PC-Markt
Tablets für die Massen
Apple verdient mit seinem iPad Milliarden. Nun bringen viele Firmen Konkurrenzprodukte auf den Markt. Doch gibt es den Markt für die so genannten Tablet-PCs überhaupt?
Dortmund. Es ist eine der erfolgreichsten Produkteinführungen der Wirtschaftsgeschichte: In nur drei Monaten hat sich Apples Mini-Computer iPad zur Gelddruckmaschine für den Kultkonzern entwickelt. Rund 3,27 Millionen Geräte wurden weltweit verkauft. Der Konzern aus Cupertino verbuchte - dem iPad-Hype sei Dank - im abgelaufenen Geschäftsquartal einen satten Gewinn von 3,25 Milliarden US-Dollar. Die Zahlen beeindrucken umso mehr, wenn man bedenkt, dass der tatsächliche Nutzen des eleganten, aber teuren Tablets von Apple weiter ungeklärt ist.
Denn während man mit den iPod unterwegs Musik hört und dem iPhone mobil telefoniert oder im Internet surft, bietet der Touchscreen-basierte Mini-Computer Nutzern kaum einen nennenswerten Mehrwert. Warum sollte man also 600 Euro dafür ausgeben?

- Das iPad: Für Apple-Fans ein Muss. Auf dem Massenmarkt wird es das Tablet hingegen schwer haben.
Fertig für den Massenmarkt
Dennoch ruhen große Hoffnungen auf den bedienerfreundlichen Tablets. PC-Gigant Hewlett-Packard will schleunigst einen iPad-Klon auf den Markt bringen, Microsoft arbeitet ebenfalls mit Hochdruck an einem eigenen Tablet und PC-Hersteller wie Acer oder Asus wollen spätestens Weihnachten den eigenen Mini-PC vorstellen. Die deutsche Online-Firma United Internet ist vielen PC-Herstellern einen Schritt voraus. Das Unternehmen aus Montabaur präsentierte bereits vor einigen Wochen das erste eigene Pad. Es ist deutlich kleiner als das iPad, kann weniger, ist dafür aber auch um einiges günstiger. Ein Pad für die Massen oder wie die Bild titeln würde: ein "Volkspad".
Dabei verdient United Internet sein Geld eigentlich gar nicht mit Computern, sondern mit Internetzugängen. Das Pad gibt es aber nun als Abo-Prämie zu den DSL-Verträgen und soll neue Kunde locken. Den "Trittpadfahrern", wie Spiegel Online die direkten Konkurrenzprodukte von Apple tauft, ist selbst klar: Man wird Apple mit der eigenen Billigvariante noch nicht ernsthaft herausfordern können. Trotzdem versprechen sich die Unternehmen Millionengewinne aus dem Verkauf der Tablet-PCs.
Dabei hoffen die Firmen auf ein ganz besonderes Talent von Apple: Der Konzern hat in der Vergangenheit Märkte selten neu erfunden. So ist auch das iPad wenig revolutionär, aber Apple hat die wahre Dimension der Märkte entdeckt und für den Massenmarkt geöffnet. Das galt für MP3-Musikplayer iPod ebenso wie für das Smartphone iPhone. Das große Geschäft machen am Ende andere Unternehmen, aber Apple verdient dank des Kultstatus ebenfalls prächtig. So gewinnen alle.
Erfolg in Gefahr
Diesmal gibt es aber berechtigte Zweifel am Erfolg der Tablets. Zwar geht der Branchenverband BITKOM davon aus, dass der Absatz der Mini-Computer in diesem Jahr allein in Deutschland von 20.000 Geräten 2009 auf 500.000 Geräte steigen wird. Allerdings darf man nicht vergessen, dass es im vergangenen Jahr kaum ein vergleichbares Gerät auf dem Markt gab. Apples drei Millionen verkaufte iPads sind eine beeindruckende Zahl, gerade für eine neue Geräteklasse. Verglichen mit dem weltweiten PC-Markt sind das jedoch Peanuts: 377 Millionen PCs insgesamt, davon 225 Millionen Notebooks, werden laut den Branchenexpertern von Gartner in diesem Jahr verkauft. Selbst wenn bis Ende des Jahres stolze zehn Millionen Tablets verkauft werden, beträgt der Marktanteil weniger als drei Prozent. Und neben Apple gibt es bis jetzt kaum einen Anbieter, der nennenswerte Absatzzahlen seiner Produkte präsentieren kann.
Viele Unternehmen werden Geld verlieren
"Hinter dem Gerät steckt eine strategische Schlacht um die Frage, wie wir in Zukunft Computer nutzen. Die Antwort aber wird Jahre brauchen", sagt Julien Theys vom Marktforscher Screen Digest. Für eine Wette aufs schnelle Geschäft im Massenmarkt eignet sich das Tablet seiner Meinung nach kaum. "Da werden viele Firmen viel Geld investieren - und viel Geld verlieren", so Theys. Auch Nikolaus Mohr, Medienexperte bei der Beratungsfirma Accenture, warnte im Handelsblatt Unternehmen davor, dass es noch ein weiter Weg sei, bis das iPad wirklich im Massenmarkt angekommen sein wird. Viel hänge in naher Zukunft davon ab, ob Unternehmen und Softwareentwickler die Chancen des Geräts erkennen und nutzen könnten.
Bislang kommen solche Warnungen bei den Herstellern von Konkurrenzprodukten (siehe Fotostrecke) nicht an. Gleiches gilt für die Medienbranche. Weltweit machen sich vor allem Verlage die Hoffnung, dass sie ihre Zeitungen und Magazine künftig auch über die kleinen, bedienerfreundlichen PCs verkaufen. In Deutschland gehört der Springer-Verlag zu den Vorreitern. Er hat bereits drei iPad-Angebote auf dem Markt. Damit die Verlage aber wirklich Geld an den Tablet-Angeboten verdienen, müssen die Mini-Computer erstmal den Massenmarkt erobern.
Text: Fabian Schwane
Bilder/Grafik: Apple, Archos, flickr.com/anirudhkoul, HP, Neofonie, 1&1, Fabian Schwane

