ARTE stellt Programm um
Neue Leichtigkeit oder Niveauverlust?
Umbruch bei ARTE: Zum neuen Jahr strukturiert der deutsch-französische Kooperationssender sein Programm um. Eine "gewisse Leichtigkeit" soll in den Kultur-Fernsehsender einziehen, die Themen aktueller werden, sagt Programmdirektor Christoph Hauser. Kritiker fürchten eine Verflachung des ARTE-Niveaus.
ARTE - das hieß bisher vor allem viele Untertitel und viel Intellekt. Ob improvisierte Interviewreihe in der U-Bahn oder Themenabende zum Zweiten Weltkrieg: Der deutsch-französische Kulturkanal bot seinen Zuschauern bislang immer wieder erfrischend anderes Fernsehen. Besonders mit seinen Dokumentationen trumpft ARTE auf: Produktionen im Programm des Kooperationssenders gewinnen regelmäßig Fernsehpreise. Das sorgt für ein kleines, treues Stammpublikum - trifft aber nicht den Geschmack der Masse. Bei rund einem Prozent dümpeln die Einschaltquoten der Association Relative à la Télévision Européenne, wie ARTE mit vollem Namen heißt, in Deutschland.
2012 soll sich das ändern: Seit 7. Januar sendet ARTE mit geänderter Programmstruktur. Das Programm solle übersichtlicher und für den Zuschauer besser "lesbar" sein, sagt Programm-Direktor Christoph Hauser. Dementsprechend wird jedem Tag ein Schwerpunkt zugewiesen: Der Montag wird zum Kino-Tag mit Filmen wie "Chinatown", am Donnerstag laufen Serien wie "Die Tudors". Doch auch die von ARTE selbst produzierten Ausstrahlungen sollen sich ändern: Die Produktionen sollen "eine gewisse Leichtigkeit" vermitteln, aktueller werden und Kultur so präsentieren, dass sie mit "Vergnügen und Entdeckungsfreude" verbunden wird, heißt es offiziell von ARTE zur Reform.
Furcht vor Verflachung
An sich schöne Worte. Doch Thomas Frickel, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok), betrachtet die Reform mit Sorge. "Wir befürchten, dass sich ARTE weiter dem Mainstream anpasst und für experimentelle Dokumentarfilme, die eher in Nischen passen, kein Platz mehr ist."
Für viele deutsche Dokumentarfilmer ist ARTE bislang der wichtigste Abnehmer ihrer Arbeiten.
Frickels Furcht gründet sich auch auf einige Passagen aus internen ARTE-Unterlagen zur Reform, die Medien Monitor vorliegen. So heißt es zu Dokumentationen am Kultur-Sonntag: "Klassische Porträts sind hier nicht erwünscht. Monografien sind auf dem Sendeplatz nur gerechtfertigt, sofern es sich bei der Person um eine bedeutende Persönlichkeit des kulturellen Lebens handelt und ein Zugang zum Film ohne Vorwissen möglich ist".
"ARTE war nie Sparte"

- ARTE-Programmdirektor Christoph Hauser
Berichtet wird also nur über Künstler, die ohnehin schon jeder kennt? "Die Definition schließt kein Thema und keine Person aus, sie erinnert nur an die einfache Grundregel: Die Kunst ist, auch komplexe Themen oder Fragen verständlich und interessant darzustellen", sagt Programmdirektor Christoph Hauser auf MeMo-Anfrage.
Dokumentarfilmer Frickel bleibt skeptisch: "Bisher ist das Schöne an ARTE ja, dass sie dem Zuschauer auch komplexe Inhalte zutrauen. Für anspruchsvolle Dokumtentarfilmer ist der Sender darum so etwas wie der Fels in der Brandung. Wenn jetzt nur noch über Promis berichtet wird, ist das eine klare Popularisierung, der Sender verliert seine eigene Identität." Dabei sei der Blick auf die Quote gar nicht notwendig. Der öffentlich-rechtliche Sender finanziert sich zu fast 100 Prozent über die Rundfunkgebühren. Doch nach den internen Dokumenten zur Programmreform zu urteilen, schielt ARTE trotzdem auf den Mainstream. So heißt es bei den Anforderungen für Fernsehproduktionen, die sich mit dem Thema "Gesellschaft" beschäftigen: "Soziologische, politische und wirtschaftliche Analysen sind ebenso wenig gefragt wie reine Beobachtungen". Also weniger Inhalt, mehr Emotionen? Will ARTE raus aus der intellektuellen Sparte? "ARTE war nie Sparte, ARTE ist ein kulturelles Vollprogramm", sagt Christoph Hauser. "Ich sehe dabei keine Verflachung." Der Anspruch sinke nicht dadurch, dass man das Programm für noch mehr Zuschauer öffne. Tatsächlich gebe es durch die neue Programmstruktur sogar 80 Stunden mehr Platz im Jahr für Dokumentarfilme.
Öffentlich-rechtlicher Kannibalismus
"Quantität ist nicht gleich Qualität", erwidert Frickel. "Dokumentationen mit aufwendigen, ungewöhnlichen Themen sind bei ARTE immer seltener gefragt. Stattdessen wird lieber gleich eine Doku-Serie à la "Die schönsten Inseln Frankreichs" angefordert - das sind dann schöne Bilder und die Filme können gut von ARD und ZDF weiterverwertet werden." Das Verhältnis zu den anderen öffentlich-rechtlichen Sendern gestaltet sich ohnehin kompliziert: In Deutschland kann ARTE nicht selbst Produktionen anfordern, sondern muss diese in Kooperation mit den Sendeanstalten der ARD oder dem ZDF bestellen. Frickel beklagt, dass dadurch die Dokumentarfilmer immer öfter bei ihren Projekten eine gezwungene Verbindung zum Sendegebiet der regionalen Sendeanstalten herstellen müssten. "Hart gesagt: Wenn man sich mit dem europäischen Kulturprogramm beschäftigt, ist es schwer, den direkten Bezug zu Wanne-Eickel zu finden."
In Deutschland konkurriert ARTE mit dem ebenfalls öffentlich-rechtlichem 3sat und den digitalen Zusatzsendern ZDFneo und Eins Extra um die kulturell und geschichtlich interessierte Zuschauerschaft. Ein öffentlich-rechtlicher Kannibalismus quasi. In Frankreich hat es der Kooperationssender einfacher: Dort schalten regelmäßig rund drei Prozent der Zuschauer ein, die kulturelle Konkurrenz ist kleiner. Dazu ist in Frankreich die Bewilligung öffentlicher Gelder für ARTE-Produktionen einfacher, da die Vergabe zentral in Paris geregelt wird.
Popsternchen trifft Rock-Rapper
Hierzulande sei es durch die auf die 16 Bundesländer verteilte Zuständigkeit deutlich schwieriger, die Produktionen zu finanzieren, räumt Programmdirektor Christoph Hauser ein. Dennoch: Die Wertschätzung für den Sender sei auch in Deutschland hoch. Der Anspruch sei nicht bedroht, wie auch Nominierungen für ARTE-Koproduktionen bei der Berlinale 2012 zeigten. "Wir wollen einfach vielen Menschen Freude an Kultur vermitteln."
Doch eine gewisse Annäherung an den Mainstream lässt sich schon jetzt erkennen - zum Beispiel in der Reihe "Durch die Nacht mit...". In der Dokumentarfilmserie begleitet ARTE seit Jahren ein bunt zusammengestelltes Prominenten-Doppel aus Politik, Kultur oder Gesellschaft für eine gemeinsame nächtliche Fahrt durch eine Großstadt. Es wird geplaudert, gelacht und gestritten, meist sehr unterhaltsam und nicht selten äußerst geistreich. So traf Kunst-Enfant terrible Christoph Schlingensief beispielsweise auf Polit-Talker Michel Friedmann, SPIEGEL-Provokateur Henryk Broder kabbelte sich mit Bild-Chef Kai Diekmann. Die neueste "Durch die Nacht mit..."-Folge, die ARTE am 7. Januar ausstrahlte, konnte sich mit solchen Episoden aber nicht messen: Eurovisions-Sternchen Lena Meyer-Landrut traf auf den die Charts stürmenden Rock-Rapper Casper.
"ARTE macht sich überflüssig"
Während Madame Landrut ihre Lieblingssongs auf dem Handy abspielte und nicht mit genervten Kommentaren zu ihrem Begleiter geizte, musste sich Rapper Casper den Abend schön trinken, um dann doch zumindest ein wenig zurückzugiften. Das hatte durchaus Unterhaltungswert. Nur: Um sich anzickendende Popstars zu sehen, muss man nicht zwingend ARTE einschalten.
Dokumentarfilmer Thomas Frickel bleibt daher dabei: "ARTE muss aufpassen, dass sie sich durch die Reform und die Popularisierung nicht überflüssig machen. Sonst fragt sich der Gebührenzahler, warum er noch für einen Nischensender bezahlen soll, der eigentlich nichts anderes liefert als ARD und ZDF."
arte.tv: Informationen zur Programmreform
AG Dok: Arte - Popularisierung und Profilverlust
Spiegel Online: Huch, wo ist denn unser Anspruch hin?
Text: Samuel Acker
Bilder: Wikimedia, AG Dokumentarfilm/Kerstin Hemann, ARTE/Philippe Sautier, ZDF/avanti media




Wo es keine Nachfrage gibt, die den Bedarf finanzieren kann, darf auch das Angebot nicht subventioniert werden. Es mag ja tragisch sein, dass die 1% der Bevölkerung ihren eigenen Fernsehsender verlieren. Aber der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender besteht nicht darin, die Gebühren der Allgemeinheit für Randgruppeninteressen zu verbrennen.
@ Lars
Ich kann diese rein an Ökonomie orientierten Scheinargumente nicht mehr hören. Wohin uns diese Einstellung gebracht hat, sollte mittlerweile auch dem Allerletzten klar geworden sein.
Und über den Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen scheinen sie auch nicht besonders gut informiert zu sein. Das Problem mit den ÖR sind nämlich nicht die Nischensender (die finanziell den Kohl nicht fett machen) sondern das schielen auf und die Orientierung an den Privaten. Mit entsprechenden Folgen....
Ein Scheinargument ist es zu behaupten, man bräuchte Arte für Qualität. Wir haben jeden Tag! 288 Sendestunden ÖR-Fernsehen zur Verfügung ohne Arte. Da sollte man doch die Sendungen, mit denen man die Existenz von Arte überhaupt rechtfertigt, noch problemlos unterbekommen. Das Geld muss sich Arte ja eh von den anderen ÖRs holen und genehmigen lassen.
Merkwürdigerweise macht ja nie etwas den Kohl fett. Ist ja praktische Argumentation:
500k für eine Teilzeit-Moderatorin - macht den Kohl nicht fett
Nischensender A - macht den Kohl nicht fett
Nischensender B - macht den Kohl nicht fett
Nischensender C - macht den Kohl nicht fett
DSR - hat damals den Kohl nicht fett gemacht
DAB - macht den Kohl nicht fett
DAB+ - macht den Kohl nicht fett
...
Wenn das alles ja gar kein Geld ist, warum zahl ich dann 18 EUR im Monat für all das?
Das Problem der ÖR sind nicht die Privaten, das Problem der ÖR ist, dass diese, wie alle Strukturen, diese noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind. Die glauben, das Musikantenstadl und Tatort auch die nächsten 200 Jahre ausreichend ist.
Ich bin mir sicher, dass es zwischen Musikantenstadl und französischem Tanztheater auf der einen Seite und Dschungelcamp und Big Brother auf der anderen Seite es noch genug Zwischenstufen für Qualität _und_ Zuschauerzahlen gibt. Dieses reflexhafte Beissen, weil jemand gewagt hat, zu erwähnen, dass man vielleicht auch Zuschauer haben sollte, dies schadet leider dem Qualitätsanspruch mehr, als es ihm hilft.
@Lars, es tut mir Leid, aber Sie scheinen eigentlich nichts verstanden zu haben. Ihre Antwort entspricht Ihrem Intellekt, und wie sich auf diesen anhand Ihrer Akzeptanz der bisherigen Programmgestaltung schließen lässt, konnten Sie bereits oben dem Artikel entnehmen. ARTE war bisher der einzige Sender, der der Neoliberalisierung standgehalten hatte. Den Grund für die Programmänderung können wir getrost darauf reduzieren, dass hier zu viel an alternativer Lebens- und Denkweise vorgestellt wurde, und dass das einigen Herrschaften, die natürlich im Dunkeln bleiben, nicht passt.
Es ist auch zu einfach, hier die Quoten zu bemühen. Das Abrutschen ins Banale wird unvermeidlich sein.
Genau das ist die richtige Einstellung! So geht's! Ziel jeder deutschen Hochkultur muß es sein, dass überhaupt niemand mehr zusieht. Fernsehen DARF keinen Spass machen, das ist proletig. So sollte auch ARTE sich überhaupt nicht dafür interessieren, ob sein Programm überhaupt irgend jemand sieht. Ach, was: Die Dokumentationen sollten (auf Gebührenzahlerkosten) erstellt werden und direkt nach Produktion ins Archiv wandern. SO geht elitär!
Und wenn bei "Hochkultur" niemand mehr zusieht, deklarieren wir einfach Lena Meyer-Landrut als Hochkultur, und schon geht's der wieder besser?
abCoz Ov Monibb (abwegen dem Geldbb) und der Live-Auftritt von dessen Hauptprotagonisten Wanlov The Kubolor, M3nsa und DJ Edu. Am Freitag und Samstag treetn der Kenianer DJ Edu (BBC 1Xtra) und der
Wenn jemand ersthaft behaupten will, dass sich das Programm von Arte nicht von ARD + ZDF unterscheidet, hat seit 20 Jahren kein ARD + ZDF mehr gesehen. Denn Arte nähert sich einer Mischung an, die in den 60ern und 70ern auch so im ZDF gelaufen wäre.
Was bei Arte jetzt als reine Unterhaltung durchgeht, wie z.B. die Spielfilmausstrahlung von Klassikern von Metropolis bis Convoy, die Dick und Doof Themareihe oder Serien wie Breaking Bad und ab Februar der dänische Strassenfeger "Borgen" kann man in den Hauptprogrammen von ARD + ZDF heutzutage vergeblich suchen. Neben dem weiterhin guten Informationsprogrammen bieten diese doch nur noch Livesport und Rentnerbespassung. Dem Kultursender kann man höchstens vorwerfen, keinen Originalton bei seinen Unterhaltungsangeboten mitzusenden, denn Arte Frankreich hat bei den meisten Filmen das Original auf der 2. Tonspur im Angebot und das selbst, wenn die Quelle das ZDF Archiv ist.
Als Gebührenzahler fragt ich mich jedenfalls eher, ob ARD + ZDF noch als Unterhaltungskanäle notwendig sind, als arte.
Wir sind am Wochenende auf die bei ARTE ausgestrahlte Stylenite "Doku" gestossen. Rund 90 Minuten lang wurde hier einseitig positiv über ein privatwirtschaftliches Event von Michael Michalsky berichtet und man muss sich schon sehr wundern, dass ein solcher Beitrag gesendet werden darf. Es wäre Interessant zu erfahren, ob und wenn ja welche Deals da im Hintergrund ablaufen.
Also wenn irgendwo Gebühren verbrannt werden, dann ja wohl beim Regierungs-Propgandasender ZDF und in Formaten wie dem "Morgenmagazin". Unabhängigen Journalismus sucht man dort über weite Strecken vergebens.
Und was den "Spaß" Faktor betrifft: Mir kann keiner erzählen, dass er beim durchzappen der frühabendlichen Privatsenderkonkurrenz so etwas wie Spaß erfährt. Man fühlt sich doch einfach nur noch angespieen, angeekelt und für dumm verkauft. ARTE hingegen kann man häufig einfach laufen lassen, die Vielfalt stimmt und man fühlt sich nicht pausenlos mit manipulativem Müll beworfen. Ich persönlich habe nicht das geringste Interesse an einer Änderung der Ausrichtung von ARTE.
Das Fernsehen ist in der Gesamtheit am Ende angekommen. Wenn es nicht mehr möglich ist, innovative Formate zu finden, sondern nur noch auf den Nachbarsender und die Quoten desselben geschaut wird, brauchen wir eigentlich nur noch einen Sender: Den mit den höchsten Quoten. Alles andere ist ja Spartenfernsehen! Ich für meinen Teil schau' maximal noch drei Stunden in der Woche fern, denn mir ist das alles jetzt schon zu langweilig und gleichförmig geworden.
mit rund 50 Teilnehmern gut bhescut. Wir durften dem Vortrag von Thomas Schwenke lauschen: Rechtliche Fallstricke im Email-Marketing (Blog + Vortragsfolien, sehr empfehlenswert!). Und Wikis zum pers nlichen
Für mich ist Arte der wichtigste Sender im gesamten deutschsprachigen Fernsehprogramm. Klar, ich bin auch nicht immer einverstanden mit bestimmten Sendungen, da frage ich mich schon, ob sie nicht eher in ein privates Programm gehören, aber im großen und ganzen behaupte ich, dass ich überhaupt nicht fernsehen würde, gäbe es Arte (und mit Einschränkungen 3sat)nicht. Die Anpassung an die Öffentlich-Rechtlichen halte ich absolut für falsch. Denn indem Arte sein Niveau senkt, senkt es ja auch das Niveau seiner Zuschauer. Ist es aber nicht Aufgabe des Fernsehens, das kulturelle und auch politische Niveau seiner Zuschauer zu heben?
Da erklären sie mir einmal, wie man das Niveau der Bürger erhöht, wenn die Bürger gar nicht zuschauen?
Es geht doch genau darum, einen Kompromiss zu finden und zum einen, den Bürger anzulocken und gleichzeitig nicht zu sehr abzurutschen. Das allein schon dieser Versuch kritisiert wird, ist tragisch und dem Wunschziel ja eigentlich entgegenstehend.
@Lars
SwENSkE hat völlig Recht: ARD & ZDF liefern sich seit 20 Jahren mit den Privatsendern einen quotenorientierten Wettlauf um das NIEDRIGSTE Niveau, haben also von den "Strukturen" (genauer gesagt: dem Konzept) der Privaten nicht zu wenig, sondern schon viel zu viel übernommen. Wenn Arte jetzt auch noch auf diesen Mainstream-Zug aufspringen sollte, dann macht es sich tatsächlich überflüssig. Im Übrigen gehört es ja gerade auch zum grundgesetzlichen Auftrag der ÖR, auch ein Angebot für Minderheiten und "Randgruppen" zu machen und ist mit ein Grund für die Gebührenfinanzierung. Ansonsten könnte man ja gleich alles den Privaten überlassen. Ihre einseitig ökonomistische Argumentation erinnert mich an die Pharmaindustrie, die bestimmte Medikamente nicht entwickelt, weil diese zu wenigen Kranken zugute kämen und daher nicht lukrativ wären.
Da ich die Pharmaindustrie nicht mittels Zwangsgebühren unterstütze, hinkt der Vergleich. Es wäre wohl eher so, als wenn man die gesetzlichen Krankenkassenbeiträge verdoppelt, damit man nun auch Hypnosebehandlungen, Chakra-Analysen, und Feng-Shui-Raumgestaltung über die gesetzlichen Krankenkassen erhält - weil halt 1% der Bürger dies wollen. Nein, das will ich auch nicht. Da möge der interessierte Bürger sein eigenes Geld für investieren.
Die Pharmaindustrie wird zwar nicht mit Zwangsgebühren unterstützt, aber dafür mit maßlos überhöhten Preisen auf Kosten der Versichertengemeinschaft! Oder warum sind die Medikamentenpreise auf geregelteren Pharmamärkten in anderen Ländern teilweise extrem (bis Faktor 0,1) niedriger? Sie glauben doch nicht etwa, dass z.B. Bayer Aspirin viel billiger im UK oder der Türkei verkaufen würde, wenn sie dort nicht immer noch daran verdienen würden? Gott erhalte Ihnen Ihren naiven Kinderglauben an die "unsichtbare Hand" von Adam Smith, und dass das "freie Spiel der Marktkräfte" (das es so nie gegeben hat) schon alles für alle zum Besten wenden würde, wenn man es denn nur uneingeschränkt zuließe!
P.S. Wie kann ich die E-Mail-Berachrichtigungen für dieses Forum abstellen?
P.S. Im Fall der Türkei ist das Aspirin vermutlich billiger, weil sich auf dem dortigen Nationalmarkt der überhöhte deutsche Preis nicht erzielen lässt. Preise richten sich nämlich schon lange nicht mehr nach den tatsächlichen Gestehungskosten, sondern danach, was auf den jeweiligen Märkten maximal rauszuholen ist.
Mich ärgert die Zweckentfremdung der Zwangsgebühren ebenfalls, aber da, wo diese in flache Unterhaltungs"formate" investiert werden, die man genau so gut allein den Privatsendern überlassen könnte. Da könnte man eine Menge Geld sparen, ebenso bei den redundanten Strukturen der einzelnen ARD-Regionalsender, die sich teilweise völlig unnötig Konkurrenz machen und zu reinen Versorgungsanstalten verkommen sind (ähnlich der Pseudovielfalt bei den gesetzlichen KK mit jeweils eigenen Vorständen, Aufsichtsgremien etc.).
Könnten Sie bitte bei meinem Kommentar nach "Medikamente" noch "gegen zu seltene Krankheiten" einfügen?
Gott sei dank gibt es ARTE! Erfrischend anders als der ganze Mainstream-Müll.
Wem ARTE übrigens zu intellektuel ist, sollte sich mal ein wenig hinterfragen.
Der Casting-Auswanderer-SuperNanny-BauernTV-Brei der Privaten (und von ARD und ZDF) verklebt bei den meisten Menschen doch schon beide Gehirnhälften.
Manche Klamauksendungen auf den Privaten sehe ich zwar ganz gerne, aber immer unter dem Aspekt der Realsatire. Und wenn das das einzige TV-Angebot wäre, dann wäre das natürlich ein Albtraum.
Solche Veränderungen sind nicht das Problem, sie sind lediglich ein Symptom.
Als sei es nicht schon schlimm genug, die permanente Verblödung der Massen muss weiter voranschreiten. Dumme kleine, linke und rechte Spiesser streiten darüber was mit ihren Gebühren gefälligst zu finanzieren sei, so als könne man alle TV Sender zugleich konsumieren.
Wer an solcher „demokratischen“ Entwicklung zu verzweifeln droht, der sei daran érinnert, dass es in nicht allzu ferner Zukunft genau dieser Urnenpöbel (das ist Georg Schramms Wort, typisch arte, gell?) es sein wird, der für sein auf demselben Niveau angesiedeltes Wahlverhalten mit seinem Geld und seiner Árbeit für die ökonomischen Konsequenzen seiner unsäglichen Dummheit zu bezahlen haben wird.
Viel Spass dabei dann, Lars & Co
Schon klar, dass neoliberale Marktfetischisten keinen Sender finanzieren wollen, der z.B. solche Dokumentationen ausstrahlt:
videos.arte.tv/de/videos/kaufen_fuer_die_muellhalde-6341726.html
Hallo Wolfgang,danke dafur. Schaut echt cool ( .) aus. Bitte scchike mir deine Tel.Nr. per Mail. Dann machen wir uns was aus.Run ON!Willi