Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Jens Lohwieser im Interview

Qualität on Demand

Hochwertigen Journalismus zu niedrigen Preisen verspricht Jens Lohwieser seinen Kunden. Im Interview spricht der Geschäftsführer von Raufeld Content über neue Formen des Servicejournalismus und Zukunftsmodelle zwischen Low Budget und High End.

Berlin/Dortmund. Zwei Texte, zwei Bilder, ein Euro. Im Testpaket des neuen Online-Shops Raufeld Content erfahren Leser alles Wissenswerte über Erdbeeren. Die regulären Preise für Text-, Foto- und Video-Kombinationen betragen zwischen 40 und 120 Euro. Medien Monitor sprach mit Jens Lohwieser, Gründer und Geschäftsführer der Raufeld Medien GmbH, über Zukunftsmodelle im Servicejournalismus und Qualität on Demand.

Raufeld-Gründer Jens Lohwieser setzt auf Servicejournalismus im Paket.

Medien Monitor: Was verbirgt sich hinter dem Online-Shop-Interface von Raufeld Content?
Jens Lohwieser: Raufeld Content ist ein Online-Shop für Servicejournalismus, wir bieten hier redaktionell hochwertige Inhalte zu niedrigen Preisen an. Das Themenspektrum geht dabei von Beruf&Karriere und Auto&Verkehr über Technik&Multimedia hin zu Gesundheit&Wellness, Familie&Freizeit und Haus&Garten. Außerdem haben wir auch Reisereportagen und Finanz-, Umwelt- und Genussthemen im Angebot.

Was hat es mit den Paketen auf sich, die Sie anbieten? Lohwieser: Das Besondere ist, dass wir nicht nur Texte anbieten, sondern immer ganze Medienpakete, die mindestens einen Text und zwei Bilder enthalten. Fast alle Medienpakete enthalten darüber hinaus aber noch Texte für Servicekästen, Interviews, Grafiken, Audiomaterial, Bilderschauen oder Web-Videos.

Zwischenbilanz

Bereits am ersten Nachmittag verzeichnete Raufeld Content mehr als 1.000 Seitenzugriffe, 10.000 in den ersten 48 Stunden. Auffallend gut laufen, laut Lohwieser, bislang die Ressorts Beruf&Karriere, Gesundheit sowie Reise. Hier gab es, entgegen der Erwartungen, bereits zahlreiche Käufe.

Ein Lockangebot über Erdbeeren wirbt mit zwei Texten und zwei Fotos zum Preis von einem Euro. Wie kann sich das rechnen?
Lohwieser: Das rechnet sich überhaupt nicht und ist nur ein Angebot zum Testen. Wir wollen einfach einen Anreiz bieten, unser Produkt kennen zu lernen, um zu erfahren, wie einfach der Kauf und Download ist. Normalerweise liegen die Preise zwischen 40 und 120 Euro pro Paket.

Für welche Zielgruppe sind solche Angebote Ihrer Meinung nach interessant?
Lohwieser: Für alle, die in Print oder Online publizieren und die Wert auf qualitativ hochwertige Serviceangebote für Ihre Leser/Nutzer legen. Wir gehen davon aus, dass vor allem Zeitschriftenverlage, Anzeigenblätter, Kundenmagazine und Onlinemagazine unser Angebot nutzen. Also all jene, für die sich ein übliches Agenturabonnement nicht lohnt, die aber trotzdem regelmäßig guten Content benötigen.

Derzeit werden Testpakete noch zum Preis von einem Euro angeboten.

Wie viele Texte / Fotos / Videos / Audios / Produkte bieten Sie zurzeit an und wie häufig planen Sie, zu aktualisieren?
Lohwieser: Wir sind mit mehr als 300 Themenpaketen gestartet. Es kommen aber täglich neue Inhalte dazu. So werden wir pro Ressort zwei bis drei neue Themenpakete pro Woche hochladen, das heißt, es kommen insgesamt etwa 30 Pakete pro Woche neu hinzu.

Sie versprechen Ihren Kunden "Qualitätsjournalismus zu niedrigen Preisen" - schließt sich das nicht aus?
Lohwieser: Nein, überhaupt nicht. Wir gehen ja davon aus, dass sich jeder Text mehrfach verkauft. Bei Raufeld Content handelt es sich in erster Linie um eine Weitervermarktungsplattform für unsere eigenen Texte und nicht um exklusiv erstellte Inhalte. Deshalb sind solche Preise möglich.

Und was antworten Sie Kritikern, die sagen, Sie betreiben einen "Ramsch-Basar"?
Lohwieser: Wieso Ramsch? Ramsch ist qualitativ minderwertige Ware. Das sind unsere Pakete keineswegs, im Gegenteil. Unser Angebot ist sehr günstig und dagegen ist meines Erachtens nichts einzuwenden.

Jens Lohwieser (Jahrgang 1968) ist Gründer und Geschäftsführer der Raufeld Medien GmbH. Zuvor war er als Ressortleiter und Redakteur der Berliner Zeitung und als freier Journalist tätig.

Bislang gibt es nur wenig vergleichbare Angebote am deutschen Markt - wie setzt sich Raufeld Content etwa von DieRedaktion oder Demand Media ab?
Lohwieser: Raufeld Content unterscheidet sich grundlegend von den genannten Angeboten. Wir sind kein Markplatz, wo Autoren und Verlage aufeinander treffen und ins Geschäft kommen, sondern ein Dienst, der Redaktionen und Agenturen Themen anbietet. Wir haben ein eindeutiges Profil, das im Servicejournalismus angesiedelt ist. Alle Texte kommen aus unserer Redaktion und sind entsprechend geprüft. Wir garantieren zudem Aktualität und Relevanz und lassen nicht einfach automatisch Archivtexte auf unsere Plattform einlaufen.

Die Transaktion im Shop funktioniert per Paypal oder Kreditkarte. Nach dem Bezahlen kann der Kunde einfach per Mausklick einen Zip-Ordner herunterladen und die Inhalte sofort digital weiterverwenden.

Welche Rolle spielen dabei die von Ihnen angebotenen Komplettpakete?
Lohwieser: Wir glauben, dass dieser Service ein weiterer Erfolgsfaktor ist. Wir stellen ja den Redaktionen alles zusammen, was sie zur Produktion ihres Produkts brauchen: Texte, Bilder, Grafiken inklusive Überschriften, Bildunterzeilen usw. Unter anderem auch Inhalte, die sich nicht auf unserem Portal finden, quasi auf Bestellung. Nicht zuletzt unterscheiden wir uns natürlich durch die niedrigen Preise.

Wie viele Redakteure arbeiten für Raufeld Content? Handelt es sich dabei ausschließlich um freiberufliche Journalisten?
Lohwieser: Hinter Raufeld Content steht die gesamte Redaktion von Raufeld Medien, die aus etwa 20 Fachredakteuren besteht. Dazu kommen noch mal mehr als hundert freiberufliche Autoren, mit denen wir zum Teil schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten.

Qualitätskriterium des Shops: Alle Produkte sind redaktionell und PR-frei aufgearbeitet.

Sie werben damit, Raufeld Content sei garantiert PR-frei. Welche Rolle spielt journalistische Qualität bei seichteren Service-Themen? Warum ist der Slogan "garantiert PR-frei" so wichtig?
Lohwieser: Zum einen, weil es inzwischen sehr viele Portale gibt, die Redaktionen kostenlose Inhalte anbieten, die zunächst redaktionell anmuten, aber hinter denen pure PR steckt. Von denen möchten wir uns abgrenzen. Und zum anderen, weil es im Servicejournalismus ein - manchmal leider nicht ganz unberechtigtes - Vorurteil ist, dass es sich um gekaufte Texte handelt. Dies ist bei unseren Texten nicht der Fall.

Redaktionsleiter ist Bildblog-Gründer Christoph Schultheis. Welche Rolle spielt er als Imageträger?
Lohwieser: Keine. Ich glaube auch nicht, dass das Image von Raufeld Medien aufgebessert werden müsste.
Christoph Schultheis spielt aber eine Rolle als hervorragender Journalist, der mit seiner Erfahrung, seiner Unbestechlichkeit und seinen journalistischen Ansprüchen für den Dienst äußerst wertvoll ist.

Die Raufeld Medien GmbH wurde 2004 von Jens Lohwieser gegründet und Tageszeitungen auf die Redaktion, Gestaltung und Herstellung journalistischer Printprodukte im Servicebereich für Tageszeitungen sowie die Steuerung redaktioneller Projekte spezialisiert. Dazu zählen u.a. Seiten der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau sowie das Magazin Drehscheibe. Für die hervorragende Qualität der Service-Seiten der Berliner Zeitung wurde Raufeld Medien 2004 mit dem Journalistenpreis für Verbraucherjournalismus ausgezeichnet. Die Jury des European Newspaper Award verlieh Raufeld Medien 2005 einen Award of Excellence für Layout und Konzept ihrer Kulturbeilagen.

2004 haben Sie sich mit Raufeld Medien selbstständig gemacht. Was hat sich seitdem am Markt verändert?
Lohwieser: Wir sind als externe Zeitungsredaktion gestartet und haben vor allem Service- und Kulturseiten sowie Beilagen für Zeitungsverlage produziert. Außerdem haben wir medienpädagogische Projekte für Tageszeitungen konzipiert und organisiert. Das sind auch nach wie vor Schwerpunkte unserer Arbeit, allerdings hat sich - analog der Entwicklung in den Medien - unser Portfolio erheblich erweitert. Inzwischen machen wir zunehmend Magazine und Corporate Publishing-Produkte und realisieren Online-Portale und Apps. Gerade haben wir zum Beispiel den Internetauftritt des Polit-Magazins Cicero inhaltlich und optisch komplett überarbeitet.

Reisepakete wie das über die Inka-Ruinenstadt Machu Picchu in Peru wurden bereits mehrfach verkauft.

Was werden journalistische Produkte künftig mehr sein - Low-Budget oder High-End-Angebote?
Lohwieser: Beides. Es wird vermutlich viel billigen und kostenlosen Trash geben, noch mehr als bisher. Aber es werden auch qualitativ hochwertige Medien überleben oder sogar neu hinzukommen. Diese werden jedoch nur noch von jenen konsumiert, die es sich leisten können, dafür relativ viel Geld zu bezahlen. Denn das Geschäft mit Anzeigen wird in Zukunft keine so große Rolle mehr spielen und man wird auf die Vertriebserlöse angewiesen sein, die dadurch enorm steigen.

Welche Ziele haben Sie sich mit Raufeld Content für die Zukunft gesteckt?
Lohwieser: Bis zum Ende des Jahres möchten wir pro Tag zehn Themenpakete verkaufen.

Weiterlesen

Meedia.de berichtet über den Start von Raufeld Content

Mediendienst kress meldet: Bildblog-Mitgründer Schulteis leitet die Redaktion

W&V berichtet: "Journalismus zu Ramsch-Preisen"

Meldung des regionalen Wirtschaftsportals berlin.businesson

Dwdl über die Zusammenarbeit zwischen Raufeld und dpa

Raufeld auf Twitter

Redaktionsrundgang und Interview mit Redaktionsleiter Christoph Schultheis

Meedia.de über Demand Media: Das Ende des Journalismus?

Medien Monitor-Artikel zum Launch von DieRedaktion.de

Interview: Sarah Hinderer

Foto: Raufeld Medien

Screenshots: Sarah Hinderer

Veröffentlicht: 16.07.2011
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