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Martin, 25 Jahre, Paladin Dax

Erzieher in der Ausbildung

Spielt seit:

Release, 11. Februar 2005

Wieviel spielst du?

Paladin Dax mit erhobener Hand in einer Aurora aus heiligem Licht.
Paladine sind widerstandsfähige Heiler. Auch wenn sie selbst viel Schaden bekommen können sie andere am Leben halten.

Zuviel auf jeden Fall. Ich hab auf Dax eine reine Spielzeit von 212,5 Tagen, und mit den anderen Charakteren zusammen komme ich bestimmt auf 250 Tage. Wobei ich damit wohl im guten Mittelfeld liege. Das ist ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass ich fast Zwei Drittel eines Jahres da dran gehangen habe. Wenn wir abends einen Raid haben; spiele ich schon fünf, sechs, sieben Stunden am Tag. Und in den Ferien … naja, mal zwei, mal drei, manchmal auch mehr.

WoW ist...?

Eigentlich nur ein Hobby, was aber durch den Zeitanspruch doch sehr auf mein Leben übergreift. Ich weiß nicht, ob die Freunde zu kurz kommen. Ich hab aber auch einfach in letzter Zeit keine große Lust abends wegzugehen, also denke ich nicht, dass es daran liegt. Ein paar von meinen Freunden fühlen sich sicher schon ein bisschen vernachlässigt. Andererseits fällt mir das auch nicht so auf, weil durch das Spiel eben auch intensive Kontakte entstehen.

Was motiviert dich, zu raiden?

Momentan eigentlich nicht mehr so viel. Ich hab damals angefangen, weil das Spiel mit Stufe 60 irgendwann durch war und es nur noch im Raid weiterging. Mit der Zeit habe ich dann immer mehr Verantwortung übernommen und mit dem Add-on selber eine Gilde gegründet; mit der ich dann raiden gehe. Mich reizt es auch nicht mehr, hier fast jeden Abend reinzugehen, aber ich will die anderen nicht einfach hängen lassen. Wir spielen mit gut und gerne 40 Leuten zusammen, und für die würde dann vielleicht ein Abend ausfallen, auf den sie sich gefreut haben. Ich stelle mich den anderen zur Verfügung.

Wie wichtig sind die anderen Spieler für dich?

Nicht so wichtig, weil ich auch außerhalb des Spiels keine Probleme habe, Kontakte zu knüpfen. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Wenn es die Leute hier nicht gäbe, hätte ich wahrscheinlich keinen Spaß mehr an dem Spiel. Viele kenne ich jetzt schon sehr, sehr lange, einige, die jetzt hier dabei sind schon seit dem zweiten Tag. Andere seit dem ersten Raid. Ein paar habe ich schon besucht.
Ich finde auch gut, dass ich mit Menschen in Kontakt komme, denen ich sonst nie begegnet wäre oder mit denen ich mich nie beschäftigt hätte. Mit denen beschäftige ich mich dann hier drin und … das ist gar nicht so schlimm <lacht>. Das was zählt ist natürlich erstmal das Ansehen im Spiel, was man so erreicht hat, aber wenn man dann die Leute dahinter kennen lernt, merkt man manchmal, dass die auch so ganz in Ordnung sind.

Wie gehen Freund/Freundin/Freunde/Familie mit dem Spiel um?

Ich steh da nicht so offen zu. Ich verschweige das Thema eher. Wenn mich einer fragt: "Und, was hast du für Hobbys?" dann sage ich immer "Ich spiele Baseball". Ich bin da jetzt nicht stolz drauf, obwohl es schon Spaß macht.
Meine Mutter denkt, ich wäre so ein potentieller Amokläufer. Die weißt jetzt nicht wirklich was ich hier treibe. Meine Freundin hat Zweifel daran, dass ich jemals damit aufhöre. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass WoW mein einziges Online-Rollenspiel bleiben wird. Also wenn es hier mal nicht mehr geht werde ich auch nichts Neues anfangen.
Meine Freundin weiß, was ich da mache und hat auch selber angefangen zu spielen, spielt aber nicht so viel wie ich. Sie würde es auch begrüßen, wenn ich weniger spielen würde.

<Seine Freundin Meike schaltet sich ein>
Meike: Ich glaube, dass Martin sich mit dem Spiel sehr ablenkt. Wenn andere Leute sich zukiffen, dann setzt sich Martin halt vor den Rechner und zockt, wenn er über irgendwas nicht nachdenken will. Das ist seine einzige Stressbearbeitungsstrategie. Außerdem hat er auch kein anderes Hobby mehr. Wenn er jetzt noch tausend andere Sachen machen würde, Sportverein, Freunde treffen, dann würde das ganz anders aussehen.
Martin: Hier im Spiel habe ich auch Leute, von denen ich denke, dass ich ihnen das Herz ausschütten kann, und bei denen das auch auf Gegenseitigkeit beruht. Also man sieht sie nicht wirklich vor sich, aber dadurch, dass wir uns schon so lange kennen, vertrauen wir uns auch Sachen an, die uns bedrücken. Ich habe hier drin schon nächtelang über Gott und die Welt diskutiert. Da leiden die anderen sozialen Kontakte vielleicht auch wieder drunter, weil hier drin wirklich alles gegeben ist, weil man hier genauso die Menschen trifft.
Meike: Was ich problematisch finde ist, dass man konfliktunfähig wird. Ihr habt diesen totalen Leistungsdruck während des Raids, aber ihr könnt auch einfach Leute die euch nerven muten oder auf die Ignore-Liste setzen. Ihr habt einfach nicht diesen Druck Dinge ausdiskutieren zu müssen wenn es schwierig wird.
Martin: Wenn ich Leute nicht mag die ich so treffe, dann ignoriere ich die auch. Dann mach ich die Scheuklappen zu und die können tun was sie wollen.

Ohne das Spiel würde ich / hätte ich…?

Ich wäre bestimmt sehr viel aktiver. Rein körperlich. Ich merk schon, dass ich nach dem dritten Stock außer Atem bin beim Treppesteigen, das war ich früher nicht. Ich würde vermutlich auch mehr andere Dinge tun.
Ich denke schon, dass ich mich durch das Spiel verändert habe. Viele Sachen sind mir gleichgültiger geworden, auch in meinem Umgang mit Menschen. Das entspricht aber vielleicht einfach meiner Art und wäre früher oder später auch so gekommen.

Was wäre ein Grund, aufzuhören?

Wenn ich einen hätte, dann würde ich sofort aufhören. Aber im Moment kann ich mir keinen vorstellen.

Das Interview wurde am Sonntag, den 6. Juli 2008, per Teamspeak während eines Raids der Gilde "Bad Taste" – Kargath(EU) aufgezeichnet.

Veröffentlicht: 19.06.2008
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