror war in der ersten Staffel Musikproduzent Georges Glueck. Er wurde in der zweiten Staffel durch den Rapper Das Bo ersetzt.

Das meint Medien Monitor: Die Macher von "X Faktor" setzten die Jury mit viel Bedacht zusammen, auch wenn es vielleicht nicht gelang, die ganz großen Namen zu verpflichten. So lässt sich über den musikalischen Stellenwert von einem Til Brönner oder Sarah Connor in Deutschland streiten, doch beide bewegen sich schon seit vielen Jahren im Musikgeschäft und bringen dementsprechend Kompetenz mit. In der zweiten Staffel Georges Glueck durch Das Bo zu ersetzen, kann jedoch nur damit erklärt werden, ein jüngeres Publikum ansprechen zu wollen. Denn was der Hamburger Rapper mit dem bürgerlichen Namen Mirko Alexander Bogojevic jungen Gesangstalenten beibringen kann, bleibt fraglich. Er machte aber seine Sache ganz ordentlich neben Connor und Brönner.

Das meint Manuel Weis: Til Brönner, Sarah Connor und Das Bo harmonieren in diesem Zusammenspiel gut. Bis auf Sarah Connor ist zwar kein ganz großer Name dabei, dennoch würde ich es begrüßen, wenn man die Konstellation bei der kommenden dritten Staffel so bestehen lassen würde.

Das Bo, Sarah Connor und Till Brönner bildeten die Jury der zweiten Staffel.

Die Moderatoren

Jochen Schropp führte als Moderator durch beide Staffeln. Der 33-jährige Gießener, der nebenher auch schauspielert, war bereits als bester Entertainer für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Das meint Medien Monitor: Jochen Schropp widmet sich mehr und mehr der Moderation. Ein kluger Schritt, denn hier liegt augenscheinlich sein größeres Talent. Nicht umsonst wurde er schon für den Fernsehpreis nominiert. Schropp agiert unaufgeregt und ebenso gut vorbereitet wie Kollege Schreyl bei "DSDS". Doch seine Art ist dabei viel angenehmer.

Das meint Manuel Weis: Jochen Schropp war eine der Entdeckungen 2010 und hat sich in der zweiten Staffel sogar noch gesteigert. Alle, die ihn noch nicht kennen: Den Namen sollte man sich merken.

Ausblick

War die erste Staffel noch ein voller Überraschungserfolg, verlor die zweite Staffel bereits deutlich an Zuschauern. Obwohl das Konzept stimmt, scheint die Konkurrenz anderer Castingshows zu übermächtig. Die Jury, die nicht so prominent besetzt ist, ist sicherlich ein Teilgrund dafür. Der Hauptgrund dürfte sein, dass "X Faktor" nur auf dem RTL-Ableger VOX ausgestrahlt wird. Ein Sender ohne viele Stammseher. Trotz ruckläufiger Quoten setzt der Kölner Sender VOX auch auf eine dritte Staffel "X Faktor". Ob es die Show in fünf Jahren auch noch gibt, darf jedoch bezweifelt werden.

The Voice of Germany

"The Voice of Germany" ist die neueste Castingshow im deutschen Fernsehen.

Das Format

"The Voice of Germany" ist die neueste Version einer deutschen Castingshow, das nach einem großen Gesangstalent sucht. Doch anders als bei anderen Castingshows wird hier vor der ersten Sendung bereits eine Auswahl der besten 150 Sänger vorgenommen. Sie werden für die sogenannten "Blind Auditions" eingeladen. Dort müssen die Kandidaten, begleitet von einer Live-Band, vor Publikum auf einer Bühne vorsingen. Die Jurymitglieder können die Sängerin oder den Sänger zunächst nur hören, aber nicht sehen, weil sie in einem Drehstuhl mit dem Rücken zur Bühne sitzen. Sie können für einen Kandidaten stimmen, indem sie sich während seines Vortrages zu ihm umdrehen, um ihn zu sehen. Der Kandidat kommt eine Runde weiter, wenn er mindestens eine der vier Jurystimmen erhält. Unter denjenigen Jurymitgliedern, die sich für ihn umgedreht haben, wählt der Kandidat seinen Coach für die weiteren Runden. In den "Blind Auditions" bekommt jeder der vier Coaches eine Gruppe von 16 Kandidaten.

Es folgt die "Battle Round", in der jeweils zwei Kandidaten derselben Coachinggruppe ein Lied im Duett singen. Nur einer der beiden Kandidaten kommt dabei nach Entscheidung des jeweiligen Coaches weiter. Unter den acht "Battle"-Siegern seiner Gruppe wählt der Coach am Ende sechs Künstler für die nächste Runde aus.

In der dritten Phase, den Liveshows, treten die 24 Kandidaten innerhalb ihrer Coachinggruppen gegeneinander an und werden sowohl von den Coaches als auch von den Fernsehzuschauern bewertet. Aus jeder Gruppe geht dabei ein Finalist hervor. Im Finale entscheiden einzig die Fernsehzuschauer über den Sieg.

Das meint Medien Monitor: Das Konzept der Show überzeugt in allen Teilen. Durch die Vorauswahl der Kandidaten ist das Niveau von Anfang an sehr hoch. Sicherlich so hoch, wie es noch keine andere Castingshow zuvor in Deutschland gezeigt hat. Zudem bieten die "Blind Auditions" eine einzigartige Spannung, auch die Gesangsduelle in der Runde danach hat man so im deutschen Fernsehen noch nicht gesehen. Die Live-Shows, die Sat.1 und ProSieben momentan zeigt, sind sehr kurzweilig gehalten. Auch hier fällt es schwer, wegzuschalten. Zudem gab es überraschend hohe Quoten: Mehr als fünf Millionen Zuschauer schalteten bereits ein.

Das meint Manuel Weis: "The Voice" ist das interessanteste und beste neue Showformat der letzten fünf Jahre. Es erfindet zwar das Casting-Genre nicht ganz neu, und wie lang anhaltend der Erfolg der Gewinner sein wird, wird sich erst noch zeigen müssen. Allerdings ist es angenehm zu sehen, dass es in der Sendung wirklich um Musik und nicht um das Erhaschen von Effekten geht.

Die Jury von "The Voice of Germany" ist prominent besetzt.

Die Jury

Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey und Alec Völkel und Sascha Vollmer von der Band The Boss Hoss bilden die Jury der Show.

Das meint Medien Monitor: Perfekter hätte man die Jury sicher nicht zusammensetzen können. Nena und Xavier Naidoo sind echt Musikgrößen in Deutschland, die über lange Zeit großen Erfolg haben oder hatten. Auch Sänger Rea Garvey kann den bereits hervorragenden Kandidaten durchaus noch etwas beibringen. Nur Alec Völkel und Sascha Vollmer von The Boss Hoss fallen ein wenig ab, was aber bei den bekannten Jurykollegen auch nicht verwunderlich ist. Doch auch sie machen ihre Sache erfrischend neu und gut.

Das meint Manuel Weis: Rea Garvey und Xavier Naidoo sind die vermutlich aktuell besten Jury-Mitglieder, die es in Deutschland gibt. Nena kann man in diese Jury setzen, wenngleich ich kein Fan von ihr in diesem Format bin. Wieso der letzte Stuhl mit The Boss Hoss besetzt wurde, ist mir ein Rätsel - da hätte ich eine Reihe anderer Musiker eher gesehen.

Die Moderatoren

Moderiert wird die erste Staffel von ProSieben-Moderator Stefan Gödde. Unterstützt wird er dabei von Backstage-Moderatorin Doris Golpashin.

Das meint Medien Monitor: Das Zusammenspiel von Gödde und Golpashin funktioniert sehr gut. Vor allem die österreichische Nachwuchsmoderatorin überzeugt dabei mit ihrem Charme. Ein gute Wahl!

Das meint Manuel Weis: Stefan Gödde ist ein sehr großes Talent und hat bereits bei "The Next Uri Geller" gezeigt, dass er solche großen Studioproduktionen sympathisch präsentieren kann. Dementsprechend würde ich ihn auch bei "The Voice" bewerten.

Ausblick

"The Voice of Germany" ist zwar nicht die erste, aber die wohl beste Castingshow, die in Deutschland ausgestrahlt wurde. Kandidaten, Jury, Talent, Konzept - alles bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Bei dieser Show hat man das Gefühl, dass wirklich ein neuer Superstar gefunden werden kann. Dabei hilft es sicherlich, dass sich auch Sänger bewerben dürfen, die bereits ihren Erfolg hatten, aber nie den Durchbruch schafften. Zudem sind viele Background-Sänger am Start, die zwar über enormes Talent verfügen, aber bisher immer im Schatten anderer großer Sänger standen. Ob sich für den Sieger nach der Show der Erfolg einstellt, bleibt indes abzuwarten. Auch daran wird geknüpft sein, wie erfolgreich eine zweite Staffel von "The Voice of Germany" werden kann. Ungewiss ist auch, ob eine zweite Ausgabe noch einmal so ein hohes Niveau bei den Kandidaten erreichen wird. Doch selbst wenn nicht: Bei "The Voice of Germany" ist mehr Talent vorhanden, als bei allen bisherigen Siegern von "DSDS" zusammen. Nicht nur deswegen könnte die Show über Jahre Erfolg haben. Auch die hohen Quoten sprechen dafür.

Unser Star für Baku

Unser Star für Baku sucht den Künstler, der Deutschland bei dem nächsten Eurovision Song Contest vertritt.

Das Format

Nach der Auswahl der deutschen Beiträge für den ESC 2010 und ESC 2011 entschieden ProSieben und der für den Wettbewerb zuständige NDR, diese Art der Auswahl 2012 nochmals für Baku durchzuführen. Die Fernsehzuschauer entscheiden wieder, welcher Interpret mit welchem Lied Deutschland im Finale des Wettbewerbs vertreten soll.

Am 15. Juni 2011 wurde offiziell eine weitere Zusammenarbeit zwischen der ARD und ProSieben angekündigt. "Unser Star für Baku" als Nachfolgeformat von "Unser Song für Deutschland" basiert auf dem gleichen Konzept wie "Unser Star für Oslo".

Neu ist das Voting, das die Show anbietet. Per Live-Tabelle können die Zuschauer vor dem Bildschirm zu jeder Zeit sehen, auf welchem Platz ihr Favorit liegt. Kritiker werfen den Produzenten von "Unser Star für Baku" jedoch vor, damit Zuschauer zum mehrmaligen Anrufen zu animieren.

Das meint Medien Monitor: Der Gedanke, die deutschen Zuschauer entscheiden zu lassen, wer das Land beim Eurovision Song Contest vertritt, ist sicher nicht verkehrt. Trotzdem bleibt die Frage, ob es dafür immer eine komplette Castingshow braucht. Der Erfolg von Lena Meyer-Landruth im Jahr 2010 wird ohnehin schwer zu wiederholen sein. Fast scheint es so, als bräuchten ProSieben und das Erste nur einen Grund, noch eine Castingshow am Markt zu platzieren. Das einzig interessante und neue an dieser Show ist das Voting-System per Live-Tabelle.

Das meint Manuel Weis: Das neue Voting-System ist sicherlich innovativ, ich glaube aber, dass es auch etwas vom eigentlichen Inhalt, nämlich der Musik, ablenkt. Weil die Sendung sich wohl nur durch gute Stimmen nicht von "The Voice" abheben konnte, wurde am Voting-System gearbeitet. Das selbst ist nett, reißt mich aber auch nicht vom Hocker.

Das neue Voting-System sorgte schon für viel Spannung.

Die Jury

Thomas D übernahm die Rolle des Präsidenten der Fachjury und Produzenten des ESC-Liedes, nachdem Stefan Raab angekündigt hatte, sich weniger als in den beiden Jahren zuvor am ESC beteiligen zu wollen. Kurz vor der ersten Liveshow verkündeten die Veranstalter, dass es im Gegensatz zu den Castings 2010 und 2011 eine feste Jury geben wird. Neben Thomas D gehören dazu Stefan Raab und Alina Süggeler, die Sängerin der Band Frida Gold.

Das meint Medien Monitor: Raab als begnadetes Multitalent und Thomas D von den erfolgreichen Fantastischen Vier - die Jury könnte sicher schlechter besetzt sein. Auch Alina Süggeler macht einen sympathischen Eindruck. Jedoch hat man nach den ersten Live-Shows das Gefühl, dass die drei Juroren das Niveau der Kandidaten höher reden wollen, als es eigentlich ist.

Das meint Manuel Weis: Thomas D und Stefan Raab sind zwei absolute Schwergewichte in der Branche, Alina Süggeler habe ich bisher zu wenig verfolgt, um mich genau zu ihr äußern zu können.

Die Moderatoren

Sandra Rieß von der ARD und Steven Gätjen von ProSieben leiten durch die Show. Für Rieß ist es der erste große Auftritt, Gätjen kennt man schon von "Schlag den Raab".

Das meint Medien Monitor: Rieß und Gätjen machen ihre Sache ordentlich, vor allem Gätjen hat ja schon bei "Schlag den Raab" gezeigt, dass er es kann. Jedoch hätte bei diesem überschaubaren Konzept auch ein Moderator gereicht.

Das meint Manuel Weis: Ich glaube, dass bei "Unser Star für Baku" die Moderatoren-Frage keine entscheidende ist.

Ausblick

Fast alles, was Stefan Raab anpackt, gelingt. Seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass Deutschland 2010 mit Lena wieder den Eurovision Song Contest gewinnen konnte. Etwas, was er mit anderen Künstlern und selbst zuvor nicht geschafft hatte. Jedoch hätte er es dabei belassen sollen. Zwar hat er offiziell das Zepter an Thomas D weitergegeben, doch schaut man genau hin, erkennt man, dass Raab es ist, der an diesem Format hängt.

Der Erfolg aus Oslo wird nicht zu wiederholen sein. Um das zu verstehen, braucht man keine weitere Castingshow. Das macht auch das Interesse der Zuschauer deutlich. Nur zwei Millionen im Schnitt waren es bei den ersten beiden Live-Shows.

Fazit des Checks

Der Erfolg spricht ganz klar für "The Voice of Germany". Das Format ist frisch und jung und wird sicherlich auch in den kommenden Jahren für Furore sorgen. "DSDS", das bisher eine Ausnahmestellung hatte, wird dank Dieter Bohlen weiterhin Erfolg haben. Wenn jedoch am Konzept nicht gearbeitet wird, wird dieser Erfolg stetig zurückgehen. "X Faktor" und ein Format wie "Unser Star für Baku" haben auf Dauer keine Zukunft.

Text: Jonas Knoop

Fotos: RTL; VOX; Sat.1; ProSieben

Veröffentlicht: 06.02.2012
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