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Medien Monitor

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Redaktionsblog

Musikbranche in der Krise

::Von Sola Hülsewig

am 06.08.2008 um 20:37

Bertelsmann verlässt das sinkende Schiff: Der Konzern aus Gütersloh hat seinen 50-Prozent-Anteil an Sony BMG an Sony verkauft – für 1,5 Milliarden Dollar, laut Spiegel Online. Das 2004 gegründete Partnerunternehmen Sony BMG ist der zweitgrößte Musikkonzern der Welt. Er vermarktet Stars wie Justin Timberlake, Britney Spears und Beyonce Knowles. Ab jetzt nennt sich der Konzern Sony Music Entertainment.


Die Ausstieg von Bertelsmann war absehbar: Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski hatte den Musikbereich letztes Jahr als wachstumsschwach bezeichnet und überprüfen lassen. Die Prüfung ist offenbar negativ ausgefallen.

 

Die Musikbranche steckt schon seit längerem in einem tief greifenden Wandel: Es werden immer weniger CDs und DVDs verkauft. Schuld ist das Internet, denn die Versuchung, einfach, schnell und ohne zu bezahlen alle mögliche Musik aus dem Netz herunter zu laden, ist groß. Den Schaden haben Konzerne wie Sony BMG, die noch vor wenigen Jahren dick im Geschäft waren. Insgesamt setzt die Branche heute etwa 29,9 Milliarden US-Dollar um. 2000 waren es noch etwa 40 Milliarden.



Dass sich die Bertelsmann AG nun aus dem Musikgeschäft weitestgehend zurückzieht, ist ein Zeichen dafür, dass hier wohl nicht mehr viel zu holen ist. Der mit Abstand größte Medien-Konzern Europas war 1958 mit Schallplatten in die Branche eingestiegen. Schon 2006 hatte Bertelsmann jedoch seinen Musikverlag BMG Music Publishing abgestoßen.

 

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Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterBertelsmann verkauft Anteile an Sony BMG

 

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Web Lite: Die reinste Internetkur

::Von Nils Glück

am 04.08.2008 um 21:45

Auch die Uni muss sparen. Wer in einem der Studi-Wohnheime haust, bekommt zwar einen Internetanschluss inklusive. Sobald aber das monatliche Trafficlimit erreicht ist, findet der Surftrip ein jähes Ende - dann wird der Datenhahn zugedreht.


Fast wäre dieser GAU bei mir eingetreten - vor einigen Wochen, das Monatsende war noch längst nicht in Sicht: Nach langen Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterYouTube-"Recherchen" (siehe Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterNoras Beitrag) näherte sich der Datenzähler gefährlich der gefürchteten Grenze, dem absoluten Alptraum eines jeden Internet-Junkies.

Was tun? Beim Surfen erzeugen eigentlich nur Bilder und Animationen echten Traffic, der HTML-Text dagegen kaum. Ich lud mir also flugs einen Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterWerbeblocker für den Firefox herunter und deaktivierte zudem die Grafikanzeige (ja, so eine Funktion gibt es wirklich!).


Das Ergebnis: Ein Erlebnis wie in der Zeitmaschine - Internetseiten wie vor zehn Jahren. Text und Links, sonst nichts. Web Lite würden Entwickler das nennen.

Die gewohnten Social Communities wirken so leer und gehaltlos, Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterSpiegel Online wird zum schnöden Newsticker. Und während man sich fragt, was Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterStudiVZ überhaupt zu bieten hat außer roten Balken und platten Sprüchen, erlebt man nach kurzem die Widergeburt der Information: Das geschriebene Wort wird wieder wichtig, es fällt ins Gewicht - weil sonst nichts da ist.

Es ist die reinste Internetkur, der Entzug für den überhasteten High-Speed-Surfer: Keine Bilder, die mich von der Informationsaufnahme abhalten. Keine Klickmich-Grafiken. Keine Hingucker mehr. Wie oft hatte man sich zuvor "im Netz verfranst", war auf der Suche nach dem Kinoprogramm in irgendwelchen Fotogalerien von Mailänder Modeschauen gelandet - weil ein attraktives Teaserbild zum Klick verführt hatte.


Jetzt ist Schluss mit dem Web-Makeup, der optischen Verblendung: Ohne ihre Dekoration wirken die meisten Seiten doch erschreckend leer. Und dem Datenvolumen bekommt die Minimal-Diät dabei sehr gut.

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Nackte Männer in der Werbung

::Von Sophia Reimers

am 28.07.2008 um 14:18

Von allen Seiten strahlen, lächeln und grinsen sie mich an. Mal fröhlich und frech, mal verführerisch sinnlich. Sie sind auf dem Titelblatt meiner Fernsehzeitung, in der Zahnpasta-Werbung und auf jedem einzelnen H&M-Sommerplakat. Wovon ich rede, sind leicht bekleidete, makellose Frauen, die mir alle versprechen, so perfekt wie sie zu werden, wenn ich nur das neue "Pearl&Beauty"-Deo oder den entsprechenden Bikini kaufe. Ob das der Fall sein würde, lassen wir einmal dahingestellt. Ich frage mich vielmehr: Wo sind die dazugehörigen, perfekt gebauten Männer?

 

Klar ist, dass "Sex sells", und klar ist mir auch, dass Männer gerne attraktive Frauen sehen. Aber schauen sich denn nicht auch alle Frauen gerne gut gebaute Männer an?

 

Eine nicht repräsentative Studie in Internetforen und meinem Freundes- und Bekanntenkreis hat ergeben: Ja, Frauen sehen gerne nackte Männer. Bei ihnen würde Werbung, in der sich mal ein Mann von den "natürlichen Extrakten" des Fa-Duschgels verwöhnen ließe oder für die "schönste Verbindung" zum Internet stehen würde, also gut ankommen.

 

Gibt es vielleicht weniger nackte Männer in der Werbung, weil Männer eher Komplexe bekommen, wenn sie einen muskulösen Mann auf einem Plakat sehen, als Frauen, wenn sie andere attraktive Frauen sehen? Würde also Werbung mit nackten Männern etwa die Hälfte der Bevölkerung (schwule Männer mal ausgenommen) abschrecken? Der amerikanische Modedesigner Tom Ford (45) würde diese Fragen mit "ja" beantworten. Er stellt in einem Artikel für das britische Magazin "GQ Style" die provokante These auf, dass Männer  "ein Problem mit männlicher Nacktheit" haben. Er fragt sich, warum es immer noch als "schwul" gilt, wenn Männer über nackte Männer reden oder sie anschauen: "Nur der Gedanke daran macht uns nervös, ist provokant, quält und schockiert. Der nackte Mann ist eines unserer letzten gesellschaftlichen Tabus." Frauen falle es viel leichter, einer anderen Frau Komplimente zu machen und ihr beispielsweise zu sagen, sie habe sexy Brüste.

 

Demnach liegt es also nicht daran, dass Männer mehr auf sexuelle Reize anspringen als Frauen - viele schöne Frauen machen ja Werbung für Produkte, die von Frauen gekauft werden sollen - sondern an der Verklemmtheit der Männer.

 

Es ist also an der Zeit, Männern zu helfen, ihre Hemmungen loszuwerden und Frauen mehr Freude durch schöne Männerkörper zu verschaffen. Ein erster Schritt dahin wäre es, die gängige Meinung "Der weibliche Körper ist einfach ästhetischer als der männliche" anhand von vielen konkreten Beispielen in den Medien zu widerlegen. Der schöne nackte Mann aus der "BeeDees-Werbung", der sich einen BH über die Schulter wirft und frech in die Kamera grinst, macht es vor.

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Bundesliga ist Grundrecht!

::Von Nils Glück

am 26.07.2008 um 17:57

Da hat sich die DFL ja ein schönes Eigentor geschossen. Die Funktionäre der Deutschen Fußball Liga schielten wohl aufs große Geld, als sie sich den Vertrag mit der Kirch-Firma Sirius ausgedacht haben. Vergessen haben sie dabei leider die Mehrheit der deutschen Fußballfans, die sich kein Pay-TV leisten möchten. Das Bundeskartellamt hat dieses schwere Foul gesehen und Leo Kirch dafür vom Platz gestellt.

Mit der Brechstange wollte Leo Kirch die Deutschen wohl zum Bezahlfernsehen zwingen. Weil groß angelegte Marketing-Kampagnen in der Vergangenheit nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, sicherte die DFL ihm vertraglich zu, dass es im Free-TV keine zeitnahe Konkurrenz mehr geben werde - soll heißen: Wer nicht zahlt, bekommt samstags vor 22 Uhr auch keine Bundesliga, zumindest nicht in bewegten Bildern. Das Pay-TV-Monopol wäre praktisch da gewesen.

Gut, dass es das Bundeskartellamt gibt, möchte man da sagen - seine Entscheidung hat dieses Monopol verhindert. Es fordert eine neue Ausschreibung, an der sich private wie öffentlich-rechtliche Sender beteiligen sollen.


Problem hier: Die Übertragung soll noch vor 20 Uhr geschehen, und da steht die ARD-Sportschau mit einem großen Vorteil da. Um die teuren TV-Rechte zu bezahlen, stehen der ARD nicht nur üppige Werbeeinnahmen, sondern auch jede Menge Gebührengelder zur Verfügung - diese Gebührengelder fehlen den Privaten, die auch gerne ein bisschen Bundesliga zeigen würden und mit der ARD nicht konkurrieren können. Jetzt sind sie raus aus dem Spiel. Faktisch bedeutet das: Das Kartellamt hat ein neues, öffentlich-rechtliches Monopol im Free-TV geschaffen.

So ist die Situation. Aber muss es denn so kompliziert sein? Eigentlich wollen wir doch alle nur das Eine: Fußball gucken! Ich möchte fast sagen: Wir haben ein Recht auf Fußball! Monopol hin oder her.


Warum dann nicht so: Wir zählen die Bundesliga-Übertragung zur Grundversorgung. Ab sofort gibt es alle Spiele live im Free-TV, und zwar gebührenfinanziert in ARD und ZDF. Zeitnäher als live geht sowieso nicht.

 

Also: Zentralvermarktung ist gut, Zentralverbreitung ist besser. Zu hoffen wäre dann nur, dass die Kartellwächter in Brüssel nicht wieder nach freiem Wettbewerb schreien.

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Kommentitis weiter außer Kontrolle

::Von Ralf Strobel

am 21.07.2008 um 10:18

Mit den Worten von Dieter Nuhr: "Setzen Sie sich zwei Stunden in eine U-Bahn und sehen sich die Gestalten an, die dort ein- und aussteigen – da kann man doch nicht mehr für ein allgemeines Wahlrecht eintreten!"  Doch genau das und noch mehr tut das Internet. Es gibt einfach jedem eine Stimme.

Früher tat die "kritische Masse" ihre Meinung nur in dafür eigens eingerichteten Onlineforen kund. Das war wenig problematisch, denn wer keine Lust hatte auf sich ewig wiederholende Fragen, Antworten und Argumente, musste ja nicht mitlesen. Heute jedoch gehört es zum Standard jeder Newsseite, zu einer Meldung auch gleich einen Kommentarbereich anzubieten, auf dem man mit einem einzigen Klick und daher ohne lange nachzudenken, seine Gedanken beitragen kann.

Genau so sehen die Beiträge aber auch aus. An kaum einer Stelle zeigt sich dies wohl eindrücklicher als bei negativen Schlagzeilen von Microsoft. Auch der 500ste Kommentator der 500sten Meldung dieser Art scheint tatsächlich noch zu glauben, es sei wichtig, der Welt ein weiteres Mal mitzuteilen, dass "M$" ohnehin bescheiden und Linux viel besser sei.

Was mich noch mehr aufregt, ist aber, dass ich das ganze auch noch lese. Eine Nachricht, die mich in einer Recherche früher zwei Minuten beschäftigt hätte, kostet mich heute manchmal eine Viertelstunde. Doch ich mache dies nicht grundlos. Häufig verbergen sich in den Kommentaren auch wahre Schätze, die dabei helfen, eine Schlagzeile richtig einzuordnen. Nutzer verlinken selbständig auf verwandte Themen oder korrigieren sogar inhaltliche Fehler des Autors. Web 2.0 at it's best.

Filtern! heißt also die Aufgabe der Newsportale für die Zukunft. Mit Selbstkontrolle wollte es Anfang dieses Jahres die Seite Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenstercomputerbase.de versuchen. Die Nutzer sollten die Kommentare der jeweils anderen positiv oder negativ bewerten und so bestimmen, was zu oberst und was überhaupt angezeigt wird. Nach einem wahren Bewertungs-Krieg setzt Computerbase nun auf ein wesentlich einfacheres System: Ein Kommentar wird erst dann zusammen mit der Nachricht angezeigt, wenn ein Moderator es für wirklich relevant hält. Sonst verschwindet der Beitrag stillschweigend in einem Forum im Hintergrund – dorthin wo die Hobbykommentatoren wieder unter sich sind.

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Flagge: Panne die Zweite

::Von Daniela Braun

am 05.07.2008 um 13:24

Rot-Schwarz-Gold statt Schwarz-Rot-Gold: Das war wirklich peinlich, vor allen Dingen für einen öffentlich-rechtlichen Sender wie die ARD – und dann ausgerechnet zur geliebten Haupteinschaltzeit. Noch peinlicher, als der Fall an sich, war dann allerdings die Entschuldigung: Man habe in der Redaktion Fußball geguckt. Als die Russen dann geschossen hätten, sei man völlig aus dem Häuschen gewesen... und die Grafik eben hinüber.

 

Als Zuschauer denkt man sich dabei unweigerlich: Das kann doch nicht wahr sein. Wofür zahle ich die Gebühren? Damit die Redakteure Geld verdienen und trotzdem noch in Ruhe Fußball gucken können?! Sicher nicht. So sieht das auch ein Blogger auf der Seite des Tagesschau-Blog: Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten sind Dienstleister uns Teilnehmern gegenüber. Wenn ein Dienstleister Murks macht, dann ist es völlig normal, diesen Murks auch wieder auszubügeln." Und: Dass er darauf achtet, dass der selbe Fehler nicht noch einmal passiert.

 

Lautsprecher Video: Tagesthemen Panne 1

 

Trotzdem ist er wieder passiert, zur Einweihung der amerikanischen Botschaft in Berlin - keine zwei Wochen nach der ersten Flaggenpanne. Hinter Sprecher Tom Buhrow prangte am Donnerstagabend die Flagge der USA mit augenscheinlich einem weißen Streifen zu viel. Der zweite Chefredakteur von ARD-aktuell Thomas Hinrichs zeigte sich schockiert: "Neben technischen Problemen hat es hier auch menschliches Versagen gegeben. Deshalb haben wir auch personelle Konsequenzen gezogen."

 

Fehler passieren. Das ist klar. Aber Journalisten dürfen davon eben nur möglichst wenige machen, weil ihre Ware die geprüfte Information ist. Das ist ihre Aufgabe. Thomas Hinrichs weiß das: Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"Natürlich wollen wir die glaubwürdigste deutsche Nachrichtensendung bleiben. Unsere Seriösität ist unser größtes Kapital." Das ist besonders in Zeiten wichtig, in denen immer mehr Informationsanbieter um die Aufmerksamtkeit der Rezipienten buhlen.

 

Lautsprecher Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterVideo: Tagesthemen Panne 2

 

Die Flaggen-Pannen der ARD können deshalb ein neuer Qualitätsansporn allgemein für ausgebildete Journalisten sein – und speziell für die Redakteure der öffentlich-rechtlichen Anstalten: Denn mit der Qualität ihrer Arbeit steht und fällt die Begründung der Gebührenfinanzierung. (dago)

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Sind wir gut!

::Von c@s

am 24.06.2008 um 12:53

Was sind wir gut! Oder: Wir sind das Ruhrgebiet!

 

Denn einer von uns ist gerade prämiert worden: Axel, der bis März noch die Seiten des Medien-Monitors gefüllt hat, hat nun den Logo-Wettbewerb der neuen Universitäts-Allianz Metropole Ruhr gewonnen.


Herzlichen Glückwunsch dazu aus der Redaktion!

 

Die Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterPressemitteilung zum Logo-Wettbewerb

 

Die Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterWebsite der Universiätsallianz

 

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Im Netz verheddert

::Von Nora Schlüter

am 23.06.2008 um 20:06

100 Millionen Stunden verbringen die Amerikaner jedes Wochenende allein damit, sich die Werbespots im Fernsehen anzuschauen. Das ist eine ziemlich große Zahl. Errechnet hat sie Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterClay Shirky, amerikanischer Internetexperte und glühender Fürsprecher der zahlreichen Beteiligungsmöglichkeiten, die das Internet so bietet. Shirky wollte mit dieser Zahl natürlich nicht sagen, die Amerikaner seien ein Volk sinnlos in die Röhre starrender Sesselpupser (Überhaupt sollten alle, die jetzt hämisch grinsen, überlegen, wie viel Lebenszeit sie selbst damit verbracht haben, den Klitschkos beim Milchschnitte-Essen zuzuschauen).


Seine Kernaussage war, dass dieser enorme Fernsehkonsum im Grunde riesige geistige Überkapazitäten verberge, die im Hirn jedes Fernsehzuschauers vorhanden seien. Die Gesellschaft, so vermutete Shirky, werde im Laufe der Zeit lernen, diese Überkapazitäten sinnvoll zu nutzen. Das Internet biete die Möglichkeiten dazu. Wenn jeder täglich den Fernseher nur wenige Minuten früher ausschalte, könne er mehr Zeit darauf verwenden, an Wikipedia mitzuschreiben, ein Blog zu führen oder auch nur Fotos von Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterniedlichen Katzen ins Netz zu stellen. Shirkys Motto: Etwas zu tun ist immer besser als nichts zu tun (und Fernsehen zu gucken).


Ignorieren wir für einen Moment die Tatsache, dass dies natürlich eine üble Pauschalisierung ist. Eigentlich schien mir Shirkys Gedankengang logisch. Bis ich begann darüber nachzudenken, was ich mit meinen eigenen geistigen Überkapazitäten anfange, die eigentlich vorhanden sein müssten, seit ich keinen Fernseher mehr habe.


Die traurige Wahrheit ist: Ich vergeude sie im Netz.  Dort konsumiere ich das, was Leute in der Zeit produzieren, in der sie "Desperate Housewives" oder die "Sportschau" gucken könnten. Gern würde ich behaupten, mich dabei über das Weltgeschehen zu informieren oder philosophische Diskussionen zu verfolgen. Aber tatsächlich hole ich mir im Netz, was früher das Fernsehen geliefert hat: Unterhaltung.


Jetzt gibt es jedoch einen tragischen Unterschied zwischen dem Fernsehen und dem Internet. Früher schaute ich mir nachmittags eine Stunde lang Dating-Shows auf MTV an, um jede einzelne meiner Gehirnzellen nachhaltig zu entspannen (Ihr habt schon richtig gelesen. Mut zum Niedrig – Niveau – Outing). Wenn die Stunde vorbei war, schaltete ich den Fernseher ab und mein Gehirn wieder an.


Das Internet dagegen schaltet man nicht so einfach ab. Stattdessen verfranst man sich darin. Wenn ich mir im Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterFailblog schon Schnappschüsse menschlichen Versagens angucke, warum nicht auch noch die Kommentare dazu lesen? Die sind manchmal auch ganz witzig. Und wenn jemand dort den Link zu seinem Blog postet, kann man es sich auch mal eben anschauen. Und so weiter, und so fort. Und schwupps – schon sind wieder ein paar Stunden Lebenszeit futsch.


Das passiert mir ständig, selbst wenn ich eigentlich nur schnell was für die Uni recherchieren wollte. Allein mir den Vortrag von Clay Shirky anzuschauen (zweimal), hat mich bereits eine halbe Stunde Lebenszeit gekostet. Und du, lieber Leser, hast gerade ein paar Minuten damit verplempert, diesen Blogeintrag zu lesen. Vielleicht klickst du gleich noch eben die Links an, und schon hat der Zeitfresser Internet dich in sein großes dunkles Maul gesogen… Meine Kernaussage ist: Das  Netz bietet nicht nur mehr Möglichkeiten, Zeit  zu nutzen. Es bietet vor allem mehr Möglichkeiten, sie zu verschwenden. Erstellen Sie mir dazu mal eine Hochrechnung, Mr. Shirky?

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