Kultur der Angst und Ignoranz stoppen
Sierra Leone, Kongo, Tschad, Simbabwe, Kenia. Fünf unterschiedliche afrikanische Länder – aber alle haben die gleichen Probleme: Journalisten können hier nicht frei arbeiten, nicht über die Wirklichkeit schreiben und werden von der Regierung unterdrückt. Doch Gegenwind kommt nicht nur aus Richtung der Staatsoberhäupter.
Bonn. Im Jahr 2006 stürmte eine Spezialeinheit der Polizei die Redaktionsräume des Kenianischen Standard. Die Druckanlagen im Industriegebiet wurden stillgelegt und Stapel frisch gedruckter Zeitungen verbrannt. Die Begründung des Innenministers John Michuki: Verdacht auf angeblich staatsfeindliche Aktivitäten. Der Vorfall wurde weltweit bekannt, da die Spezialeinheit vergessen hatte, die Überwachungskameras auszuschalten und auch die Videos anschließend nicht beschlagnahmte. Die Bilder wurden am nächsten Tag im Fernsehen gesendet und konnten auf der Internetseite des Standard heruntergeladen werden.
Journalisten auf beiden Seiten
Die Repressionsversuche von Polizei und Staat sind das eine Problem. Ebenso groß ist für die afrikanischen Medien aber auch die Gefahr, selbst zu einem Instrument zu werden, das den Hass unter den Völkergruppen schürt. Immer wieder geraten Journalisten zwischen die Fronten und heizen so, oftmals sogar bewusst, schwelende Konflikte weiter an. "Bei uns gibt es Journalisten auf beiden Seiten. Solche, die den Hass und den Krieg schüren und solche, die den Frieden voranbringen möchten. Das macht die Arbeit extrem schwierig", bestätigt Apollonaire Malu Malu, Präsident der unabhängigen Wahlkommission der Demokratischen Republik Kongo. "Die Staatsoberhäupter möchten natürlich Journalisten, die für ihre Interessen arbeiten, und haben deshalb Angst vor professionell ausgebildeten Journalisten, die ihre Aktivitäten kontrollieren könnten. Doch genau die sind wichtig für den Kampf gegen eine Kultur der Angst und der Ignoranz."
Radio Informationsquelle Nummer 1
Gute Journalisten, die sorgfältig rechechieren und objektiv berichten – Kenia könnte sie dringend gebrauchen. Für die meisten Afrikaner ist das Radio mittlerweile die Informationsquelle Nummer eins, denn immer noch können in vielen Ländern Menschen nicht lesen und schreiben, Strom und Internet funktionieren oft nicht zuverlässig. Die Zahl von Radiostationen ist daher in den vergangenen Jahren nahezu explodiert: Noch vor neun Jahren gab es nur eine. Mittlerweile sind es mehr als 40. Rose Kimotho, Geschäftsführerin des Senders Kameme – 101.1 FM in Kenia, hält eine stärkere Regulierung dabei für unerlässlich: "Strengere Richtlinien würden dem Journalismus in Kenia helfen." Journalisten würden nicht richtig ausgebildet, es gebe keine Qualifikationen, die den Zugang zum Beruf regeln. Nur wenige Uni-Absolventen würden eingestellt.
Polizei beschlagnahmt Material
Auch in Simbabwe sind die Medien noch weit von Pressefreiheit entfernt. "90 Prozent der Zeitungen sind unter der Kontrolle der Regierung. Es gibt zwar private Radio- und Fernsehstationen, aber diese überleben nicht lange, da die Polizei sie schnell wieder schließt und das Material beschlagnahmt", erzählt Itai Mushekwe, der früher politischer Berichterstatter des Simbabwe Independent war. "Simbabwe ist wie eine Landmine und sehr gefährlich für Journalisten."
Die meisten Regierungen in Afrika profitieren davon, dass lokale Medien nicht genügend Macht haben, um sich gegen die Einflussnahme des Staats zur Wehr zu setzen. So wird gerade bei Konflikten unabhängige Berichterstattung als Bedrohung angesehen. "Die Regierung möchte keine Gemeinde-Radios. Sie sehen es als Risiko. Obwohl die Journalisten nur helfen möchten, damit die Menschen verstehen, was anderswo passiert", erzählt Delphine Djiraibé, Anwältin und Menschenrechtlerin aus dem Tschad. Die Medien könnten nicht berichten oder dokumentieren, was wirklich passiert. Denn die Regierung duldet keine Kritik, Journalisten werden kurzerhand eingesperrt.
Internationale Medien müssen berichten
Eine schwierige Situation, in der die ausländischen Medien eine wichtige Rolle spielen. Für Itai Mushekwe gehören sie zur Lösung: "Wir brauchen unabhängige Radiostationen von außerhalb, da wir selber keine unabhängigen Radiosender haben. Journalisten aus anderen Ländern müssen mehr tun, da die Möglichkeiten afrikanischer Journalisten oft begrenzt sind. Die Geschichte von Simbabwe muss international erzählt werden." Und Rose Kimotho ergänzt: "Die lokalen und die internationalen Medien müssen sehen, welche Rolle sie spielen können, wann sie beeinflussen und was sie erreichen können." Damit wieder ein Aufschrei durch die Welt geht, wie damals, als die Kenianische Spezialeinheit vergessen hatte, die Videokameras auszuschalten.
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Kampf gegen Windmühlen
Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters
Text: Birte Penshorn
Fotos: Deutsche Welle/B. Frommann



