Probleme sind Programm
In der Wirtschaft hat man sie schon für beendet erklärt, die Krise. Im Wissenschaftsjournalismus hingegen ist mit nicht mit einer wundersamen Konjunkturerholung zu rechnen. Deshalb ist die Krise auch noch da, ganz oben auf der Themenliste, als erster Programmpunkt: "Wege aus der Krise. Welche Geschichten über die Wissenschaft braucht die Öffentlichkeit?" Vortragender ist Bernd Buchholz, Vorstandsvorsitzender von Gruner + Jahr. Die Personalpolitik seines Verlages (und anderer Verlage) legt nahe, dass die Antwort lauten wird: Geschichten, die man mit wenig Leuten billig produzieren kann.
Gut, dass in den restlichen Vorträgen viel Zeit bleibt, sich mit den Konsequenzen dieses beliebten Ansatzes auseinanderzusetzen. Redaktionsinterne Konkurrenz, Konkurrenz mit den Freien, Konkurrenz um die Themen ("Feilschen Sie mit im Storybazar!"). Und, na klar, Konkurrenz mit dem Internet.
Ging es in der Vergangenheit um Selbstfindung und Selbstbehauptung im Wissenschaftsjournalismus, so geht es dieses Mal um Selbsterhaltung. Wie man sich gegen ein wachsendes Heer von PR-Profis behauptet, schummelnde Wissenschaftler durchschaut, überhaupt: Wie man ein guter Wissenschaftjournalist ist, spielt im diesjährigen Programm eine untergeordnete Rolle. Auch im wissenschaftlichen Teil überwiegt die Problembewältigung: Klimawandel, Energiefragen, die fragliche Qualität von Vorsorgeuntersuchungen.
Gute Preise, schlechte Preise
Einzig beim Veranstalter dürfte sich angesichts solcher Themen keine Depression breitmachen. Die Teilnehmerzahlen steigen stetig. 2004 kamen 345 eifrige Teilnehmer, 2008 waren es bereits 497. Über die Hälfte der anwesenden Journalisten kam aus dem Printbereich. Immerhin 29 Prozent der Teilnehmer kamen aus dem Bereich Wissenschaftskommunikation. Die Wissenschaft lernt immer besser, Werbung für sich selbst zu machen.
Organisiert wird die Wissenswerte von der Initiative Wissenschaftsjournalismus, ihrerseits finanziert von der Robert Bosch Stiftung, dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und BASF. Zu den weiteren Partnern gehört neben Verbänden wie dem DJV auch Sanofi Aventis. Die Pressesprecher großer Konzerne wissen um die Bedeutung von Qualitätsjournalismus. Denn was bringt mediale Aufmerksamkeit, wenn keiner den Journalisten über den Weg traut?
Um inmitten der Krise die Blüten des Fachs zu feiern, sponsert der Pharmakonzern denn auch den Heureka Journalistenpreis, der Montagabend verliehen wird. Wer sich dabei übergangen fühlt, sollte am Dienstag an der Veranstaltung teilnehmen: "Gute Preise, schlechte Preise - Was bringen Journalistenpreise?" Und schon ist es wieder da: das Konkurrenz-Thema.
Das Programm der Wissenswerten als PDF
Ein Blick in der Vergangenheit:
Blog zur Wissenswerten 2008
Eine kurze Sendung zum Stand des Wissenschaftsjournalismus
Ein Blick in die Zukunft:
Wissensvermittlung als Computerspiel
Text: Nora Schlüter
Alle Bilder: Messe Bremen


