"Leben in einer besseren Welt"
Patrick Blumenthal ist Star-Trek-Fan. Er hat das Trek-Dinner Dortmund gegründet, einen Stammtisch für Trekkies. Außerdem spielt er eine Figur in einem Online-Rollenspiel. Im Interview erzählt er, was ihm Star Trek bedeutet.
Dortmund. Ich stehe in einem dunklen Flur. An den Wohnungstüren hängen keine Namensschilder. Zumindest sehe ich keine, so finster ist es. Von innen ist mir diese Betonburg von Mietshaus noch unheimlicher als von außen. Die Fahrstultür öffnet sich. Patrick und seine Frau Ivonne kommen vom Einkaufen zurück. "Du bist schon hier?", fragt er gehetzt. "Es ist doch noch gar nicht fünf." Er drückt mir eine große Plastiktüte mit Kaninchenfutter in die Hand.
Die Wohnung ist angenehm hell. Vom Balkon dringen Licht und frische Luft in den Raum. Auf dem Balkon steht ein Tisch. Ein Kaninchen sitzt darauf und frisst an der gelben Papiertischdecke. Andere Kaninchen hoppeln am Boden herum. Nachdem Patrick und Ivonne die Einkäufe verstaut haben, setzen wir uns auf die Couch. Ich nötige Patrick, seine Star-Trek-Uniform anzuziehen, solange das Licht noch gut ist für ein Foto. Gerade als er zurück kommt und sich wieder hinsetzt, schlägt Ivonne vor, dass er ein Kaninchen mit ins Bild nehmen soll.
Die Wahl fällt auf Spot. Spot, so heißt auch die Katze des Offiziers Data bei Star Trek. "Er hat auch die gleiche Farbe wie Spot", sagt Patrick. "Kaninchen", erzählt er weiter, "die sind wie Tribbles: Sie vermehren sich, sie fressen alles auf und sind zu nichts gut." Ob Kaninchen oder die außerirdischen Tribbles aus der Serie, "es gibt nur einen Sinn, warum man die haben will", sagt Patrick: "Weil sie so flauschig und kuschelig sind." Das Gespräch kommt ganz von allein auf Star Trek. Ich beeile mich, mein Aufzeichnungsgerät in Gang zu bringen.
Sebastian Quillmann: Patrick, wie bist Du zu Star Trek gekommen?
Patrick Blumenthal:
Ich habe damals angefangen, die Klassik-Serie zu gucken. Da war ich fünf. Wenn man Scheidungskind ist und die Mutter ist berufstätig, so dass man den ganzen Tag allein zu Hause verbringt, dann muss man schon fernsehen. Ich fand Star Trek lustig. Das war mal was anderes. Ich meine, was lief denn sonst im Fernsehen? Das "A-Team" oder "Ein Colt für alle Fälle".
Hat die Serie damals schon an Bedeutung für Dich gewonnen?
Nein, zu dem Zeitpunkt noch nicht. Das war für mich einfach nur Unterhaltung.
Ist Star Trek denn heute für Dich mehr als irgendeine Serie?
Ja, das kann man so sagen. Bei der klassischen Serie wurde noch nicht sehr auf die Hintergründe eingegangen. Die Crew war immer auf ihrem Schiff und die kamen praktisch nie nach Hause. Erst bei "The Next Generation" konnte man etwas von der Welt des 24. Jahrhunderts sehen. Da konnte man auch sehen, wie es auf der Erde aussieht. Das hat mir immer sehr gefallen. Es gibt keine unterschiedlichen Staaten, die sich bekriegen. Die Welt ist unter einer Regierung. Das, finde ich, sollten wir heutzutage auch haben. Aber wer macht’s? Es gibt keinen Hunger mehr, es gibt keine Armut mehr. Die leben in einer besseren Welt als wir. Und es wird wahrscheinlich noch sehr lange dauern, bis wir da ankommen. Beziehungsweise, wenn es jemals soweit kommt, werden wir das nicht mehr erleben.
Hast Du denn den Eindruck, dass die Serie Dich als Mensch verändert hat?
Eher nein. Naja, ich habe das Trek Dinner hier in Dortmund gegründet und dabei Leute kennengelernt, die ich sonst vielleicht nicht kennen würde. Aber ansonsten? Ich bin nie in den Keller gegangen und wollte der erste sein, der den Warp-Antrieb erfindet.
Patrick beschreibt, was die Teilnehmer bei einem Trek-Dinner besprechen. (0:19 min., 300kb)
Wie kam es dazu, dass Patrick das Trek-Dinner Dortmund gegründet hat? (0:19 min, 305kb)
"Oh Gott, ein Trekkie!"
Aber Star Trek hat doch einen großen Anteil an Deinem Leben. Du stehst ja auch dazu, indem Du Dich im Internet in Uniform zeigst.
Natürlich stehe ich dazu! Star Trek gibt es seit 1966 und es werden immer noch neue Folgen gedreht. Die Leute arbeiten jetzt gerade am elften Kinofilm. Die Serie kann nicht schlecht sein, sonst gäbe es sie ja nicht so lange. Da muss ich mich auch nicht für schämen! Auch wenn viele Leute sagen "Haha, Star Trek" und sich drüber tot lachen. Dafür sind die Fußballfans und ich kann mit Fußball nichts anfangen. Andere sammeln Briefmarken.
Reagieren die Leute oft so ablehnend?
Ach, nein. Das ist meistens so, dass einer fragt: "Was guckst Du gerne?". Wenn man dann antwortet "Star Trek", kommt als Anwort vielleicht "Oh Gott, ein Trekkie". Aber das nehme ich nicht ernst und gehe da gar nicht erst drauf ein.
A propos Trekkie – wo würdest Du die Grenze sehen zwischen einem Trekkie und einem, der einfach nur gerne Star Trek anschaut?
Das ist ganz einfach. Einer, der bloß mal gerne die Serie guckt, braucht sich keine Uniform zu kaufen und Leute zusammenzutrommeln, um sich einmal im Monat zu treffen und über Neuigkeiten zu reden. Es gibt ja genug Veranstaltungen, über die man reden kann – und die Kinofilme.
Leben Trekkies ein Stück weit in der Welt von Star Trek?
Was heißt "darin leben"? Ich habe mal jemanden gekannt, der hat seine Star-Trek-Uniform 24 Stunden am Tag getragen und meinte, das sei seine Lebensphilosophie. Es tut mir leid, aber für mich sind solche Leute einfach nur bekloppt. Es gibt einen Unterschied zwischen "Trekkie" und "bekloppt".
Aber Du hast vorhin selbst die Philosophie von Star Trek zum Vorbild für eine bessere Welt genommen.
Ich kann damit sehr viel anfangen, ja. Trotzdem ist das etwas anderes.
Als Chefingenieur auf der Suche nach Energie
Du nimmst auch an einem Online-Rollenspiel teil und spielst dabei eine Figur im 24. Jahrhundert. Wer bist Du in Deiner Rolle?
Ich bin Mataleb, der erste Remaner in der Sternenflotte. Zu der Zeit, als ich meinen Charakter entworfen habe, lief gerade der zehnte Film. In dem werden die Remaner ausführlich behandelt – und so kam ich auf die Idee.
In welcher Funktion arbeitet Mataleb?
Ich bin Chefingenieur. Obwohl ich erst im Sicherheitsdienst war. Weil ich im richtigen Leben auch für einen Sicherheitsdienst arbeite, hat mein Captain gesagt, ich sollte der Sicherheitschef sein. Aber der Job war mir zu langweilig.
Sicherheitschef und langweilig?
Da passiert doch nichts! Wenn Eindringlingsalarm ist, schickst Du ein Team hin. Mehr hast Du nicht zu tun. Wenn Admirale oder Botschafter an Bord sind, musst Du Spalier stehen – das war mir zu blöde.
Und was ist als Chefingenieur besser?
Ich sitze viel lieber im Maschinenraum. Wenn dann die Durchsage kommt "Wir brauchen mehr Energie für die Waffenphalanx", dann denke ich nach, wo wir die Energie jetzt herbekommen.
Aber kannst Du nicht einfach irgendeine Lösung für solche fiktiven Probleme erfinden?
Nein, kann ich nicht. Das habe ich mal versucht. Da haben sich direkt Leute beschwert, das sei physikalisch gar nicht möglich. Zum Beispiel habe ich kürzlich gesagt: "Wir beamen die Antimaterie-Behälter." Natürlich weiß ich, dass man rein physikalisch die Antimaterie nicht beamen kann. Aber in einer Folge von "The Next Generation" wurde es gemacht. Also habe ich gesagt, man kann sich auf die Fehler der Serie berufen. Aber die anderen haben es mir nicht durchgehen lassen und ich musste mit einem Shuttle-Schiff die Antimaterie holen.
Als Chefingenieur hast Du Dir auch Star-Trek-Technik auf Dein Handy geholt.
Ich habe den Desktop-Hintergrund einfach an das LCARS-System angepasst. Weil ich das geil finde. Da haben nicht umsonst viele Designer lange dran gearbeitet. Hat auch nicht jeder. Als Klingelton habe ich die Com-Frequenz, die geöffnet wird, und für SMS-Nachrichten habe ich die Computerstimme, die eine eingehende Nachricht ankündigt. Das ist besser als das übliche Getute, das die Handys heute können.
Patricks Handy spricht bei jeder SMS. (0:20 min, 332kb)
Lass uns noch mal auf die Serien und Filme zurückkommen. Hast Du irgendeinen Lieblings-Charakter im Star-Trek-Universum?
Mit Tom Paris vom Raumschiff Voyager kann ich mich gut identifizieren. Er hat die gleichen Charakterzüge wie ich. Früher war er einmal ein verantwortungsloser Mensch, der sich um alle Pflichten gedrückt hat – das war ich früher auch. Aber er ist genau wie ich reifer geworden und erledigt seine Pflicht vernünftig.
Und Data finde ich cool, weil er die Welt um sich herum entdeckt wie ein Kind. Das finde ich faszinierend.
Interview: Sebastian Quillmann; Bilder: Sebastian Quillmann, www.startrek.com, www.phoenix-fleet.de





Steig in dein raumschiff und FLIEGE davon und versuche dich nicht im PC Service Bereich hast eee keine Anung Sory