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DruckenLiebesforschung im großen Stil

Für die Nutzer sind Partnerbörsen ein Ort des Balzens. Was sie dort suchen, welche Charaktereigenschaften der Partner sie bevorzugen oder wie groß ihr Vertrauen in Partnerbörsen ist, hat für die Betreiber der Portale eine existenzielle Bedeutung. Da die Zahl der angelegten Profile bei den größeren Börsen nicht mehr überschaubar ist, müssen Studien angelegt werden, um die Fragen zu beantworten. Wenn so eine Untersuchung zeigt, dass Frauen nach gebildeten Männern suchen, für Männer jedoch der Bildungsstand der Partnerin unwichtiger ist, kann das Auswirkungen auf die Werbestrategie haben.

Auf der Seite www.partnerwahlforschung. de gibt es Infos zur Studie.

Es gibt nur wenige deutsche Studien über Partnerbörsen. Um das zu ändern, hat der Lehrstuhl für Soziologie der Universität Bamberg im April 2007 ein Projekt ins Leben gerufen: Gemeinsam mit dem Staatsinstitut für Familienforschung wird untersucht, wie die Menschen Partnerbörsen nutzen. Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert, ist dies das erste Projekt seiner Art – zumindest in Deutschland. Die Vorstudie zeigt schon einige Tendenzen.

Männer mit Hochschulabschluss bevorzugt

Jan Skopek von der Universität Bamberg.

Für Männer zählt vor allem das Aussehen der Frau. Bei ihrer Suche ist es weniger wichtig, welchen Bildungsstand die potenzielle Partnerin hat. Andersherum ist es bei Frauen: Für sie sind Männer attraktiver, wenn sie eine Hochschulabschluss haben. Dies hat sowohl die Untersuchung von 25.000 Profilen in einer großen deutschen Partnerbörse gezeigt, als auch eine Studie der Schweizer Soziologin Evelina Bühler-Ilieva von der Universität Zürich.

Die Bamberger Wissenschaftler haben gezählt, wie viele Erstkontakte ein Profil bekam und im Anschluss untersucht, welche besonderen Merkmale dieses Profil aufweist. "Wir haben das Alter, die Bildung und die Attraktivität betrachtet. Für die Attraktivität mussten wir uns noch einheitliche Kriterien überlegen, da sie eher relativ ist. Wir haben uns dabei am BMI, dem Body Mass Index, orientiert", erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter Jan Skopek. "Man könnte sagen, wir haben eine Marktwertbetrachtung gemacht." Und diese Betrachtung zeigt, dass Männer und Frauen völlig unterschiedliche Eigenschaften bevorzugen. Frauen sind umso attraktiver, je jünger sie sind - bei Männern ist es das Gegenteil: Das Alter macht sexy.

Traditionelle Suche

"Was besonders aufgefallen ist: Menschen suchen trotz des modernen Mediums Internet noch recht traditionell," sagt Skopek. Profile mit Bildern werden öfter angeschrieben als welche, in denen kein Bild hochgeladen wurde. In den kommenden drei Jahren werden die Wissenschaftler ihre Erhebung fortsetzen. Am Schluss hoffen sie, zumindest folgende Fragen beantworten zu können: Wer nimmt am Online-Dating teil? Wie präsentieren sich Frauen und Männer online? Wie wählen Frauen und Männer bestimmte potenzielle Partner aus? Wie verändert sich ihr Partnersuchverhalten mit zunehmender Erfahrung? Wie kommen erfolgreiche Partnerschaften über das Internet zustande?

"Eigentlich nid min Stil"

Im Buch „Einen Mausklick von mir entfernt“ wird die Studie zusammengefasst.

Ein paar dieser Fragen hat Evelina Bühler-Ilieva in einer Studie von 2004 versucht zu beantworten. Sie hat mit 4110 Nutzern der Partnerbörse www.partnerwinner.ch Kontakt aufgenommen und persönliche Gespräche geführt. Zumindest konnte Bühler in der Studie eines zeigen: Männer und Frauen suchen hauptsächlich nach dauerhaften Beziehungen. Der Nutzer Classandstyle schreibt:

"Here I am...: Kurz gesagt: Ich möchte mich einfach wieder verlieben!"

cms ist "im Moment auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, [hat] ein bisschen den Koller" und hofft, dass jemand dabei helfen kann, aus diesem Loch zu kommen.

Es gibt aber auch Skeptiker, die noch nicht ganz von ihrer Anmeldung überzeugt sind:

"Eigentlich nid min Stil... :) Irgendwie isch es ja scho e komischi Sach, Lüüt per Internet kennezelerne. Het aber sicher au Vorteil, me begebnet Lüüt, wo me süsch viellicht nie über de Weg gloffe wär."

(Übersetzung: Eigentlich nicht mein Stil... :) Irgendwie ist es ja schon eine komische Sache, Leute per Internet kennenzulernen. Hat aber sicher auch Vorteile. Man begegnet Leuten, denen man vielleicht nie über den Weg gelaufen wäre.)

Diesen Vorteil schätzen noch viele andere der Befragten. Seit dieser Studie steht für die Soziologin Evelina Bühler-Ilieva fest: Das Internet ist die neue Institution für die Partnersuche. Doch zeigt eines ihrer Ergebnisse eine ganz andere Tendenz. Zwar schätzen die Nutzer Vorteile des Onlinedatings, wie die Anonymität, die Unverbindlichkeit oder die große Auswahl. Aber die meisten der Befragten sehen in den niedrigen Erfolgschancen einen Nachteil der Börsen. Trotzdem haben etwa ein Viertel der Befragten in der Partnerbörse eine Beziehung begonnen.

Neue Form der Liebes-Kommunikation

Liebe nur online - eine Zukunftsvision?

Insgesamt stellt Bühler das Internet als eine neue Form der romantischen Liebesbeziehung dar. Sie kategorisiert sogar die Typen der Börsennutzer dahingehend, wie sie lieben – und stellt fest, dass viele ausschließlich im Onlinebereich bleiben. Sie zeichnet die Vision von einem 21. Jahrhundert als Jahrhundert der Online-Liebeskommunikation. Doch gehört zu Liebe nicht noch viel mehr dazu, als bloßer Online-Kontakt?

Ein Befragter der Studie sagte: "Eine Beziehung nur im Internet ist nicht viel mehr als eine Illusion."

Bühler geht davon aus, dass das Internet bei der Partnersuche eine große Rolle spielt und immer mehr Bedeutung gewinnen wird. Beziehungen, die sich nur im virtuellen Raum bewegen sind eine Ausnahme, so die Soziologin.

Studien für Werbezwecke

Mit Hilfe der Studien entsteht nun mehr und mehr ein detailliertes Bild des idealen Partnerbörsen-Kunden. Die Anbieter berufen sich bei ihren Werbecampagnen immer wieder auf die Ergebnisse in Studien. So wirbt der Anbieter friendscout24.de damit, dass die Kontaktrate sehr viel höher ist, wenn ein Bild eingestellt wurde.

Per E-Mail erhält man Informationen: "Wahrscheinlich kennen Sie das aus eigener Erfahrung: Profile mit Bild wirken interessanter, echter und laden eher zum Anflirten ein. Peppen auch Sie deshalb gleich Ihr Profil mit freundlichen Fotos auf und Sie werden sehen, dass Ihr Profil häufiger geöffnet und angeschrieben wird."

Im Anschluss daran wird der Nutzer gelockt, eine kostenpflichtige Mitgliedschaft zu erwerben, weil die so genannte Premium-Mitglieder im Schnitt 92 neue Profilbesucher in einer Woche hatten. Zum Vergleich: Ein normaler Nutzer hatte in dieser Woche 31 neue Besucher.

Auch friendscout erstellt Studien über die Nutzer. Derzeit läuft eine Studie, die jedoch noch nicht veröffentlicht worden ist. Pressesprecherin Conny von Rautenfeld schreibt dazu: "Generell werden wir die Ergebnisse aber auch erstmal nicht komplett, sondern in einzelnen Teilen veröffentlichen und für unsere PR-Arbeit verwenden."

Solche Studien sind jedoch nicht so repräsentativ wie die unabhängigen der Universitäten Bamberg und Zürich. Es kann passieren, dass die Ergebnisse derart geschönt werden, dass sie für eine Werbekampagne besonders geeignet sind.

Text: Kerstin Artz, Fotos: www.partnerwahlforschung.de, Tectum Verlag, www.glasbergen.com

[Artikel Drucken]Veröffentlicht: 21.06.2007
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