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Innovation

Lockerungsübungen fürs Zeitungs-Layout

Eleganz liegt im Trend. Auch bei Zeitungen. Große Bilder und harte Schnitte bestimmen das Seitenlayout der Zukunft. Bloß nicht zu vollgestopft darf die Seite sein. Lieber ein Text weniger, dafür eine Grafik mehr. Die Skandinavier und Holländer haben es vorgemacht, jetzt ziehen die Deutschen nach. Die Devise: Visualisiere, wer kann!

Ein gutes Foto richtig groß rausbringen: eine Panorama-Seite der niederländischen Zeitung NRC next.

Dortmund. Manche Tageszeitungs-Seiten in Deutschland wirken vollgestopft. Als gebe es nie genug Platz für all die Geschichten, über die berichtet werden muss. Noch eine Umfrage, noch ein Verein, der ins Blatt soll. Die Konsequenz: Die Artikel sind kurz, die Aufmacher oft nur 80 Zeilen lang, 120 sind schon viel. Die Bilder sind häufig klein, kleinteilig der Aufbau der Seiten. Dabei geht der Trend gerade in eine ganz andere Richtung: Seriös, edel, elegant soll sie sein. Die Zeitung der Zukunft. Aufgeräumt und luftig. Mit einem magazinigem Touch. Die Skandinavier und Holländer machen es vor. Und manch deutsche Tageszeitung macht es auch schon nach.

Clean wirken die Seiten, aufgeräumt

Harter Schnitt: die Stuttgarter Nachrichten.

Die Stuttgarter Zeitung ist so ein Beispiel. Sie wurde als Europäische Zeitung des Jahres 2010 in der Kategorie Regionalzeitung mit dem European Newspaper Award ausgezeichnet. Aus der Begründung der Jury: "Moderne Bildauffassung steht im Kontrast zu klassischer Typografie". Die Stuttgarter setzen genau das um, was die Jury als einen Trend erkennt. Außergewöhnliche Bildmotive, ungewöhnliche Bild-Schnitte. Clean wirken die Seiten, aufgeräumt. Oder das Konkurrenz-Blatt Stuttgarter Nachrichten. Ein Beispiel-Thema für die Seite drei: Subventionen. Einspaltig das Bild, es zeigt den Ausschnitt einer Gießkanne. Dafür läuft es über die ganze Seite. Harter Schnitt nennen das Layout-Profis. Dazu: Überdimensional große Zahlen, um die Summe der Subventionen zu visualisieren.

Lockerungsübung kommt von auflockern

Luftig: die FTD

Visualisieren. Das ist das Stichwort, um das sich alles dreht. Wie aber kommt der deutsche Zeitungsmarkt dorthin? "Lockerungsübungen" seien das Stichwort, sagt Norbert Küpper, Gründer des Newspaper Award. Mehr als 100 Zeitungen hat der Designer bereits neu gestaltet. Die meisten in Deutschland. Er kennt sich also aus mit dem Zeitungsmarkt. Lockerungsübung kommt von auflockern. Küpper fordert: Weg von den Gruppenbildern, hin zum Individuum. Nicht nur an den Text denken, auch an die Aufbereitung. Das Standard-Layout sollte öfter mal verlassen werden, um altbekannte Themen neu aufzuarbeiten. Neben Freistellern und Bildschnitten würden sich dazu besonders Grafiken eignen. Ein Beispiel für konstant gute Visualisierung: die Financial Times Deutschland.

Die innovativste Zeitung: i alias informação aus Portugal.

Die Gewinnerin: i informação

Zu den innovativsten Zeitungen, die der Markt gerade zu bieten hat, gehört i alias informação aus Portugal. Die Merkmale der Zeitung: Traditionsbruch und Innovation. Nicht nur der Name des European Newspaper of the Year ist so anders als alles, was es in Deutschland gibt. Auch die Umsetzung der Titelseite ist gewagt - magazinig eben. Aber Tageszeitungen sind keine Magazine - oder doch? Küpper meint: "Die Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern zeigen, dass in den vergangenen zehn Jahren Wochenzeitungen wie Die Zeit (27 Prozent) oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (94 Prozent) an Auflagen zugelegt, Lokalzeitungen hingegen bis zu 26 Prozent verloren haben. Die Boulevardzeitungen büßten sogar noch mehr an Auflage ein." Ob ein direkter Zusammenhang zwischen den Auflagenzahlen und der Layout-Entwickung besteht, ist nicht klar. Jedenfalls unterstützen diese Zahlen die Entwicklung des Layouts der Tageszeitungen hin zum Magazin.

Text: Maike Freund, Christin Otto & Nora Weis
Fotos: Norbert Küpper

[Artikel Drucken]Veröffentlicht: 30.01.2010
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