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Medienforschung

Print goes mobile

Mit der Zahl der Smartphone- und Tablet-PC-Nutzer steigt die Nutzung des mobilen Internets. Die Verlage reagieren darauf, bieten mobil optimierte Websites und Apps an. Was fehlte, waren bisher jedoch wissenschaftliche Erkenntnisse, wie diese Angebote genutzt werden. Martin Krieg promoviert an der Uni Trier zur Rezeption von mobilen Angeboten. Dem Medien Monitor hat er schon vor Abschluss der Arbeit erste Ergebnisse präsentiert.

Mobil optimierte Websites und Apps von deutschen Tageszeitungen bilden die Grundlage für Martin Kriegs Studie. Ein medienübergreifender Überblick: Print, Audio und Slideshow.

Print: Steckbrief der Studie

Audio: Umfassende Ergebnisse der Studie

Slideshow: Der Aufbau der SZ-App erklärt von Martin Krieg
Martin Krieg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Trier und schreibt seine Dissertation zur mobilen Rezeption von Tageszeitungsangeboten.

Steckbrief der Studie

Ziel: Martin Kriegs Ziel ist, die Rezeption von mobilen Angeboten zu erforschen. Darunter fallen unter anderem Aspekte der Nutzerfreundlichkeit. Untersucht hat er die mobil optimierte Website der Süddeutschen Zeitung und die Applikation der Süddeutschen Zeitung.

Umstand: Angefangen hat Martin Krieg mit seiner Studie im Januar 2010 mit einer formalen und inhaltlichen Analyse der deutschsprachigen mobilen Tageszeitungsangebote, im Sommer 2010 folgte dann eine Rezeptionsstudie. Bereits im Oktober 2009 hatte das Solinger Tageblatt als erste regionale Tageszeitung die erste Tageszeitungs-App auf den Markt gebracht. Weitere Zeitungen folgten. In der publizierten Liste mobiler Dienste des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) waren seinerzeit 88 Dienste gelistet, darunter jedoch nicht nur Applikationen, sondern auch mobil optimierte Portale und SMS-Angebote. Inzwischen sind es über 230 Dienste. Deshalb hat Martin Krieg die Studie im Sommer 2011 noch einmal wiederholt. Über seine vorläufigen Ergebnisse hat er mit dem Medien Monitor gesprochen.

Die App der Süddeutschen Zeitung verfügt über ein Farbleitsystem.

Die Methode: Martin Krieg hat in der Rezeptionsstudie zwei Methoden kombiniert: Blickaufzeichnungen und lautes Denken. Wie die Probanden sich mit den Augen durch das mobile Angebot gesucht haben und wo sie wie lange mit den Augen verweilt haben (z.B. bei Überschriften oder Bildern), wurde während der Ausführung von zwei Aufgaben anhand einer Blickaufzeichnungskamera festgehalten. Die zweite Methode ist das so genannte laute Denken. Hier sollten die Versuchsteilnehmer ihre Eindrücke bei der Rezeption schildern und Probleme mit den mobilen Nachrichtenangeboten benennen.

Die Aufgabenstellung: 14 Probanden sollten zwei Aufgaben einmal im mobil optimierten Angebot der Süddeutschen Zeitung und einmal in der App der Süddeutschen Zeitung bewältigen. In der ersten Aufgabenstellung sollten sie sich in die Situation versetzen, dass sie auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch für ein journalistisches Volontariat sind. Sie sitzen in der S-Bahn, haben noch drei oder vier Haltestellen und wollen sich noch schnell über die aktuelle Nachrichtenlage informieren. Erhoben wurde so das freie Flanieren im Angebot. Das zweite Szenario ist ähnlich: Der Proband sollte sich nun aber in die Situation versetzen, dass es nur ein paar Minuten bis zum Vorstellungsgespräch sind. Ein Mitbewerber sagt ihm, er wäre im Gespräch zum Rücktritt Horst Köhlers befragt worden. Erhoben wurde hier die gezielte Suche nach einem Artikel mit einer Zeitvorgabe.

In der mobil optimierten Website fiel den Probanden die Orientierung schwerer als in der App.

Ergebnisse: Zwischen der App und der mobil optimierten Website der Süddeutschen Zeitung waren deutliche Unterschiede zu erkennen.

Ein großer Vorteil der App ist das Farbleitsystem, das jedem Ressort eine Farbe zuordnet. Die Bedienung erschließt sich intuitiv. Das half den Probanden bei der Orientierung in der App. Zudem gibt es eine fest stehende Navigationsleiste in der App, die das Navigieren und Suchen vereinfacht. Nicht so nutzerfreundlich ist jedoch, dass die Apps erst in einem Appstore heruntergeladen werden müssen. Die mobil optimierte Website ist hingegen leicht über den Internetbrowser eines Handys erreichbar.

In der mobil optimierten Website waren die Ressorts nicht gekennzeichnet und die Probanden verloren schnell die Orientierung. Der Suchprozess war hier deutlich komplexer als in der App. Zudem wurde der Handybildschirm nicht immer optimal genutzt und es entstanden Leerflächen, die den Überblick erschwerten. Lange Ladezeiten und nicht verlinkte Bilder wurden in der mobil optimierten Website ebenfalls kritisiert. Die Bilder stellten jedoch sowieso einen Schwachpunkt des Angebots dar: Die Blickaufzeichnung hat gezeigt, dass sie nur kurz gestreift werden und nicht bei der Orientierung halfen. Martin Krieg führt das auf die Briefmarkengröße der Bilder zurück, deren Inhalt auf dem kleinen Handyschirm nur schwer zu erkennen ist. Die Navigation war nur anhand der Browser-üblichen Vor- und Zurück-Buttons möglich.

Zukunftsvision: Martin Krieg sieht in Web-Apps ein Folgemodell für Apps und mobil optimierte Websites. Die Web-Apps sollen durch den Internetbrowser erreichbar sein. Sie sollen aber die Aufmachung und Nutzerfreundlichkeit von bisherigen nativen Apps haben, die über einen Appstore distribuiert werden. Wenn man vom Smartphone aus in dem Browser die Homepage einer Zeitung aufruft, könnte so nicht mehr die mobil optimierte Website des stationären Webs erscheinen, sondern eine extra für das Smartphone mit HTML5 programmierte Web-App. Diese Web-App könnte wie der Vorgänger, die native App, aussehen. Da man sie im Browserfenster öffnet, wäre die Browserzeile jedoch sichtbar.

Diese Form eines mobilen Angebots könnte sowohl für die Verlage als auch für die Nutzer bequemer sein. Die Verlage müssten keine Tantiemen mehr an App-Stores zahlen, die ihre Apps vertreiben. Zudem müssten sie ihr Angebot nicht immer wieder an die auf dem Markt vorhandenen Betriebssysteme der Smartphones anpassen. Nutzer hingegen müssten nicht jede App, die sie interessiert, auf ihr Smartphone herunterladen. In welcher Form für das Angebot bezahlt werden könnte, ist noch unklar. Das Netzwerk Xing bietet beispielsweise bereits eine solche Web-App an.

Audio-Beitrag: Umfassende Ergebnisse der Studie

Martin Krieg geht in seiner Dissertation der Frage nach, wie mobile Angebote von deutschen Tageszeitungen genutzt werden. Anhand von Blickaufzeichnungen und lautem Denken wertet er die Nutzung aus: Wie bewegt sich ein Nutzer durch das Angebot, wo bleibt er mit seinen Augen hängen und wo gibt es vielleicht Probleme mit der Nutzerfreundlichkeit? Dabei hat erst der Durchbruch des Internets Mitte der 90er Jahre den Grundstein für mobil optimierte Websites und Applications gelegt.

Die Rezeption von Apps und mobil optimierten Websites (3:53 Min. / 3,66 MB)

Slideshow (1:28 Min. / 4,0 KB)

Zur Person

Martin Krieg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Trier und schreibt seine Dissertation zur mobilen Rezeption von Tageszeitungsangeboten. Zuvor hat er in Mainz Publizistik, Politik und VWL studiert und war Mitarbeiter am Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen in Mainz. Sein Ziel ist es, wieder in der Marktforschung zu arbeiten.

Links

Martin Krieg an der Uni Trier

Tageszeitungen auf dem iPad

Der Streit zwischen Tageszeitungsverlegern und öffentlich-rechtlichem Rundfunk: Die Tagesschau-App

Text/Audio/Slideshow: Naemi Goldapp; Foto: Goldapp; Screenshots: Krieg (2), Goldapp (1)

Veröffentlicht: 10.10.2011
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