Premiere in der Virtualität
30 Millionen Euro hat das ZDF für sein neues virtuelles Studio ausgegeben. Es ist das modernste in ganz Europa – und es soll die geänderten Sehgewohnheiten der Deutschen befriedigen. Mit Grafiken und 3D-Modellen will das ZDF besser und verständlicher die Welt erklären. Die beiden Premieren der Nachrichtensendungen am Freitag (17.07.2009) verliefen reibungslos und eines wurde klar: "heute" ist nicht mehr so, wie es gestern war.

- Die "heute"-Uhr im neuen Design.
Nach der Werbung erscheint die Uhr. Sie sieht anders aus als sonst. Der Sekundenzeiger bewegt sich auf Punkt sieben zu. Diese digitale "heute"-Uhr läutet beim ZDF das virtuelle Zeitalter ein. Als die "heute"-Sendung beginnt, steht Moderator Steffen Seibert an einem breiten, geschwungenen Holzpult. Er stellt die Themen des Tages vor. Doch die stehen für viele Zuschauer jetzt nicht im Vordergrund. Sie wollen wissen: Wofür wurden die Rundfunkgebühren investiert? Und: Hat es sich gelohnt?
Für 30 Millionen Euro hat sich der öffentlich-rechtliche Sender ein neues "Sendezentrum" auf dem Lerchenberg in Mainz gebaut, nach Plänen des Architekturbüros Axthelm aus Potsdam. Hier werden jetzt "heute", das "heute-journal", "heute nacht" und das Wetter produziert. "logo!" und das "ZDF-Mittagsmagazin" sowie "blickpunkt" und das "ZDFwochen-journal" folgen im Herbst. Das 25 Jahre alte Studio "musste reinvestiert werden", sagt ZDF-Sprecherin Christina Betke. Es war zu klein, die Decken hingen nicht hoch genug – "deswegen fiel die Entscheidung, neu zu bauen". Bei der Grundsteinlegung im Mai 2007 sagte Intendant Markus Schächter: "Das neue ZDF-Nachrichtenstudio soll künftig an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden dem Informations- und Qualitätsanspruch der Zuschauer in einer digitalen Welt gerecht werden." Große Worte.
- Bebaute Fläche: 2650 m2
- 18 Terrassen
- Studio N1: 690 m2
- Studio N2: 340 m2
- 3 Roboter-Kameras (2 in N1, 1 in N2)
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Die Moderatoren bewegen sich durchs Studio

- Steffen Seibert im neuen virtuellen Studio.
Und es hat sich wirklich viel geändert: Eine "aerodynamische Theke", wie Welt Online schreibt, ist das dominierende Element im blauen virtuellen Studio. Weiße Linien bewegen sich im Hintergrund, sie sollen dem Raum Tiefe geben. Und ganz neu: Die Moderatoren haben Beine! Falls Claus Kleber sonst an heißen Tagen eine kurze Hose und Sandalen "unten drunter" im Studio getragen hat, hat das jetzt ein Ende. Die Moderatoren bewegen sich durch das Studio. Sie suchen die so genannten "Erklärräume" auf, in denen Schaltgespräche und Animationen gezeigt werden.
Vieles bewegt sich im neuen Studio. Die Hintersetzer, also "die Standbild- oder Animationsgrafik[en] auf dem Studiomonitor im Hintergrund des Moderators" (medienhb.de), werden hintereinander gezeigt und begleiten erzählend die Moderation. Es ist ein munteres Bildchen-Wechsel-Dich-Spiel. Um die Machtverhältnisse im Kieler Parlament aufzuzeigen geht Seibert zu einer Grafik. Er erklärt und zeigt darauf wie der Wettermensch. Via Google Earth fliegt der Zuschauer vom Weltall aus bis nach Jakarta zum Marriot Hotel. Zum Thema "Pannen im Atomkraftwerk Krümmel" erscheint ein 3D-Modell: das Sorgenkind der Atomenergiebehörde ganz in Grau, die Orte der Vorfälle werden in Orange eingeblendet.

- Die Regie muss viele Monitore im Auge behalten.
[orangeboxright] "Grüne Hölle"
Die neuen Studios N1 und N2 sind komplett grün gestrichen und werden von den Moderatoren "Grüne Hölle" genannt. Manche haben "Probleme mit dem Farbklima", sagt Robert Sarter, Leiter des Entwicklungs- und Probebetriebs Neues Nachrichtenstudio. Erschwerend für die Orientierung komme hinzu, dass es keine Ecken und Kanten gibt. [/orangeboxright]
Wirklich beeindruckend ist die Animation zur Mondlandung im "heute-journal". Der Zuschauer sieht die Raumfähre Apollo 11 und ihren Weg zum Mond. Und während Claus Kleber an diesen großen Moment der Menschheitsgeschichte erinnert, steht der Mond hinter ihm am Studio-Himmel. Ein ziemlich neues Nachrichtenerlebnis.
Am Ende der Sendung bittet der Moderator in der "grünen Hölle" (siehe Info-Box): "Bleiben Sie uns bitte gewogen." Er fordert die Zuschauer auf, sich zu melden: im Chat, der kurz darauf mit 750 Leuten restlos überfüllt ist, per E-Mail oder per Fax. Und einen "altmodischen Briefkasten" habe das ZDF auch noch.
Die Reaktionen sind gespalten
Die Reaktionen im Forum des ZDF auf das neue Nachrichten-Outfit sind gespalten. "Neues Studio spendet Trost" schreibt Zorro, lausbub007 findet es "nicht gelungen". Elmar Theveßen, stellvertretender ZDF-Chefredakteur, ist überwältigt: "Wow, was für eine Menge von Einträgen. Ganz herzlichen Dank für das Lob!!! Gerade weil wir mit dem neuen Studio auch etwas ganz neues wagen wollten und das Team hinter der Sendung alles dafür gegeben hat, freuen wir uns sehr", schreibt er hocherfreut. "Wir wollen modern, frisch, cool und auch mit einem Schuss 'spacey' daherkommen. Aber uns ist vor allem die Kritik auch besonders wichtig, weil wir uns mit diesem Studio in den Bereich Forschung und Entwicklung begeben haben und uns die Möglichkeiten der Technologie erobern müssen."
[orangebox] Weitere Links
Das neue ZDF-Nachrichtenstudio
Als hätte es die Mainzelmännchen nie gegeben, Ulf Poschardt und Alan Posener, Welt Online, 19. Juli 2009
Die "grüne Hölle" ist eröffnet, Katharina Miklis, stern.de, 17. Juli 2009
Text: Agnes Absalon
Teaser-Foto: Carmen Sauerbrei/ZDF
Fotos: Horst Schick, Berthold Lithjes und Carmen Sauerbrei (alle ZDF)

Großer Murks, zu viel high tech, zu viel Unruhe im Bild,speziell, wenn der Moderator vor der Weltkarte steht (standard) laufen seltsame weiße Blöcke auf den Linien durchs Bild. Empfinde meine Gebühren als verschwendet! Eine gute Sendung (bzw. 2) wurde verschlimmbessert.
MfG
Hermann
Das ist eine Kritik, die viele heute-Zuschauer teilen. Die Diskussion kann man unter dem Link "Das neue ZDF-Nachrichtenstudio" mitverfolgen.