Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Journalisten im Netz

Tanz auf dem Social-Media-Parkett

Nicht nur für Medienkonzerne sind soziale Netzwerke von Bedeutung. Insbesondere für freie Journalisten bieten sie große Vorteile bei der Selbstdarstellung im Netz. Profilagentin Kixka Nebraska erzählt im Interview, wie Journalisten sich im Netz aufstellen sollten und welche Rolle Facebook dabei spielt.

Die Profilagentin Kixka Nebraska optimiert für ihre Auftraggeber deren Auftritt im Netz. Zu diesem Thema hält sie unter anderem Vorträge für den Deutschen Journalisten-Verband. Im Interview mit Medien-Monitor-Autorin Anna Behrend verrät sie, wie Journalisten Facebook und Co. optimal für die eigene Sache nutzen können.

Kixka Nebraska

Ich habe bisher kein Facebook-Profil. Kann aus mir als Journalistin noch was werden?

Kixka Nebraska: (Lacht) Bist du denn digital in irgendeiner Weise zu finden?

Ich habe ein Blog.

Kixka Nebraska: Als Basis-Setting ist es schon mal ganz gut, eine auffindbare Seite zu haben, auf der der eigene Name mit dem Werk verknüpft ist. Aber wenn du möchtest, dass sich die Klickzahlen erhöhen, müsstest du dein Blog natürlich auf eine sinnvolle Weise promoten. Das wäre zum Beispiel über Facebook, Twitter, Xing oder Google+ möglich.

Welches dieser sozialen Netzwerke brauche ich denn auf jeden Fall?

Kixka Nebraska: Das kommt darauf an, über welche Themen du schreibst und was genau deine Zielgruppe ist. Wenn man viel Richtung Wirtschaft macht, kann Xing eine sehr gute Wahl sein. Wenn man nur über Independent-Rock-Konzerte schreibt, ist Xing nicht unbedingt der richtige Ort. Dann ist Facebook schon besser.

Heißt das, eine allgemeine Regel gibt es nicht?

Kixka Nebraska: Genau, als Profilagentin sehe ich mir im Einzelfall an: Was ist die Zielsetzung? Will ich einfach unglaublich reich und berühmt werden? (lacht) Oder will ich erstmal nur einen Anker im Digitalen haben? Was sind meine Themen und wo bewegen sich meine Zielgruppen? Ganz wichtig ist auch die Frage: Wohin will ich mich eigentlich entwickeln? Diese Perspektive sollte man auf jeden Fall bedenken.

Gibt es irgendetwas, das alle Journalisten auf jeden Fall im Netz haben sollten?

Kixka Nebraska: Einen Account bei Google+ würde ich auf jeden Fall anlegen, auch wenn man nicht beabsichtigt dort viel zu veröffentlichen. Es ist für die Suchmaschinenoptimierung gut, wenn man dort gefunden wird und die Keywords zu den eigenen Themen möglichst genau setzt. Um Selbstmarketing zu betreiben, ist Twitter ein gutes Mittel. Aber das kann auch ein halbes Jahr dauern, bis man da seine ersten hundert Follower hat. Das ist am Anfang nicht so ohne, da benötigt man schon etwas Durchhaltewillen und Kontinuität.

Und wie steht es mit Facebook? Sollte ich mich dort als Journalistin unbedingt anmelden?

Kixka Nebraska: Das ist so eine kleine Höllenmaschine, die ich sehr zerrissen beobachte. Ich würde es mit ganz bestimmten sehr wichtigen Einschränkungen unbedingt empfehlen. Aber wenn man sich da hinein wagt, sollte der erste Gang in die Privatsphäre-Einstellungen führen. Bei der Grundeinstellung ist anfangs automatisch alles öffentlich. Das ist das Fatale an Facebook. Man sollte sich auch von vornherein darüber klar sein, wie man es benutzen will. Ich würde da nichts Privates reinstellen. Ich veröffentliche dort zum Beispiel auch keine Fotos von meinen Kindern.

Sollte man als Journalist dort also nur Berufliches posten?

Kixka Nebraska: Wenn ich immer nur meine Artikel poste, funktioniert es nicht. Das heißt nicht, dass ich dort private Sachen erzählen muss, aber die beruflichen Aspekte kommen viel besser an, wenn sie persönlich verpackt sind. Stefan Niggemeier macht das sehr schön vor, indem er die Sachen teilweise sehr spitzzüngig kommentiert - dafür lieben ihn die Leute.

Zur Person

Kixka Nebraska bezeichnet sich selbst als digitale Flaneurin. Seit Ende der Achtziger Jahre ist sie im Netz unterwegs. Seit 2006 beschäftigt sie sich näher mit Fragen der Profilgestaltung. Inzwischen gibt es ihrer Aussage nach nur noch wenige digitale Plattformen, die sie nicht ausprobiert und auf ihre Profil-Settings hin abgeklopft hat. In ihrem "analogen" Leben arbeitet die Profilagentin im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Die gelernte Verlagskauffrau, trainierte Pressereferentin und studierte Kultursoziologin lebt mir ihrem Mann und zwei Söhnen in Hamburg.

Macht es Sinn, sich als Journalist auf Facebook eine Fanpage zuzulegen?

Kixka Nebraska: Wer noch nicht bekannt ist, wird es sehr schwer haben, mit einer Fanpage viele Fans zu sammeln. So etwas schaffen nur die ganz Berühmten wie Jakob Augstein oder Henryk M. Broder. Ich persönlich finde die Abonnier-Funktion sehr charmant. Die kann man seit September letzten Jahres für sein persönliches Profil aktivieren. Die Freunde-Anzahl bei Facebook ist auf 5000 begrenzt. Abonnenten kann man aber beliebig viele haben. Wenn du abonniert wirst, tauchen deine öffentlichen Posts im Stream der Abonnenten auf, so als wenn sie mit dir befreundet wären. Das heißt, die ganzen Job-Geschichten kann man super über diese Schiene veröffentlichen.

Eine Fanpage lohnt sich also erst ab einer gewissen Größenordnung?

Kixka Nebraska: Ja, definitiv. Man muss so eine Seite auch mindestens drei bis viermal pro Woche bespielen, damit sie überhaupt noch bei den Fans auftaucht. Es gibt Studien, die sagen, dass höchstens acht Prozent der Fans die Postings sehen. Facebook bietet an, dass man bei seinen Fans sichtbarer wird, aber dafür muss man bezahlen. Ein Vorteil der Fanpage sind die Statistiken im Hintergrund: Reagieren eher Männer oder Frauen auf ein Posting? Wie alt sind sie und zu welcher Uhrzeit reagieren sie? So kann man sehen, wann sich welches Posting lohnt.

Welche Art von Beiträgen bekommen auf Facebook denn besonders viele Reaktionen?

Kixka Nebraska: Man sagt immer, dass Bilder und Videos gut funktionieren, reine lange Texte hingegen gar nicht. Facebook ist ein schnelles buntes Medium. Es ist eher die Bar als der Vortragssaal. Da will man sich nett unterhalten. Humor geht immer am besten. Sehr kluger Humor funktioniert dann auch bei den ZEIT-Lesern. Außerdem gilt die Faustregel: Wenn ich drei Mal etwas über mich sage, sollte ich auch sieben Mal andere Quellen nennen, und nicht über mich reden. Man sollte sich aber überlegen, ob man dafür wirklich gestrickt ist. So eine gewisse Tanzfreudigkeit auf diesem Social-Media-Parkett muss man schon haben.

Und wenn man nicht dafür gestrickt ist? Kann ich ohne Social Media in Zukunft meine Produkte überhaupt noch verbreiten?

Kixka Nebraska: Journalisten sind - bis auf einige Platzhirsche - meiner Erfahrung nach eher introvertiert. Die möchten am liebsten nur ihren Artikel schreiben und dann soll sich am besten jemand anders drum kümmern, dass das verteilt wird. Ich würde empfehlen: Erstmal bei den Mitbewerbern mitlesen, gucken, wie die das machen und was davon für den eigenen Stil passen könnte ohne, dass man sich völlig verbiegen muss. Erstmal schauen wie der Hase läuft und dann selber mithoppeln.

Weisen Sie Ihre Kunden auf eventuell problematische Eigenschaften von Facebook hin?

Kixka Nebraska: Na klar! Wenn man die Grundeinstellungen nicht ändert, wird man zum Beispiel erstmal als Werbeträger mit seinen "Likes" verbraten. Im Moment erhalte ich ständig Nachrichten im Stil von "Dein Kontakt xyz findet Amazon gut". Man wird also selber für Facebook-Werbung benutzt, wenn man das nicht deaktiviert. Es gilt dieser berühmte Spruch: Wenn du nichts zahlst, bist du die Ware.

Arbeiten nicht alle Journalisten, die bei Facebook sind, dem Konzern kostenlos zu, indem sie Inhalte auf die Seite stellen?

Kixka Nebraska: Facebook hat ein sehr umfangreiches Informationsprogramm, mit dem es Journalisten heftigst umwirbt. Die sind natürlich an Journalisten interessiert, weil die in der Regel guten Content liefern. Die wissen, dass da mehr zu erwarten ist als bei 14jährigen Teenagern. Journalisten haben natürlich dieses Problem: Was gebe ich denn umsonst her? Aber als Journalist stellt man dort ja in der Regel keine unveröffentlichten Texte ein, sondern versucht sich als Experte zu einem Thema zu positionieren, um dann als Referent oder Schreiberin zu einem Thema angefragt zu werden.

Was halten Sie von Facebook-Alternativen wie Diaspora?

Kixka Nebraska: Diaspora habe ich damals sogar mit ge-crowd-funded. Es war aber technisch zu kompliziert. Sogar ein Foto zu posten war schwierig. Ich habe damals zehn Euro oder so gegeben und gedacht "Mal gucken, was die Jungs damit machen". Es ist dann so halb gut geworden und hat die Hoffnungen nicht wirklich erfüllen können. Für Journalisten sind Plattformen wie Diaspora viel zu spitze Nischen. Es sind also schon die Großen, die man sich anschauen sollte.

Also kommen Journalisten vorerst um Facebook und Co. nicht herum?

Kixka Nebraska: Ich würde gar nicht sagen: Jetzt meldet Euch alle da an und seht zu, dass Ihr schicke Facebook-Profile habt. Aber manche Journalisten sehen in Facebook ein Teufelszeug, das sie von vorne bis hinten verdammen. Ich denke, das ist Quatsch. Sich gar nicht damit auseinanderzusetzen, ist meiner Meinung nach nicht die Lösung. Ich würde empfehlen, sich hineinzubegeben, aber mit einem sehr klaren Bewusstsein über das, was da stattfindet.

Interview: Anna Behrend

Fotos: Kixka Nebraska

Veröffentlicht: 19.09.2012
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