Geschichte
Revolution der Kriegsführung
Die moderne Wissenschaft hat die Art, wie Kriege geführt werden, stark beeinflusst. Wie stark, zeigt der Rückblick ins letzte Jahrhundert. Schlaglichter vom Ersten Weltkrieg bis heute.
Dortmund. Bis zum 1. Weltkrieg orientierte sich das Militär vor allem an technischen Weiterentwicklungen bereits bewährter Waffen. Dazu gehörten etwa Pfeil und Bogen, Handfeuerwaffen und Kanonen. Anfang des 20. Jahrhunderts setzten Staaten wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder die USA Wissenschaft zunehmend für militärische Zwecke ein. Es kommt es zu einer Reihe von Neuentwicklungen.
Nicht alle von diesen Neuentwicklungen sind unmittelbar gefährlich. Mit dem Haber-Bosch-Verfahren lässt sich etwa Ammoniak erzeugen, der zur Herstellung von Dünger benutzt werden kann. Das Produkt aus Ammoniak und Salpetersäure - Ammoniumnitrat - dient aber zur Produktion von Sprengstoff. Die Entdeckung des Verfahrens machte das Deutsche Reich unabhängig von den natürlichen und nur über den Seeweg zugänglichen Quellen. Einer der beiden Entdecker war ein stolzer Deutscher, der seinem Land zu militärischer Unabhängigkeit verhelfen wollte. Tragischerweise war er Jude. Und so musste der Chemiker und spätere Nobelpreisträger Fritz Haber nach der Machtergreifung Hitlers nach Cambridge in England emigrieren.
Audio: "Knowledge can be used to create and to destroy" (Beitrag über Fritz Haber, Sprache: Englisch, 8:23 min, MP3, 3,6 MB):
Wer nicht rüstet, der rostet
Fritz Haber ist nur einer unter vielen Forschern, die ihre Dienste dem Militär zur Verfügung stellten. Ein anderer prominenter Forscher fürs Militär war Wernher von Braun. Seit seiner Kindheit war er fasziniert von der Idee, mit einer Rakete zum Mond zu fliegen. Um sein hoch gestecktes Ziel zu erreichen, arbeitete er mit der Wehrmacht zusammen.
Als technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde leitete von Braun die Forschungsarbeiten für die Vergeltungswaffe 2 (V2). Mehr als 1.300 dieser mit Sprengköpfen bestückten Raketen gingen als Vergeltung für britische Kampfbombereinsätze auf London nieder. Die militärische Wirkung der Rakete war aufgrund ihrer schlechten Zielgenauigkeit nur gering. Die psychologische Wirkung auf die Bevölkerung war dafür umso größer.
Nach dem 2. Weltkrieg holten sich die USA die führenden Raketenforscher in ihr Land - auch Wernher von Braun. Bis 1959 entwickelte er für die U.S. Army ballistische Raketen. Von da an arbeitete er für die National Aeronautics and Space Administration (NASA) an der Erfüllung seines Traumes, der bemannten Mondlandung. Mit Erfolg: Die unter seiner Leitung entwickelte Rakete Saturn V brachte am 20. Juli 1969 die ersten Menschen zum Mond.
Wettrüsten zwischen USA und UdSSR
Zwischen 1945 und 1989 rüsten die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, was das Zeug hält. Es ist ein technologischer, aber auch ein militärischer Wettlauf. Mit der Landung auf dem Mond gewinnen die USA den Wettlauf ums All. Die Mondlandung wird zum Symbol für den wissenschaftlichen Vorsprung des Landes gegenüber der UdSSR.
Auch den Schlagabtausch in der militärischen Forschung gewinnen die Amerikaner. Ein trauriges Zeugnis der Eskalation sind die Atomwaffentests. 1945 zünden die USA ihre erste Atombombe. Bereits zwei Monate nach dem ersten erfolgreichen Test folgen die Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki. In den folgenden Jahren versuchen die beiden Gegner, sich gegenseitig zu überbieten. Das Ende dieser Eskalation ist ebenso traurig wie gewaltig. 1961 zünden die Sowjets zu Testzwecken die Wasserstoffbombe "Tsar". Ihre Sprengkraft von schätzungsweise 50 bis 60 Megatonnen TNT-Äquvivalent reicht aus, um alles in einem Umkreis von 35 km zu zerstören.

- Grausames Potenzial: Vergleich der Sprengkraft verschiedener Atombomben mit der sowjetischen Wasserstoffbombe "Tsar".
Weitere wichtige militärische Errungenschaften sind die Interkontinental-Rakete, Integrierte Schaltkreise, Satelliten, Atomreaktor getriebene U-Boote und Raketen-Abwehrsysteme. Erst mit dem Zusammenfall der Sowjetunion 1989 hat das Buhlen um die Macht ein Ende. Seitdem befinden sich die USA nur noch im Wettlauf mit sich selbst. "Den USA steht kein potenzieller militärischer Gegner mehr gegenüber, der sie auf vergleichbarer Technologieebene herausfordern könnte", schreibt der Physiker und Friedensforscher Jürgen Altmann in dem Buch Naturwissenschaft - Rüstung - Frieden.

- Wettrüsten zwischen USA und UdSSR. Der jeweilige technologische Vorreiter ist orange markiert.
Autor: Sami Skalli
Foto: Bundesarchiv, U.S. Army, www.archives.gov
Grafik: Sami Skalli (Quelle zum Atombomben-Vergleich: Popular Mechanics 10/2002)
Tabelle: Sami Skalli (Quelle: Jürgen Altmann: Naturwissenschaft - Rüstung - Frieden. Basiswissen für die Friedensforschung, 2007)
Audio: Daniel Charles, National Public Radio (USA), Juli 2002



