Saufen, Titten, Knast – WM.TV setzt auf Qualität
"Gnadenlos schlecht" oder vielleicht doch "Peinlich, Peinlich" – oder trifft "Jenseits der Vernunft" den Nagel auf den Kopf? Wie nennt man eine Serie über unfassbar dämliche Medienbeiträge, die unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit auf einen Entdecker warten, der sie dann alle 14 Tage ans Tageslicht zerrt und gnadenlos ausschlachtet? Nach langem Sinnen, einem nervenzerreißenden Hin und Her, einer Runde Uno und zwei Flaschen Wodka haben wir vom Satireressort uns schlussendlich in einmütiger Harmonie für diesen Titel entschieden: Fundstück des Tages!

- Jede zweite Woche greifen wir im "Fundstück des Tages" tief in die mediale Schatzkiste.
Westmünsterland. Satirische Medienkritik? – Da liegt der Verdacht nahe wir wollten uns in anderer Journalisten Unvermögen suhlen, ihre Machtwerke hämisch kommentieren, brutal zerstören. Aber wir verstehen uns nicht nur als billige Witzemacher auf anderer Leute Kosten, sondern vor allem und insbesondere als Wächter über den Journalismus, als Gewissen professioneller Kommunikatoren, als Sprachrohr für Schwache, Alte, Frauen, Kinder und von den Medien Unterdrückte. Und keineswegs wollen wir nur kritisieren! Nein, apodiktisch und arrogant wollen wir auf keinen Fall daher kommen, Besserwisser- und Klugscheißerei liegen uns völlig fern – WIR WOLLEN HELFEN! Ja, man kann sogar so weit gehen: Wir sind die letzten Gentlemen einer verlorenen edlen Zunft! Und genau aus diesem Grund werden wir in dieser Rubrik nicht nur Megaschwachsinn zeigen und in feinfühliger Handarbeit die Fehler ebendieser grenzdebilen Produktionen aufarbeiten – sondern wir zeigen ebenso Megaschwachsinn, der so schwachsinnig ist, dass er schon wieder geil ist! Und das ganze Spektakel gibt es satte zwei Mal pro Monat. So, aber genug von uns, ran an die mediale Schatzkiste.
Wilde Nächte in Dorfdiscos
In der ersten Folge präsentieren wir: "Schluse.TV", das immer freitags ab 20.30 Uhr beim westmünsterländischen Regionalfernsehsender WM.TV läuft. Aber klar: auch im Internet ist unser erstes Fundstück des Tages zu Hause. Schluse ist ein wahrer Meister des eleganten und eloquenten Auftretens und subtilen Humors. Ein echter Journalist und Rechercheur wie aus dem Bilderbuch: Sein Konzept ist so einfach wie genial. Christian Terschluse geht einfach auf Parties, feiert mit und berichtet darüber – so weit ist im Journalismus wohl noch niemand gegangen.
"Schluse.TV" – ein krisenfestes Programm durch puren Spaß. Klar, dilettantischer geht’s kaum, die Interviews sind holzgeschnitzt und die Aufsager so originell wie Nudeln mit Tomatensauce. Aber gerade durch diesen journalistischen Minimalismus wird das Format so richtig unterhaltsam. Besondere Höhepunkte von "Schluse.TV": Interviews mit weltbekannten "Stars" wie Jürgen Drews und Jürgen von "Big Brother", zwei absolut erfolgreiche Intellektuelle, die in den letzten Jahren mit ihren bahnbrechenden Erfolgen steil durch die Sonne schießen konnten. Unser Urteil: Proleten-TV vom Allerfeinsten! Keine Party ohne Schluse!
Schluse samtweich
Aber Schluse kann auch ganz anders! Ja, er hat auch eine weiche Seite – und die lebt er bei "Schluse.Light" aus. Bei diesem Format spaziert der Profi investigativer Recherche in irgendwelche Restaurants oder Kneipen und schwafelt völlig ungezwungen mit irgendwelchen Gästen. Ein Interview mit Hanswurst von nebenan, und das zur besten Sendezeit. Wie langweilig geht es überhaupt?! Witzig, aber auch nicht wirklich, wird es nur, wenn Schluse die Leute leicht bis mittelhart aufs Korn nimmt und damit sein Sendekonzept ad absurdum führt, will er doch eigentlich nah am Zuschauer sein, sich sympathisch und volksnah geben: "light" eben.
Aber uns unterirdischen Jungs ist das völlig wurscht, wir wollen lediglich unterhalten werden! Und nicht mit irgendwelchen langweiligen Geschichten von langweiligen Langweilern, sondern vom Partyleben mit randvollen Bauernjungs und Mädels mit fetten Eutern …
Mit Partystimmung aus dem Knast
Würde der Artikel an dieser Stelle enden, würde das Fazit dennoch gut ausfallen und man könnte das qualitativ hochwertige Format ohne Gewissensbisse zur zweiten Kategorie zählen – also zum Schwachsinn, der so schwachsinnig ist, dass er schon wieder geil ist. Aber zufälligerweise haben wir auf Schluses Internetseite eine Knastreportage gesehen, in der er sich doch tatsächlich als ernsthafter Journalist versucht. Dort berichtet er hinter Gittern mit demselben euphemistisch-ironischen Lächeln wie von der 70er-Jahre-Party. Feingefühl und Empathie? Fehlanzeige! Bei belanglosen Partys ist es egal, ja mitunter sogar witzig, wenn ein Reporter Nonsens erzählt – bei ernsten Themen kann diese Art der Berichterstattung aber unter die Gürtellinie zielen.
Kostprobe gefällig? "Ich werde Interviews mit Gefangenen führen und ich möchte einfach den Leuten draußen – also Euch – vermitteln, dass es gar nicht so dramatisch ist hier im Knast. Das heißt nicht, dass man sich nicht an Gesetze halten soll, also es geht schon gut zur Sache hier, also es ist kein Hotel, und trotz allem möchte ich mal aufräumen mit dem Klischee, dass hier nur irgendwelche randalierenden Insassen mit ihrem Besteck gegen die Gitterstäbe hauen und einfach raus wollen. Nein, so ist es nicht." Ein durch die Bank schwacher Anfang - und im Anschluss wird es dann richtig schlimm: Die Interviews sind nicht vorbereitet, die Witze dämlich, der penetrante Versuch, keine Klischees zu transportieren, kläglich. Wir vom Satireressort sind ja schon an unterirdische Witze aus dem Fernsehen gewöhnt – irgendwoher müssen wir unsere Witze ja auch klauen –, aber solch eine Berichterstattung hinterlässt uns mit einem gewissen Kotzgefühl in der Magengegend. Dann doch lieber "Schluse.TV" und das gnadenlose Partybarometer. Schluster, bleib’ bei deinen Leisten!
Text: Evgenij Haperskij
Teaserbild: Evgenij Haperskij

Hallo Ihr lieben,
danke für die Werbung!!!! Gerne können wir uns auch einmal für ein Interview treffen,würde mich freuen.
Alles Liebe aus dem Münsterland
Ihr Schluse