Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Medienwirtschaft

ProSiebenSat.1 verkauft N24

Für ProSiebenSat.1 sind Nachrichten zu unrentabel. Der Medienkonzern sourct den Nachrichtensender N24 aus und spart sein Geld. Die Nachrichten produziert er in Zukunft nicht selbst, er kauft sie ein. Seitens der Landesmedienanstalten sorgt man sich um die Qualität der Nachrichten bei den Privatsendern ProSieben, Sat.1 und kabel eins.

Mehr als die Hälfte gehört ihnen: Torsten Rossmann und Stefan Aust.

Berlin. Die ProSiebenSat.1 Media AG hat sich von seinem Nachrichtensender N24 getrennt. Die beiden Vertragspartner haben heute (16.6.2010) den Vertrag unterzeichnet. Zu den Käufern gehören unter anderem der N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann und der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust.

Bis Ende 2016 liefert N24 weiterhin sämtliche Nachrichtenformate für die TV-Sender ProSieben, Sat.1 und kabel eins. Zudem produziert der Sender bis 2014 das Sat.1-Frühstücksfernsehen und -Magazin. Der neue Chefredakteur von N24 wird Arne Teetz, der bisherige stellvertretende Chefredakteur. Peter Limbourg, der ehemalige N24-Chefredakteur, wechselt ins Ressort Nachrichten und Politische Information bei ProSiebenSat.1.

Mehr als die Hälfte geht an Rossmann und Aust

Die jeweiligen Anteile des neuen Managements von N24.

Rossmann und Aust übernehmen jeweils 26 Prozent der Anteile. Rossman ist als Vorsitzender der Geschäfstführung der neue Chef von N24. Aust kümmert sich vorwiegend darum, neue Aufträge für Dokumentationen und Reportagen zu akquirieren.

Mit je zwölf Prozent sind Thorsten Pollfuß, ehemaliger kaufmännischer Leiter von Spiegel TV, die Geschäftsführerin von MAZ&MORE Maria von Borcke sowie die N24-Manager Frank Meißner und Karsten Wiest, dabei.

Durch den Verkauf entstehen ProSiebenSat.1 nach eigenen Angaben einmalige Kosten in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro. Demgegenüber stehen jährliche Einsparungen von schätzungsweise jährlich 25 Millionen Euro ab 2011.

Aussagen der beiden Hauptanteilseigner

Dr. Torsten Rossmann: "Mit N24 Media entsteht ein im deutschen TV-Markt einzigartiges Produktionsunternehmen, dessen Portfolio von Hard News bis zu Boulevard-Formaten reicht. Dank lang laufender Produktionsverträge mit der ProSiebenSat.1-Gruppe verfügen wir über alle Voraussetzungen, um ein leistungsstarkes Produktionsunternehmen um den Sender N24 herum aufzubauen, das sich langfristig im Markt behaupten kann. Einen Sender wie N24 aus einem TV-Konzern herauszulösen, ist ein Novum in Deutschland und ein komplexer Prozess. Wir sehen die Potentiale und nehmen die Herausforderung sowie die Verantwortung für die Mitarbeiter gern an."
Stefan Aust: "Ich freue mich, dabei zu sein und dieses Unternehmen zusammen mit meinen Partnern aufzubauen. Meine Aufgabe wird es vor allem sein, mich ab sofort um zusätzliche Aufträge für neue Reportagen und Dokumentationen zu kümmern, die der neuen Unternehmensgruppe zugute kommen und zusätzliche Beschäftigung sichern."

Landesmedienanstalt: Kritik am Verkauf

"Das Budget für Nachrichten darf nicht immer weiter heruntergefahren werden", Thomas Langheinrich von den Landesmedienanstalten.

N24 will nach eigenen Angaben die Mitarbeiterzahl von 218 um ein Drittel auf 141 reduzieren. Aber nicht nur deswegen sieht die Landesmedienanstalt die Abspaltung des Nachrichten-Kanals kritisch. "Angesichts der angekündigten erheblichen Budgetkürzung und des Arbeitsplatzabbaus bei N24 sind berechtigte Zweifel angebracht, ob damit noch qualifizierte Nachrichten bei der Sendergruppe gewährleistet werden können", so Thomas Langheinrich, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM).

Der Verkauf würde sich unmittelbar auf die Informationsqualität im dualen System auswirken. Auch nach dem Verkauf von N24 sei die ProSiebenSat.1 Media Group aufgrund ihres hohen Marktanteils dazu verpflichtet, ein breites Nachrichtenangebot auszustrahlen.

Text: Sami Skalli

Quelle: ProSiebenSat.1 Media AG, N24 Media GmbH

Bilder: obs/N24 Media GmbH, ProSiebenSat.1 Media AG, Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten der BRD (ALM)

Grafik: Sami Skalli

Veröffentlicht: 16.06.2010
Bitte gib hier die rechts gezeigte Zahl ein. Dies dient zur Abwehr automatisierter Einträge. CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn du die Zahl nicht lesen kannst, hier klicken.
Hinweis: Kommentare werden moderiert.


Pflichtlektüre

Eldoradio

DO1 TV

Journalistik Journal

Köpfe & Karrieren | Trends & Technik | Kritik & Kurioses | Spezial | News | Blog
 Suche | Newsfeeds | Redaktion | Impressum