Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Robert*, 24 Jahre, Todesritter Rakheema*

Programmierer in der Ausbildung

Spielt seit:

Oktober 2005

Spielzeit: 116 Tage

Wie viel spielst du?

Täglich zwischen 6 und 16 Stunden.

Warum hast du mit dem Spiel angefangen?

Todesritter sind eine neue Charakterklasse in „Wrath of the Lich King“. Mit mächtigen Zweihandwaffen und untoten Dienern können sie ganze Gegnerscharen an sich binden und besiegen.

Ich habe vorher mit einer kleinen Gruppe von Leuten ein anderes Spiel gespielt, Neverwinter Nights. Aber irgendwann waren die Möglichkeiten da erschöpft. Wir haben uns dann alle gemeinsam Guild Wars gekauft, und sind von da nach etwa einem halben Jahr zu WoW gewechselt. Ich wollte am Anfang ganz bewusst nicht wechseln, weil ich wusste, dass es suchtfördernd ist und Mitgliedsbeitrag kostet. Dass ich dann nachgezogen bin lag an einer Art Gruppendruck. Ich wollte die Leute, mit denen ich bis dahin gespielt habe, nicht missen.

WoW ist...?

Ein Segen und ein Fluch zugleich. Ein Segen, weil es mir selber sehr viel Spaß macht, ein Fluch, weil ich auch manchmal merke, dass ich mich von anderen Menschen zurückziehe. Das Spiel ist für mich irgendwie wie nach Hause kommen. Eine Rückzugsmöglichkeit vom Alltag und von der Schule. Es ist nicht immer nur entspannend, aber für mich eine gute Möglichkeit um abzuschalten.

Was motiviert dich, zu raiden?

Das Gefühl, gemeinsam etwas zu erreichen. Wenn man einen anstrengenden, fordernden Boss das erste Mal legt ist das schon eine riesige Erleichterung und ein angenehmes Gefühl. Und auch ein wenig der Wettbewerb, der Versuch, mit den anderen Gilden mitzuhalten oder sie auszustechen. Und ich habe einen starken Sammeltrieb. Es fühlt sich einfach gut an, sich eine optimale Ausrüstung zusammenzufarmen.

Wie wichtig sind die anderen Spieler für dich?

Sehr wichtig. Ich war vorher bei einer anderen Gilde, gemeinsam mit den Leuten mit denen ich schon immer gespielt habe. Das war aber eher nicht so erfolgreich. Dann bin ich in diese Gilde gewechselt, und hatte am Anfang ein wenig Mühe mit dem Stil hier. Vorher war ich in einer "netten" Gilde, in der niemand ein böses Wort über die anderen verloren hat. Hier ist alles viel offener. Es wird sofort kritisiert wenn irgendwas nicht klappt, dafür wissen aber alle auch sofort Bescheid. Ich musste mich dran gewöhnen, aber ich finde das inzwischen eigentlich sehr angenehm. Trotzdem vermisse ich manchmal die Menschen mit denen ich früher gespielt habe. Eigentlich wollten wir gemeinsam die Gilde wechseln, aber die anderen haben keinen Raidplatz bekommen. Viele von denen haben dann beschlossen, ganz mit WoW aufzuhören.

Welchen Stellenwert hat das Spiel in deinem Leben?

*nachdenklich* WoW hat eine hohe Bedeutung für mich. Das Spiel ist mir definitiv wichtig. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass ich süchtig bin. Aber nicht so sehr, dass das ein Arzt untersuchen müsste *lacht*. Aber ich mache mir in den Schulpausen oder unter der Dusche schon sehr viele Gedanken über das Spiel. Manchmal träume ich sogar vom WoW.

Wie gehen Freundin und Familie mit dem Spiel um?

Eine Freundin habe ich nicht. Meine Familie hat sich am Anfang ein wenig dagegen gesträubt, weil ich sehr viel Zeit online verbracht und sogar vor dem Computer gegessen habe. Inzwischen lassen sie mir aber relativ viel Freiheit. Wir haben ein paar Vereinbarungen getroffen, wie zum Beispiel, dass ich die Wäsche wasche und pünktlich zum Essen komme.

Ohne das Spiel würde ich/hätte ich...?

Wenn ich aufhören würde zu spielen hätte ich am Anfang wohl eine Krise. Mir würde etwas fehlen, allein schon weil ich anderswo viele neue soziale Kontakte knüpfen müsste. Ich habe vorher studiert, musste aber abbrechen, vielleicht auch, weil ich zu viel gespielt habe. Mittlerweile habe ich eine neue Ausbildung angefangen, aber die unterfordert mich eher. Mit den Kollegen bei mir in der Schule kann ich nicht viel anfangen, allein schon wegen dem Altersunterschied. Also verbringe ich einfach viel Zeit mit den Leuten hier im Spiel. Du kannst mich da jetzt als Außenseiter bezeichnen, aber das stört mich nicht.

Was wäre ein Grund, aufzuhören?

Wenn das Spiel mich nicht mehr reizen würde, weil die Qualität nachlässt oder die Comunity zerfällt. Oder weil das Spiel zu einfach wird. Und wenn ich eine Freundin hätte die mit dem Spiel absolut nichts anfangen kann, würde ich wohl auch aufhören.

*Namen vom Autor geändert

Das Interview wurde am Mittwoch, den 7. Januar 2009, per Teamspeak aufgezeichnet

Veröffentlicht: 12.01.2009
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