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Christoph Pieper im Interview

Seitenwechsel: Vom Journalismus zur PR

Alles erfahren - das war Christoph Piepers Anliegen in seiner Zeit als Journalist. Nicht alles verraten lautet seine Maxime heute als PR-Mann bei Schalke 04. Im Gespräch mit Medien Monitor erklärt er, warum ihm das Journalisten-Dasein manchmal fehlt und wie die Bild-Leser-Reporter der Schalker Pressestelle das Leben schwer machen.

Medien Monitor: Nach landläufiger Meinung dominiert in Pressestellen die PR-Arbeit. Welche journalistischen Aufgaben erledigen Sie?

Fühlt sich auf Schalke wohl: Christoph Pieper.

Christoph Pieper: Zum einen liefern wir Texte für unsere Internetseite. Zum anderen verfassen wir Pressemitteilungen und schreiben Texte für das Stadion-Magazin Schalker Kreisel. Außerdem geben wir vor jeder Saison ein Jahrbuch heraus, in dem wir Spieler und Trainerstab vorstellen, Statistiken veröffentlichen, aber auch Infos aus dem Verein oder ein großes Interview mit dem Trainer. Dieses Jahrbuch stellen wir den Journalisten als Nachschlagewerk zur Verfügung. Das machen wir alles selbst, nur marginal sind freie Autoren für uns tätig. Die Ausnahme ist Schalke TV - das produzieren drei erfahrene Fernsehjournalisten für uns, die dem Verein schon jahrelang verbunden und als Dienstleister tätig sind. Die redaktionelle Hoheit liegt aber bei uns.

Wie ist bei Ihnen das prozentuale Verhältnis zwischen Verwaltung und Organisation auf der einen und journalistischer Arbeit auf der anderen Seite?

Für meinen Bereich ungefähr 80 zu 20 zugunsten der Organisation. Eine meiner Hauptaufgaben ist ja die Koordination und Durchführung von Spielerterminen. Die reine journalistische Tätigkeit beschränkt sich bei mir auf die Spieltagsberichterstattung im Internet und das Redigieren von Texten und Interviews. Bei vielen meiner Kollegen, die sich besonders um den Schalker Kreisel kümmern, ist das Verhältnis aber sicher umgekehrt.

Trauern Sie Ihrem früheren Reporter-Dasein nach?

Ehrlich gesagt, hin und wieder schon. Manchmal wünsche ich mir, mal wieder auf der anderen Seite der "Mixed Zone" zu stehen und von dort das Ganze etwas meinungsbildender zu betrachten. Aber das ist ein zweischneidiges Schwert: Wir in der Pressestelle kennen Interna, die der Journalist draußen nicht weiß. Wäre ich dieser Journalist, wüsste ich diese Dinge natürlich nicht. Deshalb ist es schwierig, das jetzt objektiv zu beurteilen.

Zur Person

Christoph Pieper, Jahrgang 1972, lebt in Dortmund und arbeitet seit 2004 in der Presseabteilung von FC Schalke 04. Der gebürtige Herdecker studierte nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann Geschichts- und Politikwissenschaften in Bochum und Stockholm. Nach dem Abitur 1992 sammelte Pieper über sieben Jahre lang journalistische Erfahrung als freier Mitarbeiter in der Sport- und Lokalredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort volontierte er 2001/2002, bevor er als freier Journalist unter anderem für Radio 91.2, die NRW-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und die Nachrichtenagenturen Deutsche Presse-Agentur (dpa) und Associated Press (AP) tätig war.

Fühlen Sie sich in Ihrer jetzigen Tätigkeit noch als Journalist?

Eher nicht. Ich mache hier PR und Öffentlichkeitsarbeit. Aber es ist gut, einen journalistischen Hintergrund zu haben und die Mechanismen zu kennen, nach denen Medien funktionieren.

Und als PR-Mann reglementieren Sie den Informationsfluss an die Medien…

Ja klar. Journalisten sind immer an Hintergründen und Details interessiert. Je fundierter ihre Berichte sind, desto besser kann die Öffentlichkeit gewisse Dinge verstehen. Uns beschäftigt aber immer die Frage, wie viel wir preisgeben wollen, können oder dürfen. Danach prüfen wir jede Information. Internes bleibt auch intern. Von daher sind wir der Filter, an dessen Ende eben nur ein Extrakt herauskommt.

Woran liegt es dann, dass gerade die Bild-Zeitung häufig so gut informiert ist? Gibt es Informations-Lecks im Verein?

Ich glaube, es liegt daran, dass die Bild-Zeitung extrem gut vernetzt ist. Gerade mit den Leser-Reportern hat sie praktisch überall ihre Leute, in Diskos, Bars oder in der Nachbarschaft. Die Geschichte über Rafinhas Ärger mit seinem Nachbarn wäre nie herausgekommen, wenn es da nicht einen Kontakt zur Bild-Zeitung gegeben hätte. Oder ein anderes Beispiel: Dass Gerald Asamoah zu schnell über die Autobahn gefahren ist, als seine Zwillinge geboren wurden, hätte keiner erfahren, wenn der Reporter keinen Kontakt bei der Polizei gehabt hätte.

Wenn Sie aber beeinflussen können, über was berichtet wird, fühlen Sie sich von den Journalisten dann richtig wiedergegeben?

Grundsätzlich ja. Dabei haben wir hier auf Schalke kein leichtes Medienumfeld. Aber das passt zum gesamten Umfeld: Die Menschen wie die Medien sind sehr begeisterungsfähig einerseits und sehr kritisch andererseits.

Haben Sie da Journalisten, denen Sie eher vertrauen, weil Sie wissen, dass diese in einer Art und Weise berichten, die dem Verein nicht schadet?

Man sollte nie ausschließen, dass unterbewusst Sympathie und Antipathie eine Rolle spielen. Aber wir versuchen, alle gleich zu behandeln. Aber so wie sich Journalisten kritisch mit uns auseinander setzen, tun wir das mit deren Berichterstattung. Wenn man merkt, dass gewisse Journalisten permanent negativ über den Verein schreiben, muss man sich fragen, warum das so ist.

Geben Sie auch schon mal Infos als Hintergrund-Informationen "unter Drei" heraus, um ein Vertrauensverhältnis zu schaffen oder aufrecht zu erhalten?

Das mag im Einzelfall so sein. Allerdings ist es dann eher ein Instrument unserer Arbeit in der Pressestelle, um beispielsweise Gerüchte zu entkräften, an denen nichts dran ist. Aber Interna, die möglicherweise Zündstoff bieten, gehören ganz sicher nicht dazu. Wer das tut, der könnte sich ganz schnell einen neuen Job suchen.

Vielen Dank für das Interview!

Interview: Stefan Burkard und Gregor Hofmeyer
Portraitfoto: Gregor Hofmeyer

Veröffentlicht: 02.06.2010
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