Medien Monitor - Online-Magazin für den aktuellen Medienjournalismus

Tagung

Kreativität und neue Konzepte

Lange bevor irgendjemand von einer weltweiten Wirtschaftskrise sprach, gab es sie schon: die Medienkrise. Sinkende Anzeigen- und Auflagenzahlen, die Vergreisung der Leserschaft und die Konkurrenz durch das Internet machen vor allem Printmedien zu schaffen. Vier Medien haben ein eigenes Gegenmittel gefunden.

Neue Ideen diskutieren: auf dem Lokaljournalisten-Forum.

Dortmund. Es weht ein harter Wind in der Branche. Die Krise ist bei den Printmedien längst angekommen, nur enden will sie seit Jahren nicht. Die Probleme sind nach wie vor dieselben: Viele Zeitungen bemühen sich vergeblich, auch junge Leser an sich zu binden. Das Internet wird immer populärer und besonders Jugendliche ziehen sich ihre Informationen lieber aus dem Netz, anstatt zum nächsten Zeitungskiosk zu gehen. Gehen Leser verloren, hat das eine Reihe von Konsequenzen: Die Auflage sinkt, die Anzeigenkunden schwinden und am Ende steht der Stellenabbau oder gar der Ruin eines Mediums.

Doch Stellenabbau kann nicht die Lösung sein, meint Wiebke Möhring von der Fakultät für Medien, Information und Design der Fachhochschule Hannover. Es sei wichtig, mit dem Leser zu kommunizieren und dessen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Genau diese Devise versuchen sich einige Medienmacher zu eigen zu machen und entwickeln neue Ideen, um der Krise zu begegnen. Vier Beispiele wurden bei der Podiumsdiskussion "Kreativ aus der Krise - erfolgreich mit neuen Geschäftmodellen" auf dem 18. Forum Lokaljournalismus vorgestellt.

Ein Problem, vier Lösungsversuche

Steve Stein, sogenannter Information Architect, hatte niiu, die Wunschzeitung, im Gepäck und erläuterte die Geschäftsidee der Marke. Andreas Heine, Chefredakteur Radio MK, präsentierte die neue Jugendmarke Yourzz.fm. Die Braunschweiger Zeitung setzt auf die verstärkte Interaktion mit den Lesern - Stefan Kläsener, kommissarischer Chefredakteur, erklärte das Konzept der "Bürgerzeitung".

Ein weiterer Referent: Jörg Riebartsch, Chefredakteur des Darmstädter Echo. Abseits vom allgemeinen Trend, sich online verstärkt zu engagieren, setzen die Echo Zeitungen auf Nischenpolitik und neue redaktionelle Produkte. Hierzu gehört das sogenannte Kinderecho. Seit September 2004 erscheint es monatlich mit einer Auflage von 125.000 Stück als Beilage in der Wochenendausgabe der Tageszeitung. "Wir wollen Kindern nicht die Atompolitik des Iran erklären, sondern die grundlegenden Dinge in der Welt", sagt Riebartsch. Die Resonanz sei riesig. "In Grundschulen wird damit sogar im Unterricht gearbeitet." Grundgedanke sei es, das Printmedium schon bei Kindern bekannt zu machen und sie damit langfristig an sich zu binden. Auch für die etwas gereifteren Semester unter den Lesern hat sich das Darmstädter Echo etwas einfallen lassen - das Wirtschaftsecho. Seit September 2008 ist es auf dem Markt, wird für 3,50 Euro verkauft und beschäftigt sich mit Unternehmen aus der Region. Ein rentables Geschäft, mit dem es möglich sei, Anzeigenkunden zurück zu gewinnen, sagte Riebartsch.

Text und Foto: Maike Freund, Christin Otto & Nora Weis

[Artikel Drucken]Veröffentlicht: 29.01.2010
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