Netmusicmakers - Die Vorgeschichte
Anfang des Jahres ins Rennen gegangen, überzeugt Netmusicmakers nicht nur als Plattform, um Musiker weltweit zusammenzubringen. Eine Jury kürt regelmäßig die besten Teilnehmer eines Genres, es gibt ein eigenes Webradio, und Profimusiker steuern freie Samples bei. Eine Entwicklung, die nicht erst vor einigen Monaten ihren Ursprung fand.
Vor der Seite Netmusicmakers (NMM) gab es bereits andere Plattformen. Das Portal "My Virtual Band" (MVB) war zum Beispiel zunächst von den beiden Doktoranden Scott Mason und Kelly Senecal gegründet worden, die wegen ihrer Promotion nicht mehr regelmäßig zusammen musizieren konnten. "Als drei Zeitzonen zwischen uns lagen, konnten wir uns nicht mehr treffen, wie wir es früher getan haben", berichtet Bassist Scott Mason. Zunächst als Notnagel, die eigenen musikalischen Projekte am Laufen zu halten, fasste das akademische Duo einen Entschluss: "Nach Entwicklung einiger Web-Anwendungen, um die Lücke zu überbrücken, beschlossen wir, die Site für andere virtuelle Musiker zu öffnen", erklärt Gitarrist und Schlagzeuger Kelly Senecal.
Das Konzept, das ursprünglich nur die Distanz Wisconsin - Kalifornien überbrücken sollte, vernetzte bald die ganze Welt. Nach den statistischen Angaben der Website-Tracking-Firma "Alexa" hängte www.myvirtualband.com im Jahr 2006 sämtliche anderen auf Musik ausgerichteten Seiten, wie American Federation of Musicians, Alternative Press, Bandname, Future Music oder Looplabs in Puncto Klicks ab. Darauf wurde Jeff Tamelier, Präsident von "House of Hansen Productions" und ehemaliger "Tower of Power"-Gitarrist aufmerksam. Das Konzept von MVB überzeugte ihn sofort und er kaufte die Idee, um zu Beginn des Jahres 2007 eine gemeinsame Seite ans Netz zu bringen – www.netmusicmakers.com.
Umfassende Bibliothek mit Licks und Grooves
Über die Bedürfnisse der ursprünglichen Nutzungsklientel hinaus, sind auf dieser Seite seit Anfang Mai auch Samples von Profimusikern erhältlich, welche die eigenen Songideen der User ergänzen. "Unsere Benutzer werden in der Lage sein, diese in bester "Frankenstein-Manier" in ihre eigenen Melodien einfließen zu lassen", verspricht Jeff Tamelier. Nun sind sie online, die Samples und Licks der Profis, doch kostenlos ist nur ein Bruchteil des Angebotes. Zwar reicht der "free download"-Pool, um sich einen gewissen Grundstock an instrumentalem Material anzulegen, doch für die anderen Samples werden jedesmal Gebühren von 0,99 bis 1,99 Dollar fällig. Dabei ist es egal, ob es sich um ein mehrtaktiges Bluesschema an der Gitarre oder um einen einzelnen Snareschlag handelt.
Die Seite befindet sich derzeit zwar noch in den Anfängen, aber es sind bereits über 20.000 registrierte Benutzer mit rund 18.000 hochgeladenen Songs vertreten. In Foren werden die Songs diskutiert, neue Kontakte geknüpft und virtuelle Bands gegründet. Im eigenen Webradio spielen Fans ausgewählte Songs der Benutzer nach Genre geordnet ab. In regelmäßigen Abständen können sich die Musiker auf der Seite in Wettbewerben messen. Ihre Beiträge werden von einer professionellen Fachjury bewertet, die den Gewinner mit für Musiker attraktiven Preisen belohnt. Bislang konnten die Bands "Funkdawg", "the fire apes" und die Hip-Hop-Künstlerin Yung Angie überzeugen. Als Preise erhielten sie Studioaufnahmen oder Equipment im Wert von 10.000 Dollar, sowie die Möglichkeit ihre Songs im "Guitar World & Guitar One" Magazin einem Millionenpublikum zugänglich zu machen.
Aktuell ist ein Wettbewerb ausgelobt, der einfallsreiche Gitarrenkünste verlangt. Leider sind die Contests bislang lediglich für U.S.-Staatsbürger offen. Vielleicht ändert sich dieses Manko aber noch, wenn die Webmaster von Netmusicmakers merken, dass reges internationales Interesse an der Seite besteht.
Text: Christoph Schmidt; Fotos: Netmusicmakers


