Motivation
Streben nach Macht
Was motiviert einen Staat wie die USA, militärisch zu forschen? Ist der Krieg immer noch der Vater aller Dinge? Und was bedeutet eigentlich Dual Use? Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie hier.
Dortmund. Die Motivation eines Staates, so viel Energie und Geld in die Entwicklung neuer Waffensysteme zu stecken, ist nicht rein rational nachvollziehbar. Häufig spielen diffuse Ängste dabei eine Rolle. Staaten nehmen externe Bedrohungen wahr, wo keine sind. Diese Angst führt zu einem Streben nach Macht und Überlegenheit, denn wer mächtig ist, wird nicht angegriffen.
Ein Beispiel: Nach Ende der Sowjetunion sanken in den 1990er Jahren die Militärausgaben der Vereinigten Staaten kontinuierlich ab. Das änderte sich drastisch mit den Anschlägen vom 11. September 2001. Die Ausgaben lagen damals bei 345 Mrd. US-Dollar. Seitdem sind nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) die Militärausgaben 2008 auf 549 Mrd. US-Dollar (konstante Währung 2005) gestiegen. Der "Krieg gegen den Terror" hat die Ausgaben damit um weit mehr als 50 Prozent in die Höhe getrieben.
"Während der achtjährigen Präsidentschaft von George W. Bush", so die Experten von SIPRI im Jahrbuch 2009, "sind die US-amerikanischen Militärausgaben in realen Zahlen auf das höchste Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg gestiegen." Umstritten muss aber bleiben, ob terroristische Bedrohungen die hohen Ausgaben wirklich rechtfertigen.
Militärausgaben der USA von 2001 bis 2008

- 2008 gaben die USA die Hälfte dessen aus, was die Welt insgesamt für Kriege und Militär aufwendet.
Aber auch innerhalb der Staatsgrenzen spricht einiges für die militärische Forschung. Die Milliardenprojekte fördern die eigene Wirtschaft. Zudem versuchen die verschiedenen Akteure, ihre jeweiligen Interessen durchzusetzen. Das Militär will möglichst effiziente Waffen, die Industrie will hohe Umsätze erzielen und die Politik will ihre Stärke vor anderen Staaten demonstrieren. Mit dem Resultat, dass die Staaten für ihre nationale Sicherheit mehr ausgeben, als im Verhältnis steht. "Militärische Forschung und Entwicklung (mFuE) ist dadurch gekennzeichnet," so der Friedensforscher Jürgen Altmann, "dass Kosten- und Marktgesichtspunkte hinter dem Ziel der nationalen Sicherheit zurücktreten."
Der Krieg: Vater aller Dinge?

Lange Zeit galt das Militär als treibende Kraft, wenn es um technologische Neuentwicklungen ging. In den 1980er Jahren machte nach Angaben des Bonn International Center for Conversion (BICC) die militärische Forschung und Entwicklung schätzungsweise ein Viertel (125 Mrd. US-Dollar) der gesamten Forschung weltweit (500 Mrd. US-Dollar) aus.
Heute ist die zivile Forschung in manchen Bereichen weiter als die militärische, etwa in der Mikroelektronik oder in der Luftfahrt. Zunehmend nutzt das Militär zivile Technologien. Die Verlagerung von der militärischen zur zivilen Forschung spiegelt sich auch in den Ausgaben wider. 2004 lagen laut BICC die weltweiten Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei 850 Mrd. US-Dollar. Der Anteil der militärischen Forschung hieran ist mit einem Zehntel im Vergleich zu den 1980er Jahren gering.
Wenn die Kasse zweimal klingelt: Dual Use
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Im Zusammenhang mit militärischer Forschung fällt häufig der Begriff "Dual Use". Damit sind Technologien mit doppeltem Verwendungszweck gemeint, die sowohl einen zivilen als auch einen militärischen Nutzen haben. Die Boeing 747 ist ein Beispiel für Dual Use. Sie wurde zunächst als Militärauftrag entwickelt und später dann im zivilen Bereich genutzt.
Die Liste der militärisch forschenden Industrieunternehmen ist lang. Jedes Jahr veröffentlicht das Stockholmer Friedensinstitut (SIPRI) eine Liste mit den umsatzstärksten Rüstungsbestrieben. Darunter sind namhafte Flugzeughersteller, wie Airbus und Boeing.
Die zehn größten Waffenproduzenten weltweit

- Rangliste der zehn größten Waffenproduzenten der Welt – China ausgenommen – gemessen am Volumen ihrer Waffenverkäufe 2007 in Mrd. Dollar. Bis auf drei Ausnahmen sitzen alle Unternehmen in den USA.
Publikationskontrolle aus Angst vor Bioterrorismus?
Dual Use ist nicht nur bei fertigen Produkten möglich, sondern auch bei wissenschaftlichen Ergebnissen. Da man terroristische Nutzung befürchtet, wird vor allem in den Biowissenschaften die Publikationskontrolle diskutiert.
Die Biowaffen-Expertin Iris Hunger vom Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung (ZNF) in Hamburg hält einen terroristischen Angriff mit Biomassenvernichtungswaffen aber für unwahrscheinlich. Die Bedrohung durch Bioterrorismus sei zwar da, aber weitaus geringer als angenommen. "Es ist sehr schwierig, gerichtet Änderungen zu machen", so die Hunger. "So weit sind die Lebenswissenschaften noch nicht. Sie beruhen immer noch auf Versuch und Irrtum." Man brauche einen Experten dafür, der über jahrelange Erfahrung in dem Bereich verfüge.
Autor: Sami Skalli
Grafik: Sami Skalli (Quelle: SIPRI, BICC)
