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Methusalem der Auslandskorrespondenten

Vergangenes Jahr feierte er seinen 80. Geburtstag und ist damit vielleicht der älteste deutsche Auslandskorrespondent im Dienst: Rudolph Chimelli. Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht – für die Süddeutsche Zeitung berichtet er immer noch regelmäßig aus Paris.

Auslandskorrespondent und Journalist: Rudolph Chimelli.

Dortmund. Seit fast 60 Jahren ist Rudolph Chimelli Journalist und Auslandskorrespondent mit Leidenschaft. Geboren und aufgewachsen in München, begann er nach seinem Abitur ein Studium der Rechtswissenschaft und der Volkswirtschaftslehre, das er aber wenig später abbrach. Ohne Abschluss in der Tasche versuchte er sich mit dem Schreiben und kam so zum Journalismus. Seine ersten Schritte im Printbereich machte Rudolph Chimelli beim Freisinger Tagblatt – heute eine Lokalausgabe des Münchner Merkurs, damals eine selbständige Tageszeitung, die komplett im eigenen Haus entstand. Es folgte ein Jahr auf der Journalistenschule, bevor Rudolph Chimelli 1957 bei der Süddeutschen Zeitung als Nachrichtenredakteur anfing.

Ausgewählte Publikationen von Rudolph Chimelli

  • Das Abendland Arabiens. Wien: Picus-Verlag 2002
  • Die Revolution mehrt ihre Kinder. Iranische Notizen. Wien: Picus-Verlag 2000
  • Islamismus. Zürich: Vontobel-Stiftung 1999
  • Lokaltermin bei Mona Lisa. Wien: Picus-Verlag 1998
  • 9mal Moskau. München: Piper Verlag 1987

Acht Jahre lang beschäftigte er sich dort mit Außenpolitik: Immer wieder schickte man ihn auch ins Ausland, um Reportagen und politische Analysen zu schreiben. Schließlich kam 1964 das Angebot, als Auslandskorrespondent für die Süddeutsche Zeitung zu arbeiten. "Ich war nicht kapriziert darauf, in den Nahen Osten zu gehen", so Rudolph Chimelli. Doch er nahm die Chance wahr und ging hin. Beinahe acht Jahre behielt er den Posten, für den er zwischen Kairo und Beirut hin und her pendeln musste – und entwickelte sich zum Spezialisten für die arabische Welt. Es folgte ein Posten als Auslandskorrespondent in Moskau, den Rudolph Chimelli bis 1979 inne hatte – sieben Jahre in einer kommunistischen Diktatur, sieben Jahre in einem riesigen Land mit einer immensen kulturellen Vielfalt, sieben Jahre inmitten des Kalten Kriegs. Seine nächste Station: Paris. Ende der 1970er Jahre berief die Süddeutsche Zeitung Rudolph Chimelli in die französische Hauptstadt, wo er heute, mit 80 Jahren, immer noch arbeitet und lebt.

Rudolph Chimelli - Eindrücke

Von seiner Wohnung aus blickt Rudolph Chimelli auf den Eifelturm.

Vor drei Jahrzehnten kam Rudolph Chimelli als Auslandskorrespondent nach Paris. Trotz des fortgeschrittenen Alters schreibt er noch heute regelmäßig Artikel für die Süddeutsche Zeitung – und das nicht nur über Frankreich. Durch seine jahrelange journalistische Tätigkeit in Beirut und Kairo ist er auch der Experte für den Nahen Osten.

So sieht Rudolph Chimellis Alltag in der französischen Hauptstadt aus... (0:25 min)

In 45 Jahren als Auslandskorrespondent erlebte Rudolph Chimelli Höhen und Tiefen. Als am 5. Juni 1967 der so genannte Sechstagekrieg ausbricht, ist er vor Ort und berichtet der Heimatredaktion der Süddeutschen Zeitung per Telegraph über die Geschehnisse.

Das ist Rudolph Chimellis größte berufliche Pleite... (1:49 min)

Als 1994 die Massaker in Ruanda an den Tutsi beginnen – der Gipfel des dort herrschenden Bürgerkriegs –, gab der für die Süddeutsche Zeitung arbeitende Auslandskorrespondent für Afrika gerade seinen Posten auf. Man schickte Rudolph Chimelli dorthin, der zu diesem Zeitpunkt kaum Erfahrungen in Schwarzafrika hatte.

Rudolph Chimellis Erfahrungen in Ruanda und sein Umgang mit dem Erlebten... (0:41 min)

Er rief zum Interview: Lybiens Staatschef Muammar al-Gaddafi.

Als der lybische Staatschef Muammar al-Gaddafi Rudolph Chimelli zu einem Exklusivinterview für die Süddeutsche Zeitung einlädt – ohne vorherige Interviewanfrage von Seiten des Journalisten –, staunt dieser nicht schlecht, sagt zu und reist sofort nach Lybien. Dann aber kommt alles anders als gedacht...

Ein kurioses Ereignis im Leben des Rudolph Chimelli: Gaddafi lädt zum Interview... (0:42 min)

"Wenn, dann bin ich ein Querschreiber. Ich schreibe immer sehr gerne gegen die allgemeine Richtung", sagt Rudolph Chimelli über sich. Der Bevölkerung Informationen zur Verfügung zu stellen – das ist seiner Meinung nach Aufgabe des Journalisten.

Rudolph Chimelli über die Arbeit von Journalisten... (0:43 min)

Falls sich Rudolph Chimelli irgendwann von seinem Beruf als Auslandskorrespondent endgültig verabschiedet, dann will er noch ein paar Bücher schreiben. Die Ideen dazu hat er schon. Verraten will er sie aber noch nicht.

Über seine Karriere sagt er: "Übertreffen kann man sie schon – indem man den Job noch länger macht als ich." Und er fügt schmunzelnd hinzu: "Ich bin sicher der Methusalem in diesem Gewerbe."

Veröffentlicht: 16.01.2009
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