Salz unter den Reifen
Nach einigen Wochen sitzt Sixtus sicherer im Sattel und genießt die Freiheit auf dem Fahrrad. Im Südbolivien überquert er eine gleißend weiße Salzwüste, den Salar de Uyuni.
Km 930, Salar de Uyuni. Sixtus rauscht mit dem Fahrrad über das endlose, gleißend weiße Salz. Als Orientierungshilfe nichts als eine dünne Reifenspur. Berge am Horizont – Sixtus fährt knapp 70 Kilometer durch das Nichts und sie sehen immer noch so aus wie vor ein paar Stunden.
Eine Insel aus Stein taucht auf: Hier gibt es ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und vor allem Wasser. Tagsüber ist das Licht so grell ist, dass Sixtus es mit Hut und Sonnenbrille gerade so aushält. Deshalb nimmt er sich erst abends Kamera, Objektive und Filme. Das Salz knirscht unter seinen Füßen, das Licht wird weicher, die Schatten länger und der Wind frischer. Sixtus fotografiert die unendliche Salzfläche, die feinen Strukturen im Salz, den Himmel nach Sonnenuntergang... Er ist glücklich.
Glücksmomente ( 696 KB / 29 Sek)
Km 3160, San Martin de los Andes. Drei Monate später. Aus Argentinien schreibt Sixtus im November 2003: "Schon eine merkwürdige Situation: Mit meiner Reise bin ich glücklich, mit der fotografischen Ausbeute bisher nicht ganz. Es war immer meine Horrorvision, dass diese Tour nicht ernst genommen wird, dass sie wie eine besonders geschickte Masche wirkt, mal richtig lange Urlaub zu machen, dass es wie als Bestätigung im Anschluss nichts als nette Postkartenansichten zu begucken gibt."
Was Sixtus in Patagonien erlebt, ist mehr als eine nette Postkartenansicht: "Ich stehe in der Pampa und sehe die Berge in den sich langsam bläulich färbenden Nachthimmel ragen. Der volle Mond steht über den Gipfeln, am Horizont schimmert der erste Silberstreif des neuen Tages. Ich fröstele in der Morgenkühle und weiß fast nicht, ob ich vor lauter Begeisterung überhaupt fotografieren oder lieber nur staunen soll..."
Mythos Patagonien (660 KB / 25 Sek)
Km 3850. Das Eis knirscht und knackt und kracht. Der Moreno-Gletscher ist einer der wenigen wachsenden Gletscher der Welt. Unaufhörlich schiebt er sich vorwärts. Ein gigantischer Eisstrom, 60 Meter hoch, 4 Kilometer breit. An der Abbruchkante fallen Eisklötze mit lautem Getöse in den flaschengrünen See. Manchmal sind sie so groß wie ein Fußball und manchmal so groß wie ein Mehrfamilienhaus. Direkt vor Sixtus donnert ein 50 Meter hoher Eisklotz ins Wasser gedonnert. Er hat die Kamera auf dem Stativ und muss nur noch auslösen.
Text: Anne Kynast
Fotos: Sixtus Reimann




