Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Phantastische Fantasy

Fantasy…das ist, wenn pubertierende Briten auf Besen fliegen und der Ring im Schmuckkästchen zum gefürchteten Feind wird und vernichtet werden muss. Wenn Schwerter klirren und Pfeile durch die Luft sirren. Doch was genau hat es mit dem Genre auf sich, und was ist der Unterschied zwischen Fantasy und Phantastik? Eine Einführung in unglaubliche Welten.

Träumerei: Oft führt Fantasy in fremde Welten (Foto von einem Sonnenuntergang). Foto: Katja Reich
Foto: Katja Reich

Phantastisch ist "in": Viele vor allem jüngere Menschen haben Bücher und Filme für sich entdeckt, die sich um Dinge drehen, die es so in der Wirklichkeit nicht gibt: Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, magische Gegenstände, Fabelwesen. In Welten, die in sich stimmig sind, mit einer eigenen Sprache, Geografie, Kulturgeschichte – so wie Tolkiens Mittelerde. Oder in Geschichten, die in unserer Welt spielen, Fantasy ganz nah sind. So wie Rowlings "Harry Potter". Oder in Romanen, die von mehreren Welten zugleich erzählen – wie Michael Endes "Die Unendliche Geschichte". Dabei wird das Phantastische beinahe immer als real betrachtet – als der Mythos, über den sich nicht streiten lässt, der unberührt bleibt. Das Irreale als Teil der Realität eines Romans, einer Serie oder eines Spielfilms.

Auf der Kinoleinwand vergoldet

Spätestens seit 2001 der erste Teil der "Herrn der Ringe"-Trilogie, "Die Gefährten", erfolgreich in den Kinos lief, ist klar: Fantasy kann viele begeistern, und mit Fantasy lässt sich jede Menge Geld machen. Alle sieben Bücher der Reihe "Harry Potter" verkauften sich quasi phantastisch gut, und spätestens ab dem vierten Teil ("Harry Potter und der Feuerkessel") konnte der Buchhandel von einem Boom sprechen. Alle Episoden der Reihe wurden und werden obendrein im Kino vergoldet. Weitere Buchreihen, die es auf die Leinwand geschafft haben: "His Dark Materials" von Philip Pullman, der Klassiker "Die Chroniken von Narnia" von C.S. Lewis, "Eragon" von Christopher Paolini, und, ganz neu, Cornelia Funkes "Tinten"-Trilogie. Jugendbücher und -filme, die längst nicht nur Jugendliche begeistern.

Begonnen hat die Geschichte der modernen Fantasy, da sind sich viele Fans heute einig, 1930: Ein gewisser Oxford-Professor namens John Ronald Reuel Tolkien kritzelte die Worte "In a hole in the ground there lived a Hobbit" ("In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit") auf ein Stück Papier: Die ersten Worte von "Der kleine Hobbit". Mit dem Kinderbuch erlebte Tolkiens Universum seinen Urknall. Und wurde zum Vorbild für die Fantasiewelten vieler weiterer Autoren. "High Fantasy" nennt man Fantasy im Stile des Altmeisters. Das sind Geschichten, die in einer meist mittlelalterlichen Welt spielen und in denen es nicht nur mutige Menschen, sondern auch mysteriöse Elben, eigenwillige Zwerge und böse Orks gibt. Doch es existieren noch weitere Formen des Genres, zum Beispiel die eher düstere Dark Fantasy ("Der Turm" von Steven King).

Fantasy und Phantastik

Untergeordnet ist die Fantasy der Phantastik. Zum phantastischen Genre gehören unter anderem auch die Science Fiction, der Horror, Göttermythen und die klassischen Märchen. Oft verschwimmen jedoch die Genre-Grenzen: So ist es schwer zu sagen, ob George Lucas’ Welträummärchen "Star Wars" Science Fiction, Fantasy oder etwas dazwischen ist. Oder wo ein Mittelalter-Roman einzuordnen ist, der viele historische Tatsachen, jedoch auch Fantasy-Elemente enthält. Viele Wissenschaftler zählen zur Phantastik auch die Geschichten, in denen es nicht klar ist, ob etwas Übernatürliches tatsächlich passiert oder nur die Einbildung zum Beispiel eines Charakters ist.

Letztendlich müssen Leser und Zuschauer selbst entscheiden, welche Geschichte ihnen gefällt – zu welchem Genre sie letztendlich gehört, ist da wohl nur den Literaturwissenschaftlern unter den Fantasy-Fans wichtig.

Als Journalistin und gleichzeitiger Phantastik-Fan interessiert es mich, was viele Menschen an der Fantasy begeistert – und was wiederum diejenigen abschreckt, die phantastische Geschichten nicht mögen. Für mich ist Fantasy Urlaub im Kopf - es macht Spaß, für kurze Zeit Teil einer originellen, spannenden und mitunter tiefgründigen Geschichte zu sein. Doch wann wird der Urlaub zu Flucht, wann wird die Grenze zum Eskapismus überschritten? Ich hoffe auf spannende – ruhig auch phantastische – Antworten.

Veröffentlicht: 14.06.2008
Bitte gib hier die rechts gezeigte Zahl ein. Dies dient zur Abwehr automatisierter Einträge. CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn du die Zahl nicht lesen kannst, hier klicken.
Hinweis: Kommentare werden moderiert.


Köpfe & Karrieren | Trends & Technik | Kritik & Kurioses | Spezial | News | Blog
 Suche | Newsfeeds | Redaktion | Impressum