Studie
Medienzunft in digitaler Zukunft
Die deutschen Journalisten fühlen sich fit fürs Internet. Aber das Internet ist nicht fit genug für die Journalisten. Denn bei aller Euphorie, bezahlen will fast niemand im Netz. Dessen sind sich auch die Medienmacher bewusst. Eine Studie fängt die Stimmung unter den Journalisten gegenüber dem digitalen Wandel ein.
Hamburg. Die Mehrheit der deutschen Journalisten schätzt die Chancen für Bezahlangebote im Internet eher mittelmäßig ein. Zumindest sagen das die Zahlen einer Studie, die die dpa-Tochter news aktuell im März 2010 durchgeführt hat. Von 2.500 befragten Journalisten räumte nur ein Viertel bei der Online-Befragung bezahlten Internetinhalten gute bis sehr gute Chancen ein.
Mehr als die Hälfte setzt bei seiner eigenen Arbeit auf Social Networks, die sozialen Netzwerke, wie YouTube, Facebook und Co. Rund 60 Prozent der Befragten fühlt sich für die digitale Zukunft "gut" bis "sehr gut" gerüstet. Vor allem die Onlineredakteure sehen hier gelassen in die Zukunft. Ein Drittel fühlt weder gut noch schlecht fürs digitale Zeitalter gerüstet und stuft sich im Mittelfeld ein. Etwa vier von hundert Journalisten schätzen, dass sie eher "schlecht" vorbereitet sind.
Sind die Verlage bereit fürs digalte Zeitalter?
Während sich die Journalisten selbst in der Umfrage eher positiv sehen, sieht die Mehrheit von ihnen die Verlage eher mittelmäßig für den digitalen Wandel gerüstet. Ein Viertel der Befragten ist der Meinung, dass die Verlage für den Digitalen Wandel gewappnet sind. Besonders Journalisten aus dem Rundfunk sind zu einem Drittel von der Widerstandsfähigkeit der Verlage überzeugt. Die Kollegen aus dem Online- und Multimedia-Bereich sind da eher zurückhaltender: Weniger als ein Fünftel findet, dass die Verlage "gut" bzw. "sehr gut" vorbereitet sind. Immerhin 15 Prozent aller Teilnehmer der Studie sehen schwarz für die Verlage und sind der Meinung, dass sie "schlecht" bis "sehr schlecht" auf eine Zukunft im Netz vorbereitet sind.
Qualität bewahren, aber wie?
Die "größte Herausforderung für den etbalierten Journalismus" ist nach Meinung vieler Journalisten in der Befragung die Abkehr junger Menschen vom Qualitätsjournalismus. Vier von zehn Journalisten sehen das mangelnde Interesse der kommenden Generation an hochwertigem Journalismus als ein Kernproblem.
Knapp ein Drittel sieht zudem kein "profitables Erlösmodell" im Internet. 13 Prozent sehen durch das große Informations-Angebot im Netz die "Gatekeeper-Funktion" der Journalisten schwinden und fast jeder zehnte sieht den Qualitätsjournalismus durch "branchenfremde Player wie Google und Social Media" bedroht. Nur wenige (5 Prozent) empfinden das mobile Internet, wie es Smartphones wie Google Android oder Apples iPhone ermöglichen, als Gefahr für qualitative Medien.
Auf die Frage, was die "größten Hürden für erfolgreiche Paid Content-Modelle" sind, geben vier von fünf die weit verbreitete "Umsonst-Mentalität" an. Fast zwei Drittel sehen zudem Bezahlangebote in Konkurrenz zu Umsonst-Anbietern (Mehrfachnennungen möglich). Etwa ein Drittel der Journalisten sieht ein Problem darin, dass vor allem Ältere nicht mehr von den traditionellen Medien umsteigen werden. Ein weiteres Drittel empfindet die Technik von Paid-Content als wenig ausgereift.
Medien machen mit sozialen Medien
Über die Hälfte der Journalisten räumt in der Befragung durch die dpa-Tochter sozialen Medien hohe Relevanz ein. Vor allem die Online-Journalisten sind im Vergleich zu anderen Journalisten von der Bedeutung von Facebook, YouTube und Co. überzeugt. Von 402 befragten Onlinern messen 282 den Onlinediensten eine hohe bis sehr hohe Bedeutung bei - also mehr als zwei Drittel. Ein Drittel aller Befragten hält dagegegen und schätzt den Stellenwert von Social Media eher gering ein.
Am meisten nutzen die Journalisten der Studie YouTube (38,3 Prozent), Xing (37,5 Prozent), Facebook (36,6 Prozent) und Twitter (29,3 Prozent). Flickr nutzen sechs unter hundert Journalisten. Onlinedienste mit weniger als fünf Prozent waren Studi-, Schüler- und MeinVZ, Picasa, Linkedin, Mister Wong, Delicious, Sevenload und Slideshare.
Dabei kann man aber annehmen, dass die meisten Journalisten Xing als Netzwerk für ihre eigenen beruflichen Kontakte nutzen und nicht, um sich an ihre Rezipienten zu wenden. Facebook könnte hier eher eine Rolle spielen. Viele Online-Medien, wie Zeit Online oder Spiegel Online unterhalten bereits ihre eigenen Fansites (nebenbei: von Unternehmen kann man nur ein Fan sein, nicht aber ein Freund) und posten ihre neuesten Artikel über den Internetdienst. Über die Rolle von YouTube für die Medienmacher sagt die Studie leider wenig aus, wobei heutzutage selbst prominente öffentlich-rechtliche Nachrichten auf den Onlinedienst als Quelle zurückgreifen.
Online-Quelle Nummer eins: Nachrichtenportale
Die Journalisten in der Studie beobachten vor allem Online-Nachrichtenportale, wie Spiegel Online, um auf dem Laufenden zu bleiben. An die 90 Prozent informieren sich über diesen Weg.
Parallel dazu spielen Online-Newsletter für viele eine wichtige Rolle (68,1 Prozent), gefolgt von Blogs (28,4 Prozent) und Twitter (18,9 Prozent) - Mehrfachnennungen waren möglich. Lediglich vier unter hundert Journalisten informieren sich nicht über das Internet - zumindest in der Befragung.
Viele würden es wieder tun
Die befragten Journalisten sind mehrheitlich zufrieden mit ihrem Job. Runde 60 Prozent würden auf jeden Fall den gleichen beruflichen Weg einschlagen. Bei allen Unsicherheiten, die die Branche birgt, ist der Beruf des Journalisten für die meisten weiterhin erstrebenswert.
Vor allem Rundfunkredakteure und Online-Journalisten sind sehr überzeugt von ihrem Job. Über zwei Drittel würden ohne Zweifel die gleiche berufliche Laufbahn einschlagen.
Etwa ein Drittel aller Befragten würde sich die Entscheidung zumindest noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Acht unter hundert Journalisten würden einen anderen Beruf wählen, hätten sie heute noch einmal die Wahl.
Interaktive Grafik: "Welche drei Fähigkeiten werden für Journalisten in Zukunft am meisten an Bedeutung gewinnen?" Geantwortet haben 2.582 Studienteilnehmer; Mehrfachnennung waren möglich. (Bitte klicken)
Über die Studie
Insgesamt nahmen 2.682 Journalisten an der Befragung im März 2010 teil. Über zwei Drittel der befragten Journalisten sind über elf Jahre im Geschäft - die Hälfte von ihnen ist bereits länger als 20 Jahre mit dabei. Nur ein Drittel aller Befragten arbeitet weniger als elf Jahre in der Branche.
Wie die Abbildung unten zeigt, ist der überwiegende Teil der Journalisten in der Studie hauptsächlich im Printbereich bei Zeitschriften und Zeitungen tätig. Bei Online-Medien arbeiten 16,3 Prozent und 11,1 Prozent sind beim Rundfunk.
www.newsaktuell.de
Download: Studie "Trend Monitor 2010" bei news aktuell [PDF: 2,8 MB]
Download: Zusammenfassung der Studie "Trend Monitor 2010" bei news aktuell [PDF: 1,2 MB]
Autor: Sami Skalli
Grafik: Sami Skalli
Bildmaterial: PSD Graphics
Quelle: news aktuell, Faktenkontor









Die interaktive Grafik is der Hammer... 8-)
Ansonsten: Bin ich überrascht von der doch offenen Haltung so vieler Journalisten gegenüber dem alten Medium Internet.