Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Sprachlose Promis - ein Recherchebericht

Neues aus dem Leben der Prominenten ist für viele Menschen ein äußerst reizvolles Thema. Medien, die über sie berichten, sind also von den Stars und Sternchen und ihren Geschichten abhängig. Doch umgekehrt gilt es auch für die Prominenz: sie sind abhängig von der Berichterstattung der Medien. Viele von ihnen müssen sich Sorgen machen, wenn sie nicht mindestens einmal in der Woche in den Klatschspalten der Zeitungen auftauchen und im Fernsehen über irgendeinen roten Teppich stolzieren. Paris Hilton wäre ohne die Medien nichts weiter als eine blonde Hotelerbin. Gewinner von Castingshows verdanken ihre Bekanntheit zunächst dem Medium Fernsehen.

Dennoch machte ich die im Rahmen dieses Projektes die Erfahrung, dass viele der Menschen, die einst im Rampenlicht stehen wollten, wenig mit denen zu tun haben wollen, die sie einst berühmt machen sollten. Auch wenn wir nicht die Bild-Zeitung sind. Mehr Reaktionen hätte ich erwartet.

Castingshows sind nicht mehr nur alleiniges Phänomen der Privatsender – auch die öffentlich-rechtlichen strahlen sie aus. Und egal, ob ein Superstar, eine Popband oder ein Topmodel gesucht werden soll, bewerben sich jedes Mal tausende junge Menschen für die Sendungen. Manche suchen lediglich die kurzweilige Aufmerksamkeit eines Millionenpublikums vor den Fernsehern, andere sehnen sich wirklich nach dem Ruhm eines erfolgreichen Stars.

Ich wollte nach den Gründen suchen, weshalb Jugendliche und junge Erwachsene bereit sind, ihr altes Leben hinter sich zu lassen, um in eine ungewisse Zukunft zu starten.

Um die Sehnsüchte nach einem neuen Leben, einer neuen Identität zu verstehen, sollten möglichst viele unterschiedliche Menschen zu Wort kommen. Bewerber der Shows, Gescheiterte, Juroren – und natürlich hoffte ich auch auf Gespräche mit Finalisten dieser Sendungen.

Bei der Internetrecherche fanden sich viele Personen, die einst an Sendungen wie Popstars, Germany’s Next Topmodel (GNTM) oder Deutschland sucht den Superstar (DSDS) teilgenommen haben.

Stars und Sternchen im Netz

Auch DSDS-Sieger Alexander Klaws hat einen eigenen Internetauftritt.

Viele der Teilnehmer haben eine eigene Homepage. Daniel Küblböck wirbt darauf für seine Single "Born in Bavaria", auch der Sieger der ersten DSDS Staffel, Alexanders Klaws, ist nach wie vor im Internet präsent. Über sein Management kann man ihn kontaktieren. Doch Anrufe wurden nicht weitergeleitet und auf E-Mails gab es keine Reaktionen. Die Zweitplatzierte derselben Staffel, Juliette Schoppmann macht auf ihrer Homepage auf ihre neue CD aufmerksam, außerdem für die wenigen Auftritte, die sie in der nächsten Zeit hat. Und auch aus der jüngst abgelaufenen DSDS-Staffel sind einige Kandidaten, wie Thomas Enns, online vertreten. Lena Gercke, Siegerin der ersten Staffel von GNTM, hat einen eigenen Internetauftritt.
Sie alle und auch weniger bekannte Teilnehmer versuchte ich per E-Mail oder, wenn möglich, per Telefon zu erreichen, erklärte ihnen kurz das Projekt und fragte, ob sie Lust hätten, ein Interview zu geben.

Topmodels online und Knebelverträge

Auch GNTM-Siegerin Barbara Meier hat ein Profil im Studentenforum.

Ohne dabei große Hoffnungen zu haben, tippte ich eines Tages die Namen einiger Kandidaten von GNTM im StudiVerzeichnis ein. Tatsächlich fand ich einige von ihnen auf der Studentenseite. In der Hoffnung, ihnen hier mehr auf einer Ebene zu begegnen, schrieb ich die Mädchen an.

Und wirklich – nach kurzer Zeit antworteten mir zwei der Studentinnen, die in der ersten Staffel unter die ersten zwölf gekommen waren. Beide schienen sehr angetan von dem Projekt und bereit dazu, ein Interview zu geben. Doch eine meldete sich schon nach dem zweiten Kontakt nicht mehr – das andere Gespräch scheiterte wegen Vertragsvorgaben. Ohne Genehmigung des Senders dürfen Kandidaten keine Interviews geben.

Knebelverträge gibt es für die meisten der Castingshows. Darin geben die Kandidaten schon zu Beginn der Sendung viele ihrer Persönlichkeitsrechte ab. DSDS-Kandidatin Veronica sorgte mit ihrer Micky Maus ähnlichen Stimme für Begeisterung. Das nutzte der Sender RTL aus und verkaufte ihre Stimme als Handyklingelton. An den Einnahmen wurde Veronica jedoch nicht beteiligt, da sie schriftlich ihre Rechte an den Sender abgegeben hatte.

Auch die Rechte am eigenen Wort geben die Kandidaten ab. Das heißt, dass jedes Interview, das sie geben, genehmigt und jedes Wort vom Sender autorisiert werden muss.

Schweigende Juroren und Post vom Nominator

DSDS-Kandidat Max Buskohl untersagten Verträge in anderen Sendern aufzutreten.

Ähnlich erfolglos war ich bei den Juroren der Sendungen. Mit einer Antwort von Dieter Bohlen hätte ich eher nicht gerechnet. Etwas mehr Hoffnungen machte ich mir bei Nina Hagen, die sich im Fernsehen immer bemüht, trotz aller Extravaganz menschennah und tiefsinnig zu wirken. Doch auch von ihr gab es keine Rückmeldung.

Sehr spät kam ein Lichtblick. Eine Mail von einem Mann, mit dessen Reaktion ich am wenigsten gerechnet hatte. Christian Möllmann, besser bekannt als "Nominator" aus der zweiten Big Brother Staffel. Der Mann, der mit der Single "Es ist geil, ein Arschloch zu sein" die Charts stürmte, schrieb mir, er sei gerne bereit, mir ein Interview zu geben. Dies tat er wenige Tage später auch.

Text: Christiane Meister; Fotos: studivz.net, feuerwehr-weblog/flickr.com, heibr/flickr.com, RTL

Veröffentlicht: 12.07.2007
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