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Kostenpflichtige Online-Inhalte

Tageszeitungen auf dem iPad

Immer mehr Zeitungen bieten mittlerweile ihre Ausgaben als App für das iPad von Apple an. Für einige ist es nur ein Versuch, einen neuen Vertriebsweg zu erschließen. Andere wollen über diesen auch Geld verdienen und berichten von ersten Erfolgen.

Kostenpflichtige Inhalte im Internet entpuppten sich in den letzten Jahren für fast alle Verlage als Reinfall - doch nun soll alles anders werden. Der Heilsbringer der Verlage heißt: iPad. Von dem Tablet-PC der Firma Apple erhoffen sich die Tageszeitungen, ihre Inhalte an den Mann zu bringen - diesmal aber gegen Geld. Die Frankfurter Rundschau (FR) und der Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) der Mediengruppe DuMont Schauberg sowie die BILD-Zeitung der Axel Springer AG waren einige der ersten Print-Medien, die bereits Ende des vergangenen Jahres ihre Tageszeitung als Application für Apples iPad auf den Markt brachten.

Infos und Spiel in einem

"Die Bilder des Tages" sind nur eine der täglichen Spielereien der App des Kölner Stadt-Anzeigers.

Neue Leser wollen sie vor allem gewinnen, indem sie bei der Gestaltung ihrer App die technischen Möglichkeiten des iPads ausnutzen. "Sie ist eine multimediale Tageszeitung, die ihren Lesern zusätzliche Dimensionen bietet", sagt Tobias Kaufmann, App-Projektleiter des Kölner Stadt-Anzeigers. Anstatt die Print-Ausgabe eins zu eins zu übernehmen, bieten die Apps dieser drei Tageszeitungen ihren Lesern neben vielen großen Bildern, teilweise auch Audiodateien, Videos, Grafiken und weitere Spielereien.

"Die App ist eher ein Zwitter zwischen einem Informationsprodukt und einer Spielekonsole", sagt Eric Dauphin, Leiter der Digitalabteilung der FR, "das wollen wir ausnutzen und unsere Leser jeden Tag mit etwas Neuem überraschen." Die Axel Springer AG sieht das ähnlich und preist ihre Entwicklung für das iPad in ihrer Pressemitteilung sogar als Produkt an, das "das Beste aus allen Welten in einem Produkt" liefert: "Print, Online, Mobil und Games".

Jean-Yves Thibaudet zum Hören - zum Portrait des Pianisten liefert die FR-App auch eine Audiodatei.

Ähnlichkeiten gibt es aber nicht nur bei der technischen Umsetzung, auch bei der Themenwahl scheinen sich die Entwickler bei FR, KStA und BILD einig gewesen zu sein. Das Herzstück der App bilden jeweils die "wichtigsten und spannendsten Geschichten der Print-Ausgabe, die zuvor multimedial aufbereitet werden", sagt Dauphin von der FR. Größere Artikel in der FR-App bieten beispielsweise Diashows zum Thema oder O-Töne des Originalinterviews, so der Digitalleiter weiter. Zusätzlich wollen alle drei auch die "Schnelligkeit und Aktualität der Onlinewelt", wie es die Axel Springer AG in ihrer Pressemitteilung nennt, durch einen jeweiligen News-Feed miteinbringen.

Köln, Umgebung und NRW

Unterschiede entstehen jedoch bei der inhaltlichen Ausrichtung. So bietet die App des Kölner Stadt-Anzeigers einen lokalen Schwerpunkt - und zwar in allen Themenbereichen, wie zum Beispiel in der Politik, der Wirtschaft und dem Sport. Anscheinend mit Erfolg: "Das bisherige Feedback, dass wir per E-Mail erhalten haben, bestätigt uns, in unserer Entscheidung, denn der inhaltliche lokale Schwerpunkt der App kommt bei unseren Lesern sehr gut an", so Tobias Kaufmann. Bereits die Marktforschung mit dem Dummy der App, die der Kölner Stadt-Anzeiger mit vier unterschiedlichen Zielgruppen im Oktober durchführte, zeichnete eine solche Entwicklung vor. "Die Ergebnisse waren sensationell positiv, viel besser noch als wir gehofft hatten", ergänzt Kaufmann.

Die Redaktion der FR hat die Lokalberichterstattung der App hingegen eingeschränkt. Eine Tatsache, über die sich einige Leser zwar beschweren, die aber durchaus durchdacht wurde. "Wir verfolgen einen nationalen Anspruch mit unserer App", sagt Dauphin, "sie soll die Leute bundesweit für sich interessieren." Auch dieses Konzept scheint aufzugehen. Bis kurz vor Weihnachten verzeichnete die FR, seit Beginn ihrer App, Mitte Oktober, insgesamt 10.000 Verkäufe aller bis dahin erschienenen Einzelausgaben.

Ein erfolgreicher Anfang

Journalismusforscher Martin Welker steht der Tageszeitung als App noch kritisch gegenüber.

Der Knoten scheint geplatzt. Doch werden sich kostenpflichtige Online-Formate nun tatsächlich durchsetzen? Der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Martin Welker ist noch skeptisch "Ich bin mir nicht sicher, ob sich das Bezahl-Internet nur aufgrund eines neuen Endgerätes durchsetzen wird", so Welker, "die neuen Produkte müssen auch einen Mehrwert bieten gegenüber ihren Print-Ausgaben und Internetauftritten. Kunden müssen schließlich einen Sinn sehen, warum sie plötzlich bezahlen sollen." Es reiche daher nicht, Inhalte aus dem Blatt in anderer Form darzustellen, so Welker. Die Idee des Kölner Stadt-Anzeigers, bei seiner App auf einen lokalen Schwerpunkt zu setzen und so zusätzliche Informationen zu bieten, sei aber erfolgversprechend.

Bei der Springer AG will man sich persönlich dazu nicht äußern. Laut Pressemitteilung, sei es aber noch zu früh für eine abschließende Bewertung, ob und wie sich die Zahlungsbereitschaft für journalistische Angebote in der digitalen Welt langfristig entwickeln werde. Verglichen mit dem Printgeschäft seien die Umsätze zwar noch vergleichsweise niedrig, ein erfolgreicher Anfang sei dennoch bereits gemacht.

Noch sind die täglichen Abrufe der KStA-App gering, aber an ihren Erfolg glaubt man beim Kölner Stadt-Anzeiger trotzdem.

Tobias Kaufmann vom Kölner Stadt-Anzeiger ist ebenfalls sehr optimistisch. "Wir hätten diesen Schritt nicht gewagt, wenn wir nicht an den Erfolg unseres Produkts geglaubt hätten."
Zwar seien die Abrufe pro Tag noch gering und würden sich auf ein paar hundert beschränken, jedoch sehe Kaufmann als Hauptgrund dafür vor allem die noch stark begrenzte Verbreitung des iPads. "Die Technologie ist noch neu und daher auch noch sehr teuer", so Kaufmann.

Dem stimmt auch Martin Welker zu. "Zunächst müssen mehr iPads verkauft werden, bevor man mit höheren Umsatzzahlen rechnen kann", so der Journalismusforscher. Ob das allein schon reicht, könnte sich bereits im laufenden Jahr zeigen, wenn auch andere Hersteller ihre Tablet-PCs zum Verkauf anbieten. So habe, laut WAZ-Bericht, der Mikrochip-Hersteller Intel angekündigt, dass 2011 35 weitere iPad-Konkurrenten mit Intel-Prozessoren auf den Markt kommen sollen. Das könnte die Preise senken und die Anzahl der Nutzer erhöhen.

Digitale Vertriebserlöse als weitere Säule

Die Frankfurter Rundschau plant bereits, ihre App auch für andere Tablet-PCs auf den Markt zu bringen.

Mit Blick auf die Zukunft sind jedoch alle drei Medien zuversichtlich. "Langfristig wird sich ein lukrativer Markt auch mit Tablet-Computern anderer Hersteller entwickeln", so Eric Dauphin. Tobias Kaufmann stimmt dem Digitalleiter der FR zu. Er sei sich sicher, dass sich die Tageszeitung als App durchsetzen werde. Auch die Axel Springer AG teilt, laut Pressemitteilung, diese Meinung. Ihre Erfahrungen zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg seien, um auch in der Online-Welt ein Geschäftsmodell zu etablieren, das neben den Werbeerlösen die digitalen Vertriebserlöse als weitere Säule habe.

Das iPad scheint die Bezahl-Abneigung der User für Internetinhalte zu lockern. Vielleicht ist die elektronische Tageszeitung wirklich die lang gesuchte Lösung für Print-Medien, mit kostenpflichtigen Internetangeboten Geld zu verdienen.

Werbevideo der KStA-App mit Knacki Deuser

Text: Anna Hückelheim

Bilder: Kölner Stadt-Anzeiger, Frankfurter Rundschau, Axel Springer AG, Universität Leipzig

Video: Kölner Stadt-Anzeiger

Mehr zum Thema:

Bericht des Focus über Zeitungen und Magazine auf dem iPad

Der Herausgeber der Zeit über das iPad als Retter der Zeitung

Weitere Infos zu den Apps:

FR auf dem iPad

KStA auf dem iPad
Veröffentlicht: 23.03.2011
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