Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Studie

Medienzunft in digitaler Zukunft

Die deutschen Journalisten fühlen sich fit fürs Internet. Aber das Internet ist nicht fit genug für die Journalisten. Denn bei aller Euphorie, bezahlen will fast niemand im Netz. Dessen sind sich auch die Medienmacher bewusst. Eine Studie fängt die Stimmung unter den Journalisten gegenüber dem digitalen Wandel ein.

Hamburg. Die Mehrheit der deutschen Journalisten schätzt die Chancen für Bezahlangebote im Internet eher mittelmäßig ein. Zumindest sagen das die Zahlen einer Studie, die die dpa-Tochter news aktuell im März 2010 durchgeführt hat. Von 2.500 befragten Journalisten räumte nur ein Viertel bei der Online-Befragung bezahlten Internetinhalten gute bis sehr gute Chancen ein.

Mehr als die Hälfte setzt bei seiner eigenen Arbeit auf Social Networks, die sozialen Netzwerke, wie YouTube, Facebook und Co. Rund 60 Prozent der Befragten fühlt sich für die digitale Zukunft "gut" bis "sehr gut" gerüstet. Vor allem die Onlineredakteure sehen hier gelassen in die Zukunft. Ein Drittel fühlt weder gut noch schlecht fürs digitale Zeitalter gerüstet und stuft sich im Mittelfeld ein. Etwa vier von hundert Journalisten schätzen, dass sie eher "schlecht" vorbereitet sind.

"Wie sind Sie als Journalist für die digitale Zukunft gerüstet?" 62 von 100 Journalisten sehen gelassen ins Digitale Zeitalter: Sie fühlen sich "gut" bis "sehr gut" gerüstet. (Basis = 2.682)

Sind die Verlage bereit fürs digalte Zeitalter?

Während sich die Journalisten selbst in der Umfrage eher positiv sehen, sieht die Mehrheit von ihnen die Verlage eher mittelmäßig für den digitalen Wandel gerüstet. Ein Viertel der Befragten ist der Meinung, dass die Verlage für den Digitalen Wandel gewappnet sind. Besonders Journalisten aus dem Rundfunk sind zu einem Drittel von der Widerstandsfähigkeit der Verlage überzeugt. Die Kollegen aus dem Online- und Multimedia-Bereich sind da eher zurückhaltender: Weniger als ein Fünftel findet, dass die Verlage "gut" bzw. "sehr gut" vorbereitet sind. Immerhin 15 Prozent aller Teilnehmer der Studie sehen schwarz für die Verlage und sind der Meinung, dass sie "schlecht" bis "sehr schlecht" auf eine Zukunft im Netz vorbereitet sind.

Wie sind die deutschen Verlage und Medienunternehmen für die digitale Zukunft gerüstet? 1,8% antworteten "sehr gut", 23,3% "gut, 53,1% "mittelmäßig", 13,6% antworteten "schlecht" und 5,7% wussten keine Antwort. (Basis = 2.682)

Qualität bewahren, aber wie?

Die "größte Herausforderung für den etbalierten Journalismus" ist nach Meinung vieler Journalisten in der Befragung die Abkehr junger Menschen vom Qualitätsjournalismus. Vier von zehn Journalisten sehen das mangelnde Interesse der kommenden Generation an hochwertigem Journalismus als ein Kernproblem.

Klassische Medien in Zeiten des Internets: Qualität bewahren und dabei Geld verdienen - geht das?

Knapp ein Drittel sieht zudem kein "profitables Erlösmodell" im Internet. 13 Prozent sehen durch das große Informations-Angebot im Netz die "Gatekeeper-Funktion" der Journalisten schwinden und fast jeder zehnte sieht den Qualitätsjournalismus durch "branchenfremde Player wie Google und Social Media" bedroht. Nur wenige (5 Prozent) empfinden das mobile Internet, wie es Smartphones wie Google Android oder Apples iPhone ermöglichen, als Gefahr für qualitative Medien.

Auf die Frage, was die "größten Hürden für erfolgreiche Paid Content-Modelle" sind, geben vier von fünf die weit verbreitete "Umsonst-Mentalität" an. Fast zwei Drittel sehen zudem Bezahlangebote in Konkurrenz zu Umsonst-Anbietern (Mehrfachnennungen möglich). Etwa ein Drittel der Journalisten sieht ein Problem darin, dass vor allem Ältere nicht mehr von den traditionellen Medien umsteigen werden. Ein weiteres Drittel empfindet die Technik von Paid-Content als wenig ausgereift.

Medien machen mit sozialen Medien

Über die Hälfte der Journalisten räumt in der Befragung durch die dpa-Tochter sozialen Medien hohe Relevanz ein. Vor allem die Online-Journalisten sind im Vergleich zu anderen Journalisten von der Bedeutung von Facebook, YouTube und Co. überzeugt. Von 402 befragten Onlinern messen 282 den Onlinediensten eine hohe bis sehr hohe Bedeutung bei - also mehr als zwei Drittel. Ein Drittel aller Befragten hält dagegegen und schätzt den Stellenwert von Social Media eher gering ein.

Am meisten nutzen die Journalisten der Studie YouTube (38,3 Prozent), Xing (37,5 Prozent), Facebook (36,6 Prozent) und Twitter (29,3 Prozent). Flickr nutzen sechs unter hundert Journalisten. Onlinedienste mit weniger als fünf Prozent waren Studi-, Schüler- und MeinVZ, Picasa, Linkedin, Mister Wong, Delicious, Sevenload und Slideshare.

YouTube, Xing und Facebook schneiden der Befragung der Journalisten am besten ab.

Dabei kann man aber annehmen, dass die meisten Journalisten Xing als Netzwerk für ihre eigenen beruflichen Kontakte nutzen und nicht, um sich an ihre Rezipienten zu wenden. Facebook könnte hier eher eine Rolle spielen. Viele Online-Medien, wie Zeit Online oder Spiegel Online unterhalten bereits ihre eigenen Fansites (nebenbei: von Unternehmen kann man nur ein Fan sein, nicht aber ein Freund) und posten ihre neuesten Artikel über den Internetdienst. Über die Rolle von YouTube für die Medienmacher sagt die Studie leider wenig aus, wobei heutzutage selbst prominente öffentlich-rechtliche Nachrichten auf den Onlinedienst als Quelle zurückgreifen.

Welche Relevanz hat Social Media für die journalistische Arbeit? Das Ergebnis: 8,1% gaben "sehr hoch" an, 46,9% "hoch", 31,9% "gering", 3,3% "gar keine" und 9,8% antworteten "weiß nicht". (Basis = 2.572)

Online-Quelle Nummer eins: Nachrichtenportale

Die Journalisten in der Studie beobachten vor allem Online-Nachrichtenportale, wie Spiegel Online, um auf dem Laufenden zu bleiben. An die 90 Prozent informieren sich über diesen Weg.

Parallel dazu spielen Online-Newsletter für viele eine wichtige Rolle (68,1 Prozent), gefolgt von Blogs (28,4 Prozent) und Twitter (18,9 Prozent) - Mehrfachnennungen waren möglich. Lediglich vier unter hundert Journalisten informieren sich nicht über das Internet - zumindest in der Befragung.

Viele würden es wieder tun

Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie heute noch einmal die journalistische Laufbahn einschlagen? (Basis = 2.472)

Die befragten Journalisten sind mehrheitlich zufrieden mit ihrem Job. Runde 60 Prozent würden auf jeden Fall den gleichen beruflichen Weg einschlagen. Bei allen Unsicherheiten, die die Branche birgt, ist der Beruf des Journalisten für die meisten weiterhin erstrebenswert.

Vor allem Rundfunkredakteure und Online-Journalisten sind sehr überzeugt von ihrem Job. Über zwei Drittel würden ohne Zweifel die gleiche berufliche Laufbahn einschlagen.

Etwa ein Drittel aller Befragten würde sich die Entscheidung zumindest noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Acht unter hundert Journalisten würden einen anderen Beruf wählen, hätten sie heute noch einmal die Wahl.

Journalist der Zukunft: Was sollte er können?

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Interaktive Grafik: "Welche drei Fähigkeiten werden für Journalisten in Zukunft am meisten an Bedeutung gewinnen?" Geantwortet haben 2.582 Studienteilnehmer; Mehrfachnennung waren möglich. (Bitte klicken)

Über die Studie

Insgesamt nahmen 2.682 Journalisten an der Befragung im März 2010 teil. Über zwei Drittel der befragten Journalisten sind über elf Jahre im Geschäft - die Hälfte von ihnen ist bereits länger als 20 Jahre mit dabei. Nur ein Drittel aller Befragten arbeitet weniger als elf Jahre in der Branche.

Wie die Abbildung unten zeigt, ist der überwiegende Teil der Journalisten in der Studie hauptsächlich im Printbereich bei Zeitschriften und Zeitungen tätig. Bei Online-Medien arbeiten 16,3 Prozent und 11,1 Prozent sind beim Rundfunk.

Antworten auf die Frage: "Bitte geben Sie an, in welchem Medienbereich Sie hauptsächlich tätig sind." (Basis = 2468)
Veröffentlicht: 29.06.2010
1 Kommentar
answer #1) Nike van Eppstein - 02.09.2010 - 17:39

Die interaktive Grafik is der Hammer... 8-)

Ansonsten: Bin ich überrascht von der doch offenen Haltung so vieler Journalisten gegenüber dem alten Medium Internet.

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