Zu den News | Zum Inhalt

Medien Monitor

Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus




DruckenNorbert Heisterkamp: "Wenn ich morgen nicht komme, bin ich beim Film!"

Mit der RTL-Serie "Alles Atze" gelang Norbert Heisterkamp der Durchbruch als Schauspieler. Sein Weg führte ihn von einer Elektrikerlehre und einer Ausbildung zum Schweißfacharbeiter bei der Ruhrkohle AG über eine Stuntshow in einem Filmpark bis auf die Kinoleinwand. Ein Interview mit einem echten Ruhrgebietler. 

 

Foto: www.norbertheisterkamp.de
Norbert Heistermann begann seine Karriere als Stuntman.

Medien Monitor: Herr Heisterkamp, wenn man Ihren Werdegang betrachtet, fällt auf, dass Sie nicht den direkten Weg in die Schauspielerei genommen haben. Hätten Sie sich zu Beginn ihrer Elektriker-Lehre eine solche Karriere überhaupt vorstellen können?

 
Norbert Heisterkamp: Im Leben nicht! Aber man muss sagen, mir ist es auch einfach gemacht worden. Der Ausgangspunkt für meine Karriere war das Bodybuilding. Diesen Sport hab’ ich angefangen, weil ich als Kind im Gipsbett schlafen und ein Stützkorsett tragen musste. Meine Wirbelsäule war kaputt. Ich wollte dann als Jugendlicher Autoschlosser werden, hatte auch schon von einer Werkstatt die Zusage. Aber vom Arbeitsamt hieß es: "Der hat Einschränkungen, der darf nicht schwer heben." Und das war der Punkt, wo ich einfach das Stützkorsett weggeschmissen und mit dem Sport angefangen habe. Erst nur laufen und später auch verschiedene Sportarten. Mit 18 Jahren hab’ ich dann auch Bodybuilding gemacht. Alle haben mich für verrückt erklärt. Aber durch das Bodybuilding hab’ ich meine Wirbelsäulengeschichte in den Griff bekommen.

 

Bodybuilder, Stuntman und dann die ersten Nebenrollen am Filmset

Sie haben dann auch richtiges Wettkampf-Bodybuilding betrieben.

 

Heisterkamp: Das hatte ich am Anfang gar nicht vor. Ich bin da reingewachsen. Ich habe fleißig trainiert, mich immer besser gefühlt und gut Muskulatur aufgebaut. Und dann habe ich ein paar Wettkämpfe mitgemacht. Allerdings wurde mir schnell klar, dass ich da keinen Blumentopf gewinnen kann. Um erfolgreich zu sein, musst du wirklich irgendwelche Dopingmittel nehmen und das wollte ich auf keinen Fall.

 

Norbert Heisterkamp in der RTL-Serie „Alles Atze“.

Der erste Schritt auf der Karriereleiter war Ihr Engagement in einer Stuntshow im Bavaria Filmpark (heute: Movie Park) in Kirchhellen. Das war 1993. Wie ist es dazu gekommen? Sie haben damals ja noch bei der Ruhrkohle AG gearbeitet.

 

 

Heisterkamp: Mein damaliger Meister in der Schweißwerkstatt hat mich darauf hingewiesen. Der sagte zu mir: "Norbert, der Bavaria Filmpark macht auf. Da suchen sie so Typen wie dich!" Da hab’ ich spaßeshalber erwidert: "Ist gut! Wenn ich morgen nicht komme, bin ich beim Film!" Als ich am gleichen Tag auf dem Weg nach Hause war, stand ich mit meinem Auto an der Kreuzung an der roten Ampel und sah dieses Schild: Bavaria Filmpark. Da bin ich spontan hingefahren und genau den richtigen Leuten in die Hände gefallen. Die haben mich sofort zum Stunttraining eingeladen und schon war ich an den Wochenenden bei den Shows dabei. Ich konnte mir mit Spaß ein paar Mark dazuverdienen.

 

 

Sie haben anschließend auch eine richtige Stuntman-Ausbildung absolviert. Wie sind Sie dann mit dem Film- und Fernsehgeschäft in Berührung gekommen?

 

Heisterkamp: In Duisburg wurde 1994 die Krimiserie "Einsatz für Lohbeck" gedreht. Die Produktion hat sich die Stuntleute aus der Umgebung gesucht und ist auf die Crew des Bavaria Filmparks aufmerksam geworden. So bin ich ans Set gekommen. Dort war ich für die Stuntkoordination zuständig. Ich musste die Stunts vorbereiten, mir Locations anschauen und mit den Schauspielern Schlägereien trainieren. Danach hab’ ich ähnliches für den "7. Sinn" oder "Tatort" gemacht und irgendwann mit kleinen Rollen angefangen. Aufgrund meiner Statur und meiner Körpergröße fing das mit dem Türsteher an, der mal ein paar Leute verhauen musste. Später wurde ich immer mehr für Rollen und seltener für Stunts engagiert. Ich bin also in die Schauspielerei gerutscht, ähnlich wie ich zum Bodybuilding und zur Stuntshow gekommen bin. Ich wollte vorher nie Schauspieler werden, aber ich habe die Chance, die ich bekommen habe, wahrgenommen und weitergemacht.

 

Vor seiner Comedy-Zeit spielte Heisterkamp oft den "Bösewicht"

www.norbertheisterkamp.de
Norbert Heisterkamp hat zu Beginn seiner Karriere oft den „Bösewicht“ gespielt.

Können Sie sich noch an Ihre erste größere Sprechrolle erinnern?

 

Heisterkamp: Oh ja, die werde ich nie vergessen. Es gab 1993 die ARD-Sendung "Fahrschule Kampmann", in der ich einen Fahrradfahrer gespielt habe. Die Szene war so, dass ein Fahrschüler unaufmerksam war und mich beinahe umgefahren hätte. Da waren meine Sätze: "Kannst du nicht aufpassen, du Döskopf. Ich bin hier auf meinem Fahrrad unterwegs. Ich zieh’ dich gleich aus dem Auto raus!" Ich hatte richtig Lampenfieber und bin zwei Tage vorher schon mit dem Text in der Hosentasche herumgelaufen. Es hat dann aber alles super geklappt!

 

 

In den darauf folgenden Rollen haben Sie in Krimiserien wie "Balko" oder "Doppelter Einsatz" sehr oft den Bösewicht gespielt, obwohl Sie eher den gegenteiligen Eindruck machen, wenn man Sie trifft.

 

Heisterkamp: Ich hatte wirklich heftige Rollen. Ich musste Zuhälter, Drogendealer und Russenkiller spielen. Meine Kinder können sich das heute gar nicht vorstellen, dass ich einen Mörder spielen könnte. Die haben eigentlich nur meine Comedy-Zeit richtig miterlebt. Aber ich hatte halt die richtige Statur und den typisch kantigen Dolph-Lundgren-Haarschnitt, den man als Bösewicht brauchte.

 

Durchbruch mit der Rolle des Bodybilders Harry Möller

Als Bodybuilder Harry Möller in der RTL-Comedyserie „Alles Atze“.

Dann haben Sie das Genre gewechselt. Denn der große Durchbruch kam mit Ihrer Rolle des naiven aber sympathischen Freizeit-Bodybuilders Harry Möller in der RTL-Comedyserie "Alles Atze". Wie sind Sie zu dieser Rolle gekommen? Durch ein normales Casting?

 

Heisterkamp: Die Castingagentur rief an und sagte, sie wolle mich für eine Ruhrgebietsserie vorsprechen lassen. Die Produzenten haben mich in lockerer Atmosphäre ein paar Sachen gefragt. Zum Beispiel, ob ich Bodybuilding mache. Da hab’ ich geantwortet: "Nee, ich spiele zwei mal die Woche Tischtennis und ein bisschen Billard. Sonst mach’ ich nichts." Der Gag kam ganz gut an. Atze Schröder, der die Schauspieler mit ausgesucht hat, wollte mich unbedingt dabei haben. Dann habe ich das erste Drehbuch gekriegt und gesehen, was ich machen sollte. Und als uns dann auch endlich die Kulissen gezeigt wurden, war mir klar, dass es jetzt richtig abgeht.

 

 

Wie nehmen Sie generell die Medienbranche und das Showbusiness wahr?

 

Heisterkamp: In der Branche gibt es viel zu viele Leute, die sich viel zu wichtig nehmen. Ich bin jemand, der mit dem ganzen Promi-Gehabe nichts anfangen kann. Dass man für die Boulevardmedien gewisse Sachen wie Werbeauftritte mitmachen muss, ist mir klar. Aber ich habe so viele Leute kennen gelernt, bei denen einfach nur eine Fassade aufgebaut wurde. Da war ich vorher nervös, einen bestimmten Schauspieler oder Star zu treffen. Aber als ich dann den Blick hinter die Kulissen hatte und gesehen habe, durch wen dieser Star gestützt wird, war ich ziemlich schockiert. Teilweise sind es auch die Produktionen schuld, weil die ihre Leute so erziehen. Die werden dermaßen gehypt, das ist nicht normal! Ich bin der Meinung: Jeder macht seinen Job und es gibt keinen Grund für irgendein Stargehabe.

 

 

Rolle in der Kinofilm-Komödie „7 Zwerge -Männer allein im Wald“ von Otto Waalkes.

Können Sie das präzisieren? Was haben Sie für ein Stargehabe erlebt?

 

Heisterkamp: Ein gutes Beispiel: Wir waren von einer Produktion auf einer Promotionveranstaltung eingeladen, um Autogramme zu geben und Werbung zu machen. Als wir am Mittagstisch saßen, kamen drei kleine Mädchen und wollten von uns ein Autogramm haben. Ein Kollege saß mit dunkler Sonnenbrille am Tisch. Der hat sein Besteck weggeschmissen und gemault: "Ja, kommt her. Dann kriegt ihr halt eins. Aber lasst mich dann auch mal endlich in Ruhe essen." Ich saß neben ihm und musste einfach sagen, was ich von ihm halte: "Wir sind heute hier bei einer öffentlichen Veranstaltung und da hast du dich auch mal ordentlich zu verhalten. Wenn die Leute zu dir kommen und um ein Autogramm bitten, honorieren sie damit ja auch deine Leistung. Das muss man auch mal schätzen." Ich sehe das so: Ich bin für diesen Tag dort gebucht und wenn ich da sitze und esse und es kommen kleine Kinder, dann leg’ ich schön mein Besteck zur Seite und bin freundlich. Mir ist es wichtig, dass ich die Nähe zu den Menschen habe.

 

Würden Sie sagen, Sie sind mit dieser Einstellung in der Branche eher die Ausnahme?

 

Heisterkamp: Es gibt Kollegen, die genauso sind. Aber es gibt auch welche, die abheben, die dann mit dem Erfolg nicht klarkommen und zu Drogen greifen. Das würde mir nicht passieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich eine solide Ausbildung habe und weiß, was richtige Arbeit ist. Ich kann mich gut erinnern: Als ich den Job gewechselt habe, hatten meine Frau und ich schon zwei Kinder. Zu diesem Zeitpunkt eine sichere Arbeitsstelle bei der Ruhrkohle AG aufzugeben, um Stuntman zu werden, das war schon ein großer Schritt. Ich hatte schlaflose Nächte. Ich weiß meinen Erfolg also zu schätzen.

 

Echter und stolzer Ruhrgebietler

Sie sind in Bottrop-Kirchhellen geboren, aufgewachsen und leben mit Ihrer Frau und Ihren drei Kindern immer noch dort. Sind Sie ein sehr heimatverbundener Mensch?

 

Heisterkamp: Kann man schon sagen. Ich lebe mit meiner Familie in meinem Elternhaus. Ich genieße das Leben auf dem Land. Außerdem wohnen viele meiner Freunde in der Nähe. Der eine hat eine Tankstelle, der andere ein Sanitärunternehmen. Ich weiß, die Jungs fangen morgens um 8 Uhr an. Und wenn ich dann die Kinder zur Schule gebracht habe, fahre ich da vorbei und trinke mit denen auf der Werkbank eine Tasse Kaffee, bevor die rausfahren müssen. Ich bin ein echter Ruhrgebietler in dieser Beziehung und auch stolz darauf, dass ich aus dieser Region komme.

 

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Steht ein größeres Filmprojekt an?

 

Heisterkamp: Es stehen vier, fünf Filmprojekte im Raum. Die sind aber noch nicht so konkret, dass ich darüber sprechen könnte. Auch eine Serie ist geplant. Außerdem mache ich noch Kinderfernsehen bei Tabaluga tivi im ZDF und drehe regelmäßig Beiträge für das Sat.1-Automagazin.

 

 

Interview: Benjamin Esche

Teaserfoto und Fotos:Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.norbertheisterkamp.de

 

 

Erstellt am: 01.07.2008, 18:44 Uhr

[Artikel Drucken]
http://www.medien-monitor.com/Norbert-Heisterkamp-Wenn-ich.1117.0.html





Startseite | Medienregion NRW | Medienforschung | Medienpolitik | Medienkritiken | Medientrends | Medienservice | Spezial
 Kolumne | Redaktionsblog | Suche | Newsletter | Newsfeeds | Redaktion | Impressum