Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Mythen leben: Editorial

Claus Eurich

Die Frage und die Suche nach dem Sinn des Lebens... Die Frage danach, wer ich bin und wohin meine Sehnsucht mich zieht... Die Frage also nach der eigenen Identität...

Seit es Zeugnisse bewussten Lebens auf der Erde gibt, stellen Menschen sich diese(n) Fragen. Religionen und die in ihnen entstandenen großen Mythen in den Kulturen künden davon.

Seit jeher auch gibt es das tiefe Bedürfnis von Menschen, ihre Seinsweise in der Welt zu verändern, sich eine neue oder erweiterte Identität zu schaffen. Die Erwachsenentaufe kann so gedeutet werden und dass Menschen sich neue Namen zulegen, deren Bedeutung das Ersehnte in Verbindung mit der eigenen Persönlichkeit bringen. Die virtuellen und multimedialen Internetwelten bieten heute vielfältige Möglichkeiten des Identitätswechsels, ja der Konstruktion und Aneignung multipler Patchwork-Identitäten. "Second Life" und diverse Rollenspiel-Angebote wie "World of Warcraft" sind dafür nur zwei aus einer unermesslichen Vielzahl herausragende Beispiele.

In Rahmen eines zweisemestrigen Projekts am Institut für Journalistik der Universität Dortmund gehen Studierende der Frage nach, inwieweit die klassischen medialen und neuen Netzwerk-Welten es Menschen heute ermöglichen, ihre im Alltag nicht zu befriedigenden Sehnsüchte zu leben.

Virtuell vs. real: Soll man noch unterscheiden?

Welche in ihnen lebenden mythischen Vorstellungen rufen nach Verwirklichung? Welchen Selbstentwürfen geben sie eine neue Gestalt? Lässt sich – vom Denken und Empfinden der Betroffenen her betrachtet – die Unterscheidung in Wirklichkeit und Virtualität überhaupt noch sinnvoll aufrecht erhalten? Die im Netzwerk verbrachte Lebenszeit hinterlässt reale Spuren des virtuellen Handelns im Bewusstsein und im Verhalten. Weist dies nicht darauf hin, dass die alten und wissenschaftlich gewohnten Trennungen begonnen haben, sich zu überleben?

In diesem Spezial des "Medien Monitor" finden Sie Impressionen zu solchen Fragen. Wir wollen Spuren nachgehen, ohne finale Antworten geben zu können. Dazu ist der Prozess zu vielfältig und zu dynamisch.
Über Reaktionen und Kommentare freuen wir uns.

Prof. Dr. Claus Eurich

Veröffentlicht: 07.05.2007
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