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Mythen leben: Exitorial

Mythen leben… Ein solches Projekt ist nicht abzuschließen. Weil Mythen nun einmal leben, immer weiter leben, wenn auch in einem Prozess permanenter Umwandlung. Und sie suchen im Lauf der Zeiten ihre Weise, in der sie in die Welt treten und mit Leben gefüllt werden können.

Auf der Suche nach Mythen tauchten die Studierenden ein in virtuelle Lebenswelten.

Unser Projekt ging einer dieser Weisen nach, suchend, Erfahrungen nachspürend, genau hinschauend, im Selbstversuch teilnehmend, tief eintauchend - und bei all dem wenig bewertend. Second Life, World of Warcraft, Online-Partnerbörsen, das Star-Trek-Universum, Blogosphären, Netmusicmakers, Castingshows und die virtuellen Klassenzimmer der Hogwarts-Schule - sie wurden für uns im Verlauf des Projekts zu vertrauten "Orten" oder besser Lebenswelten.

Ich erinnere an unsere Ausgangsfragen:

Netzwerke, die eigene Welten schaffen: Ist „Wirklichkeit“ noch trennbar?

Inwieweit ermöglichen es die klassischen medialen und vor allem die neuen Netzwerk-Welten Menschen heute, ihre Sehnsüchte zu leben, die im Alltag nicht zu befriedigen sind? Welche in ihnen lebenden mythischen Vorstellungen rufen nach Verwirklichung? Welchen Selbstentwürfen geben sie eine neue Gestalt? Lässt sich - vom Denken und Empfinden der Betroffenen her betrachtet - die Unterscheidung in Wirklichkeit und Virtualität überhaupt noch sinnvoll aufrecht erhalten?

Wir haben unterschiedliche Antworten gefunden. Generalisierte Aussagen verbieten sich. Vielleicht trifft aber trotzdem etwas auf alle beobachteten Phänomene zu: Es ist die tiefe Sehnsucht nach Begegnung, der Wunsch, so wahrgenommen zu werden, wie man sich selber sieht oder sehen möchte und der Traum, endlich das zu tun, was das so genannte wirkliche Leben nicht zulässt oder verbietet.

Träume werden gelebt, doch Muster bleiben

Home. Zuhause. Der virtuelle Raum kann zur Heimat werden.

Es mag sein, dass manche dabei ankommen und neue Heimatgefühle entwickeln. Andere spüren, dass man sich auch in den virtuellen Welten immer erst bewähren, Regeln verinnerlichen und sich anpassen muss. Sie nehmen wahr, dass Möglichkeiten, Träume zu leben, letztlich wenig an den gewohnten Mustern des eigenen Verhaltens ändern. Und wieder andere realisieren schmerzhaft, wie sich die unterschiedlichen Seinsweisen zwischen dem Hier und Jetzt und dem virtuellen Jenseits zersetzend vermischen.

Die Reise in den virtuellen Raum hat ihren Preis. Er kann in Zeit, in wirklichem Geld, wie bei Second Life, in Ent-Täuschung, aber auch in Freude, vielleicht sogar Erfüllung verrechnet werden. Und wer in den Weiten des Netzes seinen Lebenspartner für das Real Life entdeckt und gefunden hat, dem wird die Unterscheidung in Realität und Virtualität als allenfalls spitzfindig erscheinen müssen.

Claus Eurich

Im beginnenden Wintersemester 2007/2008 beginnt ein neues Projekt. Wieder werden Mythen und in der Folge die Frage, wie Menschen sie heute leben, im Zentrum stehen. Nach gründlichen inhaltlichen Vorarbeiten werden wir wieder nach Weisen der Verwirklichung suchen, Erfahrungen nachspüren, genau hinschauen, im Selbstversuch teilnehmen und so tief wie möglich eintauchen. Ich freue mich darauf!

Prof. Dr. Claus Eurich

Fotos: Ramsta/flickr.com, Valentina Bechir/Second Life, PlumPoet/flickr.com, Universität Dortmund
Kontakt: mythenlebenmedien-monitor.com

Veröffentlicht: 04.10.2007
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